Mittwoch, 29. Juni 2022

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US-Amerikaner in Deutschland
"Hoffen, dass Trump eins auf die Mütze kriegt"

Selten hat ein Wahlkampf so polarisiert wie der Kampf der beiden Kandidaten Hillary Clinton und Donald Trump um das Weiße Haus. Das ist auch unter Auslandsamerikanern zu spüren, die sich in Deutschland deutlich öfter haben registrieren lassen als in Wahlen zuvor. Ein Stimmungsbild unter Demokraten und Republikanern in Deutschland.

Von Anke Petermann | 03.11.2016

In Berlin unterstützt eine junge Frau Amerikaner, sich für die US-Wahlen zu registrieren.
In Berlin unterstützt eine junge Frau Amerikaner, sich für die US-Wahlen zu registrieren. (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)
"Trump gegen Clinton – Was bedeutet die US-Wahl für Europa?", so die Frage im barock anmutenden Goldsaal des Mainzer Hilton. Eingeladen hat die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz.
In Deutschland machen sich Trump-Anhänger rar
Der Saal: Voll bis auf den letzten Platz, aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet sind Verfechter des transatlantischen Dialogs zusammen gekommen, unter ihnen erklärte Fans der USA, aber kein einziger Trump-Anhänger. Und nur zwei wahlberechtigte US-Bürgerinnen. Die stoßen nach der Diskussion miteinander an:
"Auf die Hoffnung!" Beverly Seebach und Muriel Mirak-Weißbach haben sich soeben erst kennengelernt. Die Managerin und die Schriftstellerin sind beide "für Hillary". Seebach arbeitet ehrenamtlich für die "Democrats Abroad" in der Region Mainz-Wiesbaden. Was die Demokratinnen hoffen?
"Dass Trump eins auf die Mütze kriegt", wünscht sich die US-Autorin Mirak-Weißbach. Und schickt eine Kaskade von Schmähungen hinterher. "Er ist Narzisst, er ist paranoid."
Das mögen andere nur so dahin sagen.
Den Größenwahn teilt Trump mit arabischen Despoten
Doch die armenisch-stämmige Nahost-Expertin weiß, wovon sie spricht. Sie hat über die Psyche arabischer Despoten geforscht und geschrieben.
Bei Trump entdeckt Mirak-Weißbach ähnlich psychopathische Züge wie bei Assad und Co. Nur befehligten die arabischen Tyrannen keine atomar bewaffnete Supermacht. Trump hingegen wäre als US-Präsident Oberbefehlshaber der Streitkräfte.
"Er könnte durchdrehen. Und er ist Commander in Chief. Er kann auch diesen Knopf drücken, für einen Atomkrieg."
Fest steht: Donald Trump hat angekündigt, die Militärausgaben hochzufahren und Generäle auszutauschen, sollte er Präsident werden.
Das dürfte auch die rund 70.000 US-Soldaten in Deutschland, die Zivilbeschäftigten und Familienangehörigen interessieren. Die meisten leben im Pfälzer Dreieck zwischen Kaiserslautern, Landstuhl und Ramstein als größtem US-Stützpunkt außerhalb der Vereinigten Staaten. Aber von ihnen ist im US-Wahlkampf nichts zu hören.
Militärs wählen eher republikanisch
Army-Angehörige wählen eher Republikaner als Demokraten, weiß David Sirakov, Direktor der Atlantischen Akademie in Kaiserslautern, alias K-Town. Aber sie meiden Polit-Diskussionen,
"Weil ihnen auch per Gesetz - ich will nicht sagen untersagt, aber es ist sehr stark eingeschränkt, sich parteipolitisch zu äußern in der Öffentlichkeit. Und deshalb werden Sie auch keinen Soldaten finden, der sich für oder gegen Trump äußert. Und da der größte Teil der Präsenz der Amerikaner hier in Rheinland-Pfalz militärischer Natur ist, werden Sie recht wenige Amerikaner und Amerikanerinnen finden, die auf Veranstaltungen kommen und sich dann auch noch öffentlich äußern."
Seebach und Mirak-Weißbach müssen als Zivilistinnen keine Rücksicht nehmen. Obwohl der Abstand zwischen Trump und Clinton nur noch sehr klein ist, sind die beiden Demokratinnen überzeugt, dass Hillary das Rennen am Ende macht. Und wenn nicht? Dass das ihr Privatleben in Deutschland ändern würde, glauben die beiden Auslands-Amerikanerinnen nicht. Doch Beverly Seebach sorgt sich um die transatlantischen Beziehungen:
"In meinem geschäftlichen Leben arbeite ich in Deutschland. Und ich finde, wirtschaftlich ist Europa ein wichtiger Partner für die USA, und wenn Trump alles kaputt macht, werden wir in Europa sehr darunter leiden. Und in Deutschland werden wir das auch spüren."
Trump werde den Handel nicht ruinieren, widerspricht Jason Jackson. Denn der Milliardär sei doch zu allererst auf Vorteile fürs eigene Business aus, er werde daher eine wirtschaftsfreundliche Politik machen. Das ist aber auch schon das Netteste, was dem Ex-US-Soldaten zu Trump einfällt.
"Trump ist ein Miststück, darf man das so sagen?”
"Ich glaube, er ist ein Miststück, darf man das so sagen? Ehrlich - er ist ein Frauenheld, eher ein Entertainer als ein Politiker, und er würde dem Land nicht gut tun".
Jason Jackson quittierte vor zwei Jahren den Militärdienst aus gesundheitlichen Gründen. Als Ausgeschiedener darf er seine politische Meinung sagen, darf Rasta-Zöpfchen samt Kinnbart tragen, was ihm als Soldat untersagt war. Der Mittdreißiger studiert auf dem Campus der US-Armee in Wiesbaden, wo er stationiert war - das Privileg eines "Veteranen". Dass Trump die Bezüge der "veterans" kappen würde, glaubt Jackson nicht. Aber Einschnitte bei der Renten- und Krankenversicherung fürchtet der Wirtschaftsstudent schon - für seine Mutter in den USA.
"She’s a cancer patient …Sie ist Krebspatientin, und wenn Trump ‚Obama Care‘ als Zugang zum Gesundheitssystem abschafft, dann würde das ihre Krankenversicherung betreffen: die Prämien könnten steigen. Sie wäre nicht in der Lage, das zu bezahlen - und ich könnte ihr finanziell nicht helfen."
Was ihn auch sorgt: Mit Trump als Präsident könnten in den USA die Rassisten an Macht und Einfluss gewinnen.
Mehr Einfluss für Rassisten?
Mitglieder des berüchtigten Ku-Klux-Klan geben dem Republikaner Rückhalt. Selbst wenn er sie offiziell nicht als Unterstützer anerkennt: Trump habe genügend Verachtung über Moslems und Mexikanern ausgekippt, um selbst als Rassist in Verdacht zu geraten, sagt Jackson.
"Coud he be a racist? Who knows, maybe it was all a show. He is an entertainer, right!?”
Alles nur Show? Ein Entertainer als künftiger Chef einer Supermacht? Jason Jackson schaut zur Decke, verdreht die Augen - und schweigt.