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StartseiteWirtschaft und GesellschaftADFC: Fahrradtourismus als Konjunkturprogramm05.03.2020

Urlaub mit dem RadADFC: Fahrradtourismus als Konjunkturprogramm

Urlaub mit dem Fahrrad ist Trend, sagt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club. Fast 5,5 Millionen Menschen haben 2019 Radreisen mit mehreren Übernachtungen unternommen. Weil sie pro Tag bis zu 100 Euro ausgeben, helfe das nicht nur Hotels oder Pensionen, sondern auch Hofläden entlang der Strecke.

Von Anja Nehls

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Ein Paar fährt bei Sonnenuntergang auf dem Fahrrad. (Everton Vila/Unsplash)
Mit dem Fahrrad Deutschland entdecken - diese Art von Urlaub steht laut ADFC hoch im Kurs (Everton Vila/Unsplash)
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Fahrradurlaub steht in Deutschland nach wie vor hoch im Kurs. Der neuesten ADFC-Radreiseanalyse zufolge haben im vergangenen Jahr fast 5,5 Millionen Menschen Radreisen mit mehreren Übernachtungen unternommen. Das reine Absolvieren von langen Strecken steht für die meisten Radler dabei nicht im Vordergrund. Es geht mehr darum, während der Radtour Städte und Sehenswürdigkeiten zu besuchen, zu baden und gut essen zu gehen. 70 bis 100 Euro geben Radreisende pro Tag aus. Die meisten übernachten während ihrer Radreise in Hotels oder Pensionen an der Strecke. Damit sei der Fahrradtourismus ein Konjunkturprogramm für die ganze Republik, so Frank Hofmann vom ADFC. 

"Fahrradtourismus ist personalintensiv. Wir reden über Arbeitsplätze, die man nicht irgendwohin exportieren kann, die Übernachtungsbetriebe profitieren in großer Weise davon. Es gibt Regionen, die uns davon berichten, dass kleine Tante Emma Läden dadurch am Leben erhalten werden. Wir haben Hofläden von Bauern, die an Radfernwegen liegen, die davon leben, dass sie direkt etwas verkaufen und dort natürlich auch ihren Wirtschaftsbereich nahe bringen. Das ist eine sehr vielfältige Wirkung, die der Fahrradtourismus da ausstrahlt, für die regionalwirtschaftliche Entwicklung hat das hohe Bedeutung."

Weser Radweg ist der beliebteste Fernradweg in Deutschland

85 Prozent der Radurlauber haben sich ihre Tour mithilfe von Apps oder Informationen aus dem Internet selbst zusammengestellt. Fast genauso viele wünschen sich allerdings mehr bereits ausgearbeitete Tourenvorschläge, die dann durch eine gute Beschilderung auch leicht nach zu radeln sind. Neben digitaler Infrastruktur spiele auch die analoge Serviceinfrastruktur weiterhin eine Rolle.

"Wer will den ständig aufs Handy gucken während einer schönen Radreise. Ich möchte die Landschaft genießen, ich möchte nach rechts und links gucken, ich möchte mich mit meinem Partner, meinen Kindern unterhalten auf einer Radtour oder Radreise. Das heißt verlässliche Wegweisung mit einem qualitativen Mindeststandard ist weiterhin das A und O."

Vorbildlich in dieser Hinsicht ist der Weser Radweg. Der damit auch zum zweiten Mal in Folge der beliebteste Fernradweg in Deutschland ist. Auf Platz zwei und drei liegen der Elbe- und der Ruhrtalradweg.

Bahn-Fernverkehrsangebot zur Fahrradmitnahme reiche nicht aus

Um zu attraktiven Startpunkten für eine Tour zu kommen, legt jeder zweite Freizeitradler inzwischen über 60 Kilometer zurück. 60 Prozent fahren dabei immer noch mit dem Auto, obwohl die Mitnahme des Fahrrads in Bussen und Bahnen eine immer größere Rolle spielt und auch in Zukunft spielen könnte. 70 Prozent der vom ADFC befragten Radler kritisieren allerdings, dass das Angebot der Bahn gerade im Fernverkehr nicht ausreiche. Immerhin habe die Bahn jetzt einen Anfang gemacht, so Frank Hofmann:

"Der ICE4 hat Fahrradabstellplätze, aber eben auch nur eine geringe Anzahl. Und gerade in der Saison - mit über 5 Millionen Fahrradtouristen - reden wir nur über einen sehr geringen Teil an Möglichkeiten im Fernverkehr. Es ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Deutschland, es ist ein wichtiges und umweltfreundliches Segment. Fahrrad und Bahn gehören an der Stelle zusammen und dem müsste man durch mehr Aktivitäten Ausdruck verleihen."

90 Prozent der Radreisenden fahren auch im Alltag Fahrrad. Und wer im Urlaub einen Radausflug hinter sich hat, nutzt es danach auch häufiger für die tägliche Mobilität. Insofern befördere der Radtourismus einen Bewusstseinswandel, der dann auch die Mobilitätswende unterstütze, so Hofmann. Die Mobilitätswende brauche eben nicht nur mehr Radwege und bessere Bus und Bahnangebote:

"Wir wissen, im Wesentlichen findet sie im Kopf statt und nicht nur auf der reinen infrastrukturellen Ebene. Das Verhalten muss sich ändern.

Und das scheint, was die Zunahme der Fahrradnutzung betrifft, auch zu klappen. Der oder die durchschnittliche Radreisende ist 53 Jahre alt, Wochenendausflügler etwas jünger. Fast jeder Dritte nutzt inzwischen für die Tour ein Elektrorad, vor drei Jahren waren es noch nicht mal halb so viele.

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