Newsblog zur Lage in Venezuela
Maduros Stellvertreterin Rodriguez als geschäftsführende Präsidentin vereidigt

+++ Delcy Rodriguez hat ihren Amtseid vor der Nationalversammlung in Caracas abgelegt. +++ Der UNO-Botschafter der USA, Waltz, hat den Militäreinsatz in Venezuela verteidigt. +++ Nach Drohungen von US-Präsident Trump reagiert Kolumbiens Staatschef scharf

    Die Vizepräsidentin von Venezuela, Delcy Rodriguez, im März 2025
    Die Vizepräsidentin von Venezuela, Delcy Rodriguez, im März 2025 (AP / Ariana Cubillos)
    Wir schließen dieses Liveblog zum US-Einsatz in Venezuela mit der Gefangennahme des Präsidenten Maduro, der der amerikanischen Justiz übergeben wurde. Wir setzen das Blog fort, wenn die Aktualität es erfordert. Bis dahin bedanken wir uns für das Interesse und dürfen Sie auf unsere Regelberichterstattung verweisen - im Hörfunk, auf dlf.de/nachrichten und in den beiden Deutschlandfunk-Apps.

    Montag, 5. Januar 2026

    Maduros Stellvertreterin Delcy Rodriguez ist als geschäftsführende Präsidentin Venezuelas vereidigt worden.

    Sie legte ihren Amtseid in der Nationalversammlung in Caracas ab. Der Oberste Gerichtshof hatte sie zur Interimspräsidentin ernannt. Die 56-Jährige gilt als jahrelange Unterstützerin Maduros und prägte dessen Kurs mit. Nach der Festnahme des Präsidenten gab sie sich kämpferisch und wies Ansprüche der USA auf eine Kontrolle Venezuelas zurück.

    Der venezolanische Präsident Maduro ist erstmals nach seiner Gefangennahme durch die USA vor einem amerikanischen Gericht erschienen.

    Ihm soll dort wegen Drogenterrorismus der Prozess gemacht werden. In der Anhörung vor einem Richter in New York plädierte Maduro auf nicht schuldig. Maduro erklärte, er sei aus seinem Heimatland entführt worden. Auch Maduros Frau Cilia Flores, die ebenfalls angeklagt ist, plädiert auf nicht schuldig. Der nächste Anhörungstermin wurde für den 17. März angesetzt

    +++ Der UNO-Botschafter der USA, Waltz, hat den Militäreinsatz in Venezuela verteidigt.

    Die Festnahme von Maduro sei ein Akt der Strafverfolgung gewesen, sagte Waltz vor dem UNO-Sicherheitsrat. Die Beweise für Maduros Verbrechen würden in einem Gerichtsverfahren offengelegt. Waltz betonte, dass die USA keinen Krieg gegen Venezuela führten. Washington strebe nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit für das venezolanische Volk. In der Sitzung hatten unter anderem die Vertreter Russlands und Chinas die US-Operation kritisiert.

    +++ Die mexikanische Präsidentin Sheinbaum glaubt nicht an einen US-Militäreinsatz gegen Drogenkartelle in ihrem Land.

    Sheinbaum teilte mit, sie glaube nicht, dass die USA einen solchen Einsatz ernsthaft in Erwägung zögen. Mexiko sei ein souveränes Land, das mit den USA im Kampf gegen den Drogenschmuggel und in Sicherheitsfragen zusammenarbeiteten. Trump hatte am Wochenende einen Militäreinsatz in Mexiko zur Bekämpfung von Drogenkartellen angedeutet.
    Claudia Sheinbaum trägt ein rotes Sakko und steht vor einer schwarz-weißen Fahne, auf der eine Frau, die die mexikanische Flagge trägt, abgebildet ist.
    Im Oktober 2024 wurde Claudia Sheinbaum erste Präsidentin von Mexiko - nur wenige Monate vor dem Amtsantritt von Donald Trump. (picture alliance / ZUMAPRESS.com / Carlos Santiago)

    +++ Der UNO-Sicherheitsrat berät über den US-Militäreinsatz in Venezuela, bei dem Staatschef Maduro festgenommen wurde.

    Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Guterres, kritisierte, dass die Operation nicht im Einklang mit dem Völkerrecht gestanden habe. Zugleich äußerte seine Besorgnis über eine mögliche Verschärfung der Instabilität des lateinamerikanischen Landes. Die Dringlichkeitssitzung in New York war auf Antrag der venezolanischen Übergangspräsidentin Rodríguez einberufen worden. Diese hatte den Angriff verurteilt und die Freilassung Maduros gefordert.

    +++ Der gefangen genommene Nicolas Maduro soll im Laufe des Tages einem Bundesgericht in New York vorgeführt werden.

    Maduro und seine ebenfalls festgenommene Ehefrau Cilia Flores sollen um 18.00 Uhr deutscher Zeit vor einem Bundesgericht in Manhattan erscheinen. Dem 63-jährigen Maduro wird von US-Anklägern vorgeworfen, ein Kokain-Handelsnetzwerk geleitet zu haben.
    Nicolas Maduro und seine Frau Cilia Flores am Helikopterflughafen in New York auf dem Weg zum Bundesbezirksgericht in Manhattan.
    Nicolas Maduro und seine Frau Cilia Flores am Helikopterflughafen in New York auf dem Weg zum Bundesbezirksgericht in Manhattan. (IMAGO / ABACAPRESS / IMAGO / Guerin Charles / ABACA)

    +++ Mehrere CDU-Politiker warnen vor einem Streit mit den USA wegen deren Vorgehen gegen Venezuela.

    "Wir tun uns alle keinen Gefallen, wenn wir jetzt ein vorschnelles Urteil treffen und damit in Streit mit dem US-Präsidenten geraten, den wir ja gewinnen wollen", sagte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hardt, im Bayerischen Rundfunk. Er räumte ein, es gebe bei dem Vorgehen der USA "völkerrechtlich eine ganze Reihe von Fragezeichen". Im Vordergrund müsse für Deutschland aber stehen, Einfluss zu nehmen auf die US-Politik in Fragen, "wo sie uns unmittelbar angeht". Zur Vorsicht riet auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Laschet. Er fragte rhetorisch: "Wäre es klug, wenn sich die Europäer jetzt zu einer einseitigen Anklage gegen US-Präsident Donald Trump entschließen würden?". Das Ergebnis wäre voraussichtlich ein Einflussverlust in der Ukraine-Politik.

    +++ Kolumbiens Präsident Petro hat scharf auf jüngste Drohungen von US-Präsident Trump reagiert.

    Die Äußerungen seien eine "illegitime Drohung", schrieb Petro auf X. Sollte nach dem US-Einsatz in Venezuela auch gegen auch ihn selbst vorgegangen werden, werde dies den "Volksjaguar entfesseln". Damit dürfte Petro den Zorn des Volkes meinen. Trump hatte Petro zuvor ebenso wie schon Maduro Drogenhandel vorgeworfen und einen Militäreinsatz in Kolumbien indirekt nicht ausgeschlossen.

    +++ Die Bundesregierung will vor einer abschließenden Bewertung des US-Militäreinsatzes in Venezuela zunächst die Begründung Washingtons abwarten.

    "Der Bundeskanzler hat unterstrichen, dass alle, auch die USA, das Völkerrecht achten müssen", sagte der stellvertretende ⁠Regierungssprecher Hille. "Dies gilt ausdrücklich für staatliche ‌Souveränität und territoriale Integrität." Die Regierung sehe aber, dass es um eine komplexe Lage handele. Ähnlich hatte sich zuvor bereits Bundesaußenminister Wadephul geäußert.

    +++ Der Iran fordert die Freilassung von Staatschef Maduro und nennt Beziehungen zu Venezuela unverändert.

    Der Iran als enger Verbündeter Venezuelas hat nach der US-Militärintervention die Freilassung von Staatschef Maduro gefordert. "Der Präsident eines Landes und seine Ehefrau sind entführt worden. Das ist ein illegaler Akt", sagte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums. Die Beziehungen des Iran zu Venezuela blieben unverändert, sagte der Sprecher weiter. Die Regierung in Teheran stehe in Kontakt mit den venezolanischen Behörden.

    +++ Die USA müssen nach Ansicht von Bundesaußenminister Wadephul die rechtliche Grundlage für den Einsatz in Venezuela darlegen.

