Vereinigte Staaten
Die US-Schulden sind ein Risiko für die Weltwirtschaft

Die US-Staatsschulden wachsen. Und das schneller als geplant. Deswegen steigen die Zinsen und Anleger werden nervöser. Das ist nicht nur ein US-Problem, denn die Folgen können weit über die Vereinigten Staaten hinaus reichen.

    Eine Illustration: Ein hohes Gebäude mit mehreren Dollarschildern kippt und stürzt ein, darunter bricht der Boden auf, Menschen laufen in Panik davon.
    Wie geht es weiter mit den US-Finanzen: Die hohe Verschuldung der Vereinigten Staaten kann nicht nur dort zur einer Gefahr werden (picture alliance / imageBROKER / Irina Sergeyeva)
    Ende der 1990er Jahre hatte der Haushalt der US-Regierung noch Überschüsse. Danach folgten Kriege, Steuersenkungen, Finanzkrise, Coronapandemie und demografischer Wandel. Seit Jahren steigen die Ausgaben schneller als die Einnahmen.
    Die USA haben inzwischen erstmals Staatsschulden von mehr als 40 Billionen US-Dollar angehäuft. Rein rechnerisch entfallen damit rund 120.000 US-Dollar auf jeden Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei etwa 34.000 US-Dollar. Die Folgen reichen jedoch längst über die USA hinaus.

    Inhalt

    Gründe für die US-Schulden

    Experten führen den Anstieg der Staatsverschuldung unter anderem auf die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump, langfristige Zahlungsverpflichtungen in den Bereichen soziale Sicherheit und Gesundheitsversorgung sowie steigende Kosten für Zinszahlungen zurück.
    Trumps Bemühungen, die Staatsfinanzen zu verbessern, blieben bislang hinter den Erwartungen zurück. Viele seiner Zölle wurden gerichtlich für unzulässig erklärt; die von der Regierungsabteilung DOGE ausgewiesenen Einsparungen von 215 Milliarden US-Dollar werden von Fachleuten angezweifelt.
    Auch der am 28. Februar 2026 begonnene Krieg gegen den Iran belastet den Haushalt. Bis Juli 2026 beliefen sich die US-Ausgaben nach Angaben von Kriegsminister Pete Hegseth auf 37,5 Milliarden US-Dollar. Für das kommende Jahr hat das Repräsentantenhaus dem Pentagon zudem Mittel von 1,15 Billionen US-Dollar genehmigt.
    „Es ist schon länger bekannt, dass die Regierung der Vereinigten Staaten beim Defizit auf einem wenig nachhaltigen Weg ist”, sagte Jessica Riedl vom Thinktank Brookings Institution. Selbst in Zeiten von Frieden und wirtschaftlicher Stärke hätten die USA Billionendefizite angehäuft. Früher hätten bereits Defizite von drei bis vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts die Märkte beunruhigt, heute seien es eher sechs bis sieben Prozent.

    Zinskosten schränken den US-Haushalt ein

    Schulden sind für Staaten nichts Ungewöhnliches. Problematisch wird es, wenn sie vor allem laufende Ausgaben finanzieren, erklärt Arbeitsmarktökonomin Kathryn Anne Edwards im Sender NPR. Neue Schulden dienen zunehmend der Finanzierung alter Verpflichtungen und nicht Investitionen in die Zukunft. „Wir bauen kein Autobahnnetz, wir bekämpfen nicht den Klimawandel und wir investieren nicht in die nächste Generation”, so Edwards.
    2026 wird die US-Regierung voraussichtlich rund eine Billion US-Dollar allein für Zinsen ausgeben. Die Zinsausgaben haben inzwischen sogar die Verteidigungsausgaben überholt. Das Geld fehlt für Schulen, Infrastruktur und Forschung.
    Gleichzeitig verlangen Anleger höhere Zinsen für neue US-Staatsanleihen. Ende August erreichten die Renditen für 30-jährige „Treasury Bonds“ mit 5,321 Prozent den höchsten Stand seit 2007. Steigen die Zinssätze weiter, wächst der Anteil des Haushalts, der für den Schuldendienst aufgewendet werden muss.
    Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, sorgt sich um die Rolle der USA an den Finanzmärkten und um die Rolle des US-Dollars. Dieser lebe als Leitwährung davon, „dass das Kapital in die USA fließt und die Staatsanleihen nachgefragt werden“. Das sei eine Finanzierung der USA, erläutert Hüther.
    Besonders problematisch wäre ein breiter Ausverkauf von US-Staatsanleihen durch internationale Investoren: „Dann wäre“, so Hüther, „das Finanzierungskonzept der USA und die Rolle des Dollar als Leitwährung torpediert.“

    Mögliche Gefahr einer globalen Staatsschuldenkrise

    „Man muss sich um die Stabilität der globalen Anleihemärkte Sorgen machen”, so der Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr. Die Finanzierung über Schulden sei weltweit deutlich teurer geworden. „Aber nicht nur das: Die Gefahr einer größeren, globalen Staatsschuldenkrise ist aktuell sehr hoch.” 
    Felbermayr warnt vor weltweit steigenden Kosten durch die Staatsverschuldung sowie höheren Kosten für die gesamte Wirtschaft bei der Finanzierung mit Fremdkapital. Das bremse die Konjunktur.
    Auch in Europa sind die Renditen gestiegen. Die Zinsen für deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit erreichten zuletzt rund 3,27 Prozent. Das ist der höchste Stand seit Mai 2011. Felbermayr zufolge treiben die Entwicklungen an den internationalen Anleihemärkten die Zinsen in der Euro-Zone nach oben.
    In der Euro-Zone hätte die im März 2025 beschlossene Lockerung der deutschen Schuldenbremse Folgen. Die Zinsen auf deutsche Staatsanleihen seien nun höher, das treibe auch die Zinsen in anderen Euro-Ländern nach oben, so Felbermayr. In Frankreich erreichte die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen zuletzt fast fünf Prozent.

    Ohne Reformen wächst das Risiko einer Schuldenkrise

    Noch gilt die Lage als beherrschbar. Die USA verschulden sich in ihrer eigenen Währung, dem US-Dollar. Doch die Warnungen nehmen zu. Carolyn Bordeaux von der Concord Coalition sagt: „Irgendwann werden die hohen Schulden zu einer schweren Wirtschaftskrise führen, mit hohen Zinsen und gravierenden Folgen.“
    Ob und wann es tatsächlich so weit kommt, ist umstritten. Je länger Washington wartet, desto größer wird der Teil des Haushalts, der nicht mehr für zukünftige Investitionen zur Verfügung steht, sondern für alte Schulden aufgewendet werden muss. Viele Ökonomen halten deshalb höhere Einnahmen, geringere Ausgaben oder eine Kombination aus beidem für unvermeidlich.

    Onlineartikel: Elena Matera | Quellen: Deutschlandfunk, Agenturen