Sonntag, 14. April 2024

Archiv

Unterwegs in Venedig
Feindbild Tourist

Venedig sehen und sterben: 30 Millionen Menschen pro Jahr besuchen eine Lagunenstadt, die für Massentourismus nicht geschaffen ist. Sie fuchteln mit Selfiesticks in der Luft herum, treiben die Preise in die Höhe und stehen überall im Weg herum. Wie leben die Venezianer damit?

Von Kirstin Hausen | 04.11.2017
    Schild in Venedig: "Kein Zugang für Touristen - danke"
    Schild in Venedig: "Kein Zugang für Touristen - danke" (Deutschlandradio / Kirstin Hausen)
    Es reicht, finden immer mehr Einheimische. Wie kommt ein Angestellter pünktlich zur Arbeit, wenn die Boote auf dem Canal Grande mit Besuchern überfüllt sind? Wo geht eine venezianische Familie essen, ohne sich finanziell zu verausgaben?
    Marco Rugliancich, Massimo Brunzin und weitere Einwohner führen Kirstin Hausen durch eine Stadt, die immer weniger sich selbst zu gehören scheint.
    Stadtansicht Venedig - Ansicht vom Strand auf das Hotel Westin Excelsior Venice Lido Ressort auf der Insel Lido am 11.07.2008
    Wem gehört die Insel Poveglia?
    Rückzugsorte für Venezianer sind rar. Viele Inseln wurden zu Luxusresorts umgestaltet. Doch als die verwilderte Insel Poveglia an den Meistbietenden gehen sollte, wehrten sich die Venezianer.
    Vaporetti voller Passagiere auf dem Canale Grande in Venedig
    Im Berufsverkehr mit Touristen
    Ob einheimisch oder Tourist, in Venedig nimmt man den Wasserbus. Zwischen Selfiesticks und Kofferbergen kommt es auf den Vaporetti zu nervenaufreibenden Szenen.
    Ein riesiges Kreuzfahrtschiff überragt venezianische Hafenanlagen
    Der Protestchor singt
    Riesige Kreuzfahrtschiffe bringen Ladungen von Tagestouristen nach Venedig. Den meisten Venezianern sind sie ein Dorn im Auge. Ein Bürgerkomitee ruft deshalb zum Aktionstag gegen Kreuzfahrtschiffe auf.
    Läden mit bezahlbaren Lebensmitteln müssen Einheimische in manchem Teil Venedigs immer mehr suchen
    Souvenirs kann man nicht essen
    In Venedigs Altstadt sind Venezianer eine Minderheit. Immer mehr Läden dort verkaufen deshalb lieber Souvenirs und Luxusessen als Brot und Fleisch. Die Einheimischen müssen bezahlbare Lebensmittel immer mehr suchen.
    Zwei Kinder in Venedig brauchen nicht bei jeder Kleinigkeit in ein Fachgeschäft zu gehen. Sie reparieren kleinere Macken an ihren Drahteseln einfach selbst. Aufnahme vom 27.09.1960
    Der Stadt fehlen die Kinder
    Venedig ist eng und teurer geworden. Wer nicht mitten unter Touristen leben will, zieht aufs Festland. Doch ohne junge Paare, wo bleiben Venedigs Kinder?