    Die Regierung in Washington müsse vor der Weltöffentlichkeit präzise darlegen, auf welcher rechtlichen Grundlage die Intervention in Venezuela erfolgt sei, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Gleichzeitig sei die Lage hoch komplex. Maduro habe ein Unrechtsregime angeführt, 8 Millionen Menschen seien aus dem Land geflohen. Zudem liefen mehrere Verfahren vor dem internationalen Strafgerichtshof gegen Venezuela und Maduro. All dies müsse bei der rechtlichen Bewertung berücksichtigt werden, erklärte Wadephul.
    Außenminister Johann Wadephul (CDU) bei einem Pressestatement.
    Bundesaußenminister Johann Wadephul, CDU (Archivbild). (picture alliance / dpa / Marcus Brandt)

    +++ Die Linke hat eine Sondersitzung des Auswärtigen Ausschusses wegen des US-Militäreinsatzes in Venezuela beantragt.

    "In dieser Sitzung bitten wir um eine Unterrichtung der Bundesregierung, insbesondere zur völkerrechtlichen Bewertung der US-Maßnahmen sowie zu den diplomatischen Schritten Deutschlands auf europäischer und internationaler Ebene", heißt es in einem Brief der Parlamentarischen Geschäftsführerin Latendorf an Bundestagspräsidentin Klöckner (CDU). Sollten sich die Angaben zu der US-Aktion bestätigen, läge ein schwerwiegender Verstoß gegen das in der UNO-Charta verankerte Gewaltverbot vor, schreibt Latendorf.

    +++ Der Politologe Münkler und der Rechtswissenschaftler Schiffbauer halten den US-Einsatz in Venezuela für völkerrechtswidrig.

    Der Politologe Münkler wertet den US-Angriff auf Venezuela als völkerrechtswidrig. Es gehe US-Präsident Trump dabei um Machtpolitik, sagte Münkler im Deutschlandfunk (Audiolink). Trump werde auch in anderen Staaten wie Grönland versuchen, "Einflusszonen" einzurichten. Rechtlich gibt es nach Einschätzung des Juristen Schiffbauer keinen Rechtfertigungsgrund für das Vorgehen Trumps. Für eine US-Intervention in Venezuela müsse es entweder ein Mandat des UNO-Sicherheitsrates geben oder es müsse sich um Selbstverteidigung handeln, sagte Schiffbauer ebenfalls im DLF.

    +++ Bei dem US-Einsatz in Venezuela sind nach Angaben der kubanischen Regierung auch 32 Kubaner getötet worden.

    Bei den Toten handelt es sich demnach um Angehörige der kubanischen Streitkräfte und des Innenministeriums, die auf Bitten der venezolanischen Behörden nach Caracas entsandt worden seien. Die kommunistische Führung Kubas ordnete für den 5. und 6. Januar eine zweitägige Staatstrauer an. Sicherheitskräfte aus dem verbündeten Kuba sind Experten zufolge seit Jahren in Venezuela im Einsatz. Unter anderem sollen kubanische Geheimdienstagenten dabei helfen, Soldaten der Streitkräfte auf Linie zu halten. 

    +++ Venezuelas Interimsstaatschefin Rodríguez hat eine Kommission ins Leben gerufen, die sich für die Freilassung von Maduro und dessen Frau einsetzen soll.

    Rodríguez ernannte ihren Bruder Jorge Rodríguez, der Präsident der Nationalversammlung ist, sowie Außenminister Gil zu Vorsitzenden des neu geschaffenen Gremiums. Auch Informationsminister Ñáñez soll demnach der Kommission angehören. 

    +++ Das bundesweite Netzwerk "Alemania con Venezuela" (Deutschland mit Venezuela) hofft auf einen friedlichen Übergang zur Demokratie.

    Die Sprecherin des Netzwerks, Ramirez, sagte dem Evangelischen Pressedienst, die meisten der Venezolaner im Exil seien erleichtert, dass Staatschef Maduro weg sei. Ramirez war selbst vor zehn Jahren aus Venezuela nach Deutschland emigriert. Die Politologin betonte, sie verstehe, dass der Militärschlag der USA und die Festnahme Maduros von vielen in Deutschland kritisch und als völkerrechtswidrig gesehen würden. Aber man dürfe nicht vergessen, dass fast neun Millionen Menschen vor dem Regime geflohen seien und autoritäre Staaten wie Russland und der Iran Nicolás Maduro unterstützt hätten.

