Verhaltensregeln bei Hochwasser Informieren, vorbereitet sein, retten

Die wenigsten Menschen in Deutschland sind es gewohnt, sich auf ein Hochwasser vorzubereiten. Das richtige Verhalten vor und während eines Unwetters, wie es jetzt vor allem Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz getroffen hat, ist aber überlebenswichtig. Ein Überblick.

24.07.2021

Die Menschen räumen in Kordel die Schäden nach dem Hochwasser der Kyll vor zwei Tagen auf. Auch wenn die Pegel sinken, ist die Lage weiter kritisch. Noch gibt es Bereiche in dem Ort mit 2000 Einwohnern, die nicht erreichbar sind. An einigen Stellen besteht Hangrutschgefahr.
Wichtige Dinge sollten vorher aus den von einem Hochwasser besonders gefährdeten Bereichen - etwa Keller und Erdgeschoss - geräumt werden. (dpa / Harald Tittel)
Zum richtigen Verhalten bei Hochwasserlagen haben etliche Landes- und Bundesbehörden Informationen zusammengestellt, etwa das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und das Umweltbundesamt. Darüber hinaus beraten auch viele Landesbehörden, das Hochwasser-Kompetenz-Centrum oder auch örtliche Feuerwehren. "Wichtig ist, dass man sich vorher schützt, bevor es zu diesem großen Starkregen kommt.
Sollte es erneut zu Starkregen kommen, sei es enorm wichtig, dass Menschen vor Ort vorbereitet seien und sich laufend über die Gefahrenlage informieren, sagte Wolfram Geier vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) im Dlf. Behördliche Ansagen solle man dringend befolgen.
Die Gemeinde Schuld am Tag nach der Hochwasserkatastrophe.
BBK: "Extrem wichtig, auf behördliche Ansagen zu hören"
Wie sich die Wetterlage in den von Unwetter betroffenen Gebieten weiter entwickele sei unklar, sagte Wolfram Geier vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe im Dlf. Bei erneutem Starkregen müssten Menschen unsichere Häuser dringend frühzeitig verlassen.
Über die Lage informieren
Zu den wichtigsten Vorkehrungen bei einem Hochwasser gehört es, sich mit den wichtigsten Informationen zu versorgen und die Warnmeldungen im Blick zu behalten, die über Rundfunk, Fernsehen oder auch spezielle Apps wie NINA oder Katwarn verbreitet werden. Das BBK verweist darauf, dass Hochwasserstände bei den Hochwasserzentralen der Länder abgefragt werden können und viele Kommunen mittlerweile online Starkregengefahrenkarten anbieten.
Vorbereitungen treffen
Wenn das Hochwasser konkreter wird, rät das Umweltbundesamt dazu, Möglichkeiten zu prüfen, das Haus so zu gestalten, dass es einem Hochwasser besser standhält. Dazu gehört: Kellerräume abzudichten, den Heizöltank zu sichern oder mobile Schutzelemente zu kaufen. Auch können schon Absprachen getroffen werden, wer im Haushalt im Ernstfall welche Aufgaben übernimmt, zum Beispiel wer den Hauptschalter oder die Absperrventile betätigt und wer die persönlichen Dokumente mitnimmt.
Die Versorgung planen
Da bei einem Hochwasser die Energie- und Trinkwasserversorgung und die Abwasserentsorgung ausfallen können, sollten sich Betroffene auch darauf einstellen und dafür sorgen, dass ausreichend Wasser, Lebensmittel und auch Batterien im Haus sind. Der Feuerwehrverband Baden-Württemberg (FVBW) rät: Besorgen sie sich ein batteriebetriebenes Radio, eine Taschenlampe, einen Campingkocher und eine Campingtoilette.

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Gefährdete Bereiche räumen
Wichtige Dinge sollten vorher aus den von einem Hochwasser besonders gefährdeten Bereichen - etwa Keller und Erdgeschoss - geräumt werden. Wertvolle Gegenstände, Computer und andere technische Geräte sollten hoch in Regalen oder auf dem Speicher verstaut werden, rät das Umweltbundesamt. Auch Lacke, Farben, Pflanzenschutzmittel und andere gefährliche Chemikalien sollten außerhalb der Bereiche gelagert werden, die vom Hochwasser erreicht werden können. Elektrische Geräte und Heizungen in Räumen, die volllaufen können, sollten abgeschaltet werden. Der Strom beziehungsweise die Sicherungen sollten gegebenenfalls komplett ausgeschaltet werden, erklärt der FVBW.
Besonders gefährdete Personen in Sicherheit bringen
Soweit möglich sollten Kinder, hilfebedürftige Personen und auch Haustiere außerhalb des akut von Hochwasser bedrohten Gebietes in Sicherheit gebracht werden.
Menschen gehen vor Sachwerten
Im Notfall geht dann Menschenrettung immer vor dem Erhalt von Sachwerten, mahnt das Umweltbundesamt.
Nicht in Gefahrenbereiche
Wenn Wasser eingedrungen ist, sollten Betroffene nicht mehr in den Keller gehen – es besteht die Gefahr eines Stromschlags. Der Keller bleibt aber auch gefährlich, wenn der Strom abgeschaltet ist, wie Jutta Lenz vom Hochwasserkompetenzcentrum im Dlf erklärte: "Türen kann man nicht mehr öffnen, wenn das Wasser dort 50 Zentimeter hoch steht – auch der stärkste Mann kriegt dann einfach die Tür nicht mehr auf." Die Wassermassen würden von vielen Menschen unterschätzt – und das könne tödlich sein.
Die mit einer Drohne gefertigte Aufnahme zeigt die Verwüstungen die das Hochwasser der Ahr in dem Eifel-Ort angerichtet hat. 
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Weil Wassermassen von vielen Menschen unterschätzt würden, empfiehlt Jutta Lenz vom Hochwasserkompetenzcentrum eine Elementarschadenversicherung.
Im Auto vom Hochwasser überrascht
Fahren sie ihr Auto rechtzeitig aus gefährdeten Garagen oder von Parkplätzen, rät die Feuerwehr. Tiefgaragen können bei Hochwassergefahr zu tödlichen Fallen werden. Auch durch überflutete Straßen sollte man nicht fahren. Wasser im Motorraum verursacht große Schäden. Der Katalysator mit einer Betriebstemperatur von 700 Grad Celsius zerspringt bei plötzlicher Abkühlung durch Wasser. Lassen sie Ihr Fahrzeug abschleppen, wenn es bis über die Räder im Wasser steht, so der Tipp der Feuerwehr.
Leben retten
Die Feuerwehr rät zudem: Helfen sie anderen, aber bringen sie sich nicht selbst in Gefahr.
Weitere wichtige Hinweise finden sich unter anderem in dem fast 70-seitigen "Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen" des BBK und der 80-seitigen Broschüre "Hochwasser - verstehen, erkennen, handeln" des Umweltbundesamtes.
(Quellen: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Umweltbundesamt, Hochwasser-Kompetenz-Centrum, Dlf, gü)