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Untreue
Die Suche nach sexueller Erfüllung

Fremdgehen ist ein gesellschaftliches Tabu, das jedoch jeden Tag gebrochen wird. Und das, obwohl die Mehrheit der Untreuen angibt, den Partner zu lieben. Selbst wollen die Fremdgänger jedoch nicht betrogen werden, denn: Die Folgen können schwere seelische Verletzungen sein.

Von Martin Winkelheide | 11.11.2014
    Ein Mann hat einen Kussmund am Hemdkragen.
    In Umfragen gibt die überwältigende Mehrheit der Untreuen an, sie liebten ihren Partner, sie würden gerne treu sein. (picture alliance / dpa - Oliver Berg)
    Amerikaner haben "jemanden nebenbei". Schweden und Russen sagen von sich, sie "brechen nach links aus". "Vom Pfad abweichen", so nennen es Japaner, Israelis "essen auswärts". Iren "spielen abseits", Niederländer "schnappen sich die Katze im Dunkeln". Ein Chinese mit Frau und Geliebter versucht "zur gleichen Zeit in zwei Booten zu stehen". Es kommt in allen Kulturen vor.
    "Das ist zwar ein gesellschaftliches Tabu irgendwo, aber es passiert in der Realität jeden Tag."
    "Bei meiner Großmutter und meinem Großvater war das ein ganz anderes Thema. Die waren sich treu, bin ich sicher, nur: Sie waren ja auch nicht glücklich damit."
    Zahlen über das Phänomen "Untreue" sind unzuverlässig. Sie basieren auf Selbstauskünften. Einige Umfragen sagen, etwa jeder vierte Mann verstricke sich in eine Affäre. Bei Frauen seien es rund 18 Prozent. Andere Quellen kommen zu dem Ergebnis, etwa jeder zweite in einer Beziehung lebende Mensch habe im Laufe seines Lebens nebenbei eine Liebschaft.
    "Meine Freundin ist die Königin des Seitsprungs, und interessanterweise ist ihre Beziehung die stabilste im ganzen Freundeskreis."
    Seitensprünge, auch das deuten Umfragen an, sind in der Regel keine einmaligen, kurzfristigen sexuellen Abenteuer. 60 Prozent der befragten Seitenspringer geben an, die Affäre habe länger als einen Monat gedauert. Und von diesen sagt jeder zweite: Sie dauerte länger als ein halbes Jahr.
    "Ich glaube, dass meine Ehe auch daran gescheitert ist, dass ich in meiner Ehezeit keine Geliebte hatte."
    Abwägung zwischen stabiler Paarbildung und Fortpflanzung
    In Umfragen gibt die überwältigende Mehrheit der Untreuen an, sie liebten ihren Partner, sie würden gerne treu sein - und auf gar keinen Fall selbst betrogen werden.
    "Ich hatte bisher eigentlich immer offene Beziehungen. Insofern war es immer eine Untreue, die war auch genehmigt, die war so besprochen."
    Das meist genannte Motiv für Untreue: sexuelle Unzufriedenheit in der Beziehung. Die Suche nach sexueller Erfüllung.
    Zoologen und Verhaltensforscher sagen: Vom biologischen Erbe her ist der Mensch nicht ausschließlich auf Monogamie angelegt. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen gebe es sich widersprechende Strategien: Auf der einen Seite die Suche nach einer stabilen Paarbindung, um dem eigenen Nachwuchs optimale Überlebenschancen zu sichern. Auf der anderen Seite werde auch die Chance gesucht, sein "reproduktives Potential" über die feste Partnerschaft hinaus zu nutzen.
    Dann gibt es noch die sogenannte "Cafeteria"-Theorie des Seitensprungs: Ein Partner allein kann nicht alle Ansprüche an das Leben befriedigen. Also wird von verschiedenen Partnern das Beste zusammengesucht.
    "Treue ist für mich mehr eine seelische Sache als eine körperliche, würde ich sagen."
    "Wenn man sich gegenseitig dieses Treueversprechen gibt, dann bin ich der Meinung, dann sollte man sich auch daran halten."
    Affären hinterlassen Opfer. Sie leiden unter der Untreue, werten sie als Verrat an der Beziehung. Die Folge können schwere seelische Verletzungen sein.
    Was tun? Vorbeugen? Kontrollieren? Den Partner nicht aus den Augen lassen. Die griechische Göttin Hera wählte diesen Weg. Sie engagierte für Zeus einen Bodyguard – den hundertäugigen Argos. Geholfen hat dies wenig.