US-Truppenabzug
Was Trumps Entscheidung für Deutschland und Europa bedeutet

Die US-Regierung will Soldaten aus Deutschland abziehen, mehr als 5.000 von rund 39.000. Was steckt hinter dem angekündigten Truppenabzug? Welche Folge könnte er für Deutschland und Europa haben? Und wie wird die Entscheidung in den USA gesehen?

    Blick auf den US-Militärflughafen Ramstein in Rheinland-Pfalz: Gerade hebt eine Militärmaschine ab.
    Abflug: Werden bald US-Soldaten aus Deutschland abgezogen, wie Präsident Trump gesagt hat? (imago / Werner Schmitt / wolfstone-photo)
    Die US-Regierung hat angekündigt, einen Teil ihrer in Deutschland stationierten Truppen abzuziehen. Deutschland ist nach Japan der zweitgrößte US-Militärstandort außerhalb der Vereinigten Staaten, seit Ende des Zweiten Weltkriegs sind hierzulande US-Truppen stationiert.
    Warum will die Regierung von US-Präsident Donald Trump die Truppen abziehen? Welche Truppen sind betroffen? Was sagen Sicherheitsexperten zu der Entscheidung? Und welche Folgen hätte der US-Truppenabzug insbesondere für Deutschland?

    Welche Truppen sollen aus Deutschland abgezogen werden?

    Mindestens 5.000 US-Soldaten sollen aus Deutschland abgezogen werden. Diese Zahl nannte US-Kriegsminister Pete Hegseth am 2. Mai. Einen Tag später kündigte US-Präsident Donald Trump an, dass die Zahl noch deutlich stärker reduziert werde. "Und zwar um weit mehr als 5000", so Trump vor Journalisten in West Palm Beach im US-Bundesstaat Florida. Wie viele es am Ende sein werden, ist damit noch unklar.
    Geplant ist laut Recherchen von US-Medien der Abzug einer Kampfbrigade, die nach der russischen Vollinvasion in der Ukraine 2022 nach Deutschland verlegt wurde, um NATO-Partner zu unterstützen. Für einen dauerhaften Verbleib dieser Einheit gab es keine Zusage. Betroffen sein soll auch die für dieses Jahr geplante Stationierung eines Bataillons mit weitreichenden Marschflugkörpern vom Typ Tomahawk.
    Deren Bereitstellung für 2006 hatte Trumps Vorgänger Joe Biden auf dem NATO-Gipfel 2024 in Aussicht gestellt, zusammen mit Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen. Werden die Abzugs- bzw. Nichtstationierungspläne umgesetzt, würde die US-Truppenstärke auf den Stand vor Russlands Angriffskrieg 2022 zurückgesetzt.

    Welche Gründe gibt es für den Truppenabzug?

    Nach Angaben des Pentagon folgt die Entscheidung zum Abzug einer gründlichen Überprüfung der Stationierung der US-Streitkräfte in Europa. Diese war bereits vor längerem angekündigt worden. Die Entscheidung steht im Einklang mit den geopolitischen Prioritäten der US-Regierung, die den Fokus stärker auf den indopazifischen Raum und die sogenannte westliche Hemisphäre legen will.
    Dass sie jedoch gerade jetzt, kurz nach der Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Vorgehen der USA im Iran-Krieg, bekanntgegeben wurde, nährt Vermutungen, dass dies zumindest ein Mitgrund sein könnte. Nach Merz’ kritischen Äußerungen am 27. April hatte Trump den Bundeskanzler auf seinem Kanal „Truth Social“ persönlich angegriffen und damit gedroht, einen Truppenabzug aus Deutschland prüfen zu lassen.
    Zudem kündigte der US-Präsident eine Erhöhung der Einfuhrzölle auf Pkw und Lkw aus der EU von 15 auf 25 Prozent an. Auch diese Maßnahme würde vor allem Deutschland und seine Autoindustrie treffen. Wie die “New York Times“ unter Berufung auf einen hochrangigen Mitarbeiter aus dem Pentagon berichtet, sollen beide Maßnahmen durchaus als Akt der Bestrafung für Merz’ Kritik gedacht sein.
    Außenpolitikexperte Hardt vermutet, dass Trumps Ankündigungen in Bezug auf Deutschland „ganz stark innenpolitisch motiviert“ sind. Angesichts seiner schlechten Umfragewerte sehe der Republikaner mit Blick auf die Zwischenwahlen im November seine „Felle davonschwimmen“. Bei den Midterm Elections werden alle Sitze des Repräsentantenhauses und ein Drittel der Senatoren neu gewählt. In beiden Kongresskammern haben die Republikaner derzeit noch eine Mehrheit.

