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StartseiteCorso"Internet-Kultur geht verloren"26.03.2019

Urheberrechtsreform"Internet-Kultur geht verloren"

Das Europaparlament hat heute die umstrittene Reform des Urheberrechts auf den Weg gebracht. Damit soll das Hochladen von urheberrechtlich geschützten Materialien mit Upload-Filtern verhindert werden. Das sei ein schwarzer Tag für das freie Internet, sagte Journalist Markus Reuter im Dlf.

Markus Reuter im Gespräch mit Achim Hahn

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Protest gegen die Urheberrechtsreform am 23. März 2019 in Berlin. (www.imago-images.de)
Protest gegen die Urheberrechtsreform am 23. März 2019 in Berlin. (www.imago-images.de)
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Allein am Wochenende sollen bis zu 200.000 Menschen gegen die umstrittene Urheberreform in 45 Städten demonstriert haben. Sie befürchten Freiheitseinbußen im Internet.

Digitale Upload-Filter

Das Problem seien die digitalen Upload-Filter, sagte Markus Reuter von netzpolitik.org, die ein sogenanntes "Over-Blocking" produzierten und auch den Upload urheberrechtlich nicht relevanter Inhalte blockierten. Das läge auch daran, dass man diese Lizensierungspflicht an alle Inhalte gekoppelt habe und nicht nur auf diejenigen, die auch wirklich an Verwertungsgesellschaften gebunden seien. Viele Filter würden somit eine Urheberrechtsverletzung erkennen, wo aber tatsächlich keine Verletzung der Urheberrechte vorläge. 

Gefahren für die Kreativität

Bedroht sei eine digitale Remix-Kultur, sagte Reuter. Dass Leute aus vorhandenen Dingen etwas machen: Parodien, Satire, solche Dinge, geraten auf jeden Fall in Gefahr. Sie könnten nicht mehr ins Netz hochgeladen werden, so Reuter. Daraus resultiere ein Verlust von Internet-Kultur. 

Eine Alternative zur Urheberrechtsreform wäre zum Beispiel eine Digitalsteuer gewesen, die IT-Konzerne, die hier kaum Steuern zahlen, entrichten müssten. Davon hätten auch Künstler und Urheber profitiert, sagte Reuter. 

Abschreckende Wirkung auf junge Leute

Besonders junge Leute, die gegen die Reform protestierten, fühlen sich jetzt vor den Kopf gestoßen. Die Aktivisten wurden von der Politik sogar als Mob bezeichnet, als gekaufte Demonstranten. "So etwas tut einer Demokratie nicht gut", sagte Reuter. Legitimer Protest dürfe nicht als instrumentalisiert, als gekauft oder fremdgesteuert, hingestellt werden. 

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