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StartseiteInterview"Pflege ist ein Armutsrisiko"16.03.2019

VDK zu Angehörigen in der Heimpflege"Pflege ist ein Armutsrisiko"

Verena Bentele, die Präsidentin des Sozialverbandes VDK, hält nichts davon, Angehörige von Pflegebedürftigen in Heimen als freiwillige Helfer einzusetzen. Das sei in der Struktur kaum umzusetzen, sagte sie im Dlf. Wichtiger wäre es, diejenigen besser zu unterstützen, die Angehörige zuhause pflegten.

Verena Bentele im Gespräch mit Martin Zagatta

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Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VDK (Bernd von Jutrczenka/dpa)
Verena Bentele, Präsidentin des VDK, forderte im Dlf unter anderem eine Pflegevollversicherung, um zu garantieren, dass Pflege in Deutschland nicht zunehmend zum Armutsrisiko wird (Bernd von Jutrczenka/dpa)
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Mehr als drei Millionen Pflegebedürftige gibt es in Deutschland, Tendenz steigend. Gleichzeitig herrscht akuter Fachkräftemangel in der Pflege, die Kosten jedoch explodieren. Könnten diese gesenkt werden, wenn Angehörige sich freiwillig verpflichten, in Heimen mit anzupacken? Verena Bentele, die Präsidentin des Sozialverbandes VDK, hält von dem Vorschlag des CDU-Politikers Erwin Rüddel nichts. Sie könne sich nicht vorstellen, wie das in der Praxis umzusetzen sei, sagte sie im Dlf. Wie wolle man wissen, wer helfe und was die Pflege wert sei, so Bentele. Und wie verpflichtend sei eine solche Vereinbarung? Was passiere, wenn ein Angehöriger kurzfristig ausfalle? Heime könnten dies überhaupt nicht nachhalten, eine konstante Pflege sei so nicht garantiert. Völlig unklar sei auch, wer bei Haftungsfragen zuständig sei.

Diskussion geht am Thema vorbei

Ihrer Ansicht nach geht die Diskussion am Thema vorbei, sagte Verena Bentele im Dlf. Viele Angehörige würden schon jetzt in Heimen unterstützend eingreifen, beispielsweise beim Füttern oder Anziehen von Angehörigen. Das sei keine Leistung, die man freiwillig-verpflichtend einfordern könne, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Modellversuche wie in Baden-Württemberg wolle sie dennoch nicht verbieten, so Bentele. Ihr sei jedoch wichtiger, Maßnahmen umzusetzen, um Angehörige besser zu unterstützen, die Angehörige zuhause pflegen - denn das sei immer noch die Mehrheit in Deutschland. Das könne zum Beispiel über Freistellungsregelungen, zeitweise finanzielle Unterstützung, Pflegepersonenzeit oder Pflegepersonengeld erfolgen. Auch eine Pflegevollversicherung sei denkbar. "An dieser Schraube kann man sicherlich drehen."

Pflege sei in Deutschland "wirklich ein Armutsrisiko" und "ein riesiges Problem der Zukunft", so Bentele im Dlf.

Daher müsse vonseiten der staatlichen Rahmenbedingungen eine Antwort geben werden für Menschen, die sich das jetzt schon nicht mehr leisten könnten. Bentele forderte unter anderem, dass "Großkonzerne hier endlich mal Steuern zahlen" und man darüber Steuermittel für die Pflege generiere.

//Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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