    Welche Folgen hätte ein US-Truppenabzug für Deutschland?

    Nach Angaben des US-Militärs sind derzeit rund 39.000 Soldaten in Deutschland stationiert. Die US-Streitkräfte in Deutschland verteilen sich auf rund 20 militärische Einrichtungen, viele davon im Südwesten und Süden des Landes. Der angekündigte Truppenabzug könnte Folgen für die Regionen haben, in denen sich betroffene US-Stützpunkte befinden.
    Die US-Militärstandorte sind dort ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, etwa als Arbeitgeber, Auftraggeber für Firmen oder den Konsum durch US-Soldaten. Für Ramstein, wo sich der größte US-Luftwaffenstützpunkt außerhalb der USA befindet, beziffert Bürgermeister Ralf Hechler (CDU) die Wirtschaftskraft der US-Militärpräsenz pro Fiskaljahr auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar. Darin inbegriffen sind Löhne, Mieten und Aufträge für lokale Firmen.

    Welche Auswirkungen hätte ein US-Truppenabzug für die europäische Sicherheit?

    Die US-Stützpunkte und -Einrichtungen in Deutschland stammen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und waren im Kalten Krieg wichtig als Garant europäischer Sicherheit. Einzelne Standorte und Einheiten sind weiterhin bedeutend für die europäische Verteidigungs- und Abschreckungsstrategie gegen mögliche Aggressionen aus Russland. Insofern wird es entscheidend sein, welche Truppen die USA am Ende tatsächlich abziehen und wohin sie sie verlegen.
    Würde etwa die Kampfbrigade, deren Abzug aus Deutschland geplant ist, in ein anderes europäisches NATO-Land verlegt, würde dies die konventionelle Verteidigungsfähigkeit Europas nicht schwächen, ein kompletter Abzug aus Europa dagegen schon, so der Direktor des Instituts für Risikoanalysen und internationale Sicherheit, Nico Lange. Wesentlich gravierender wäre nach Einschätzung von Lange und anderen Experten, wenn die geplante Stationierung weitreichender Marschflugkörper vom Typ Tomahawk ausbliebe.
    Der Politikwissenschaftler Carlo Masala von der Bundeswehr-Universität München spricht von "einer wichtigen Fähigkeitslücke mit Blick auf die Abschreckung Russlands". Diese könne erst später mit europäischen Waffen geschlossen werden, so Masala in der "Welt am Sonntag". Bis dahin bleibe eine Abschreckungslücke, die Europa durch Russland erpressbar mache, warnt auch Lange.

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    Wie werden die Truppenabzugspläne in den USA bewertet?

    In Washington kritisieren sowohl Sicherheitsexperten der Demokraten als auch der Republikaner die Abzugsentscheidung der Trump-Administration. Ein Truppenabzug aus Deutschland berge das Risiko, "das falsche Signal an Wladimir Putin zu senden", schrieben Roger Wicker und Mike Rogers, zwei führende Republikaner in den Verteidigungsausschüssen des Kongresses. Zudem wird davor gewarnt, dass sich die USA mit einem Truppenabzug selbst schaden könnte.
    Denn die deutschen Militärstandorte spielen eine wichtige Rolle bei den US-Einsätzen in vielen Konfliktregionen der Welt. So ist etwa die Ramstein Air Base zentrale Luftdrehscheibe der US Army für Europa und den Nahen Osten. Im nahegelegenen Landstuhl befindet sich das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten.
    Es wird demnächst durch eine neue US-Armeeklinik im benachbarten Weilerbach ersetzt. Die dann größte medizinische Einrichtung der US-Armee außerhalb der USA lässt sich das Pentagon mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar. Denn dort können dann auch weiterhin bei Einsätzen im Nahen Osten verwundete US-Soldaten schneller behandelt werden, als es bei einem Transport in die USA möglich wäre.
    Zudem liegt auch der größte US-Truppenübungsplatz außerhalb der USA in Deutschland, nahe Grafenwöhr in Bayern. Am Fliegerhorst Büchel lagern US-Atomwaffen. Und in Stuttgart befinden sich die Hauptquartiere des Europa-Kommandos (Eucom) und des Afrika-Kommandos (Africom) der US-Streitkräfte, in Wiesbaden die Zentrale des US-Heeres in Europa. Ein Neuaufbau einer solchen Infrastruktur an einem anderen Ort, würde die USA nicht nur Milliarden Dollar kosten, sondern auch über einen langen Zeitraum wichtige Ressourcen binden.

    Onlinetext: Annette Bräunlein