    +++ Venezuela hat die Bereitschaft signalisiert, mit den USA zu kooperieren.

    "Wir laden die Regierung der Vereinigten Staaten ein, gemeinsam an einer Agenda der Kooperation zu arbeiten, die auf gemeinsame Entwicklung ausgerichtet ist und im Rahmen des Völkerrechts ein dauerhaftes Zusammenleben in der Gemeinschaft stärkt", hieß es in einer von der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez auf Instagram veröffentlichten Mitteilung. Rodríguez hatte sich zuvor noch unbeugsam gezeigt. "Unsere Völker und unsere Region verdienen Frieden und Dialog, keinen Krieg", schrieb sie nun an US-Präsident Donald Trump gerichtet. Sie forderte eine von Respekt geprägte Beziehung zwischen den USA und Venezuela, die auf souveräner Gleichheit und Nichteinmischung basiert.

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    +++ US-Präsident Trump hat Venezuela mit einem weiteren Militärschlag gedroht.

    Sollten die ‌verbliebenen Mitglieder der Führung in Caracas seine Bemühungen nicht unterstützen, das Land zu stabilisieren, sei dies eine Option, erklärte Trump an Bord der Air Force One. US-Heimatschutzministerin Noem sagte dem TV-Sender Fox News, Interims-Staatschefin Rodríguez könne ihr Land "führen oder Platz machen".

    +++ Venezuelas Außenminister pocht darauf, dass Maduro Präsident bleibe.

    "In Venezuela gibt es einen verfassungsmäßigen Präsidenten, Nicolás Maduro Moros, der zwar derzeit illegal festgehalten wird, aber weiterhin das Staatsoberhaupt in voller Ausübung seines Mandats ist", sagte Außenminister Gil auf einer Krisensitzung der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (Celac) laut dem regierungsnahen Sender Telesur. Trotz des Angriffs herrsche in Venezuela heute "Frieden und Ruhe", die Institutionen funktionierten "uneingeschränkt".

    +++ China ‌hat das Vorgehen der USA erneut kritisiert.

    "Wir akzeptieren nicht, dass eine ​Nation beanspruchen kann, der Weltrichter zu sein", erklärte Außenminister Wang Yi. China glaube zudem nicht, dass ⁠ein Land als "Weltpolizei" agieren könne. Die Souveränität aller Länder müsse nach internationalem Recht geschützt werden.

    +++ Der bisherige venezolanische Präsident Maduro soll heute einem Richter vorgeführt werden.

    Wie das zuständige Bundesgericht im New Yorker Stadtteil Manhattan mitteilte, werden dem 63-Jährigen um 12 Uhr Ortszeit (18 Uhr MEZ) die gegen ihn erhobenen Anklagepunkte eröffnet. Dort werde Maduro und seiner Frau unter anderem wegen einer "Verschwörung zum Drogenterrorismus" der Prozess gemacht. Er soll sein aus Sicht Washingtons illegal erlangtes Amt dafür genutzt haben, dass Tausende Tonnen Kokain in die USA transportiert worden seien. Maduro habe für sich selbst daraus Vorteile gezogen und sich dafür auch mit Drogenhändlern verbündet.

    +++ Der UNO-Sicherheitsrat befasst sich heute mit dem US-Militäreinsatz.

    Beantragt hatte die Dringlichkeitssitzung, die gegen 16 Uhr MEZ beginnen soll, die Führung in Caracas. Die Attacke stelle einen Verstoß gegen die UNO-Charta dar und gefährde den Frieden in der Region und der ganzen Welt, hieß es in einem Schreiben des Außenministeriums an den ständigen Vertreter Somalias bei den Vereinten Nationen, der im Januar dem Sicherheitsrat vorsteht. Das mächtigste UNO-Gremium solle die Aggression verurteilen und die Einstellung der Angriffe fordern. Venezuela erhielt für seinen Antrag die Unterstützung Russlands und Chinas.
    Hier geht es zu allen wichtigen Entwicklungen in Venezuela bis zum 5. Januar.