
Das Fanmagazin "11 FREUNDE" stellt fest:
"Die neue Realität des deutschen Fußballs tut weh. Und sie sieht weit schlimmer aus als vor vier Jahren, als sich das Team mit viel Pech frühzeitig verabschieden musste. Diesen Grund heute anzubringen verbietet sich. Trügerisch war der hohe Auftaktsieg, der spielerisch über weite Strecken schon mau zustande gekommen war. Trügerisch war das Spiel gegen die Elfenbeinküste, bei dem nur Deniz Undav die Statistik aufgewertet hatte. Trügerisch war all das Gerede. Vom Team, das sich formiert hätte. Vom Turniermodus, den es zu erreichen gilt. Vom kühnen Vorhaben des Bundestrainers, nicht Weltmeister werden zu wollen. Sondern Weltmeister zu werden. Derselbe Fehler, wie 2018 und 2022, als der DFB trotz blamablem Abschneiden an Jogi Löw und später an Hansi Flick festhielt, darf sich nicht wiederholen. Und so wird wohl ein Bild von Nagelsmann in Erinnerung bleiben: Er, nachdenklich über den Rasen von Boston stapfend. Wie Beckenbauer in Rom. Nur eben nicht als großer Gewinner. Sondern als Gesicht einer tiefgreifenden Krise des Fußballs in Deutschland."
Auch die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG sieht den Bundestrainer in der Hauptverantwortung:
"Nun lässt sich nicht mehr drum herumreden: Nach einem Tiefpunkt (Russland 2018) und einem niedrigeren Tiefpunkt (Katar 2022) hat die Nationalmannschaft an diesem Montag in Foxborough bei Boston einen noch niedrigeren Tiefpunkt erreicht. Wenn man auf diese Weise gegen Paraguay ausscheidet, dann stimmt etwas nicht. Die Stimmung im Kreis der Spieler, das hatten alle immerzu glaubhaft betont, war eigentlich gut wie lange nicht. Und die Mehrzahl der Spieler ist international auch eigentlich nicht zweitklassig. Wenn dann trotzdem nicht so viel passt, dann trägt dafür die Hauptverantwortung der Trainer."
Die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG konstatiert:
"Die beschwingte EM vor zwei Jahren hat sich letztlich als Illusion erwiesen, das Aus in Nordamerika ist ähnlich peinlich wie das Scheitern in der Vorrunde bei den vergangenen beiden WM-Turnieren. Der deutsche Fußball ist im Sinkflug seit dem Titel 2014, und diesen Sinkflug konnte auch Nagelsmann nicht bremsen. Er ist nach dem späten Joachim Löw und Hansi Flick der nächste gescheiterte Bundestrainer. Nagelsmann ist nicht zu halten, weil er maßgeblich zum Fiasko in Nordamerika beigetragen hat. Er hat sich in den vergangenen Monaten in personellen und kommunikativen Widersprüchen verheddert und damit eine geordnete WM-Vorbereitung unmöglich gemacht. Die Rückkehr Manuel Neuers hat sich als Fehler erwiesen, ebenso das Festhalten an Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger."
BILD hat bereits einen Favoriten für die Nachfolge:
"Der Bundestrainer, der den WM-Titel vor zwei Jahren als Ziel ausgerufen hatte, ist gescheitert und ein 'Weiter so' kann es trotz seines Vertrags bis 2028 nicht geben. Nagelsmann sollte gehen – und Jürgen Klopp kommen! Der ehemalige Liverpool-Trainer und jetzige 'Head of Global Soccer' von Red Bull ist wie kein Zweiter geeignet, den deutschen Fußball zu retten. Nagelsmann hat das leider nicht geschafft. Im Gegenteil. Er ist mit Anlauf gegen die Wand gefahren."
Und der Sport-Informationsdienst - SID - schreibt:
"Nagelsmann hatte mehr als 1.000 Tage Zeit im Amt. Das Ergebnis ist unter dem Strich erschreckend. Ein Neubeginn geht nur mit einem neuen Bundestrainer. Ob dieser zwangsläufig Jürgen Klopp heißen muss, sei erst einmal dahingestellt. Als Experte verblüffte Klopp mit der einen oder anderen fragwürdigen Aussage, seine Analysen waren aber top. Die Installierung eines neuen Trainers ist allerdings der zweite Schritt. Der DFB muss jetzt erst einmal den ersten gehen."
Nachsichtiger zum Bundestrainer äußert sich die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG:
"Nagelsmann ist so wenig allein verantwortlich für das dritte frühzeitige Aus nacheinander, wie seine Vorgänger Joachim Löw und Hansi Flick das waren. Er hat, wie vor ihm Flick, feststellen müssen, dass die einstige Fußballnation Deutschland den Anschluss verloren hat, und dass ein paar überdurchschnittliche Techniker noch lange kein Top-Team von Format machen. Wo andere über echte Weltklasse verfügen, müssen sich die Deutschen mit Komplementärklasse begnügen: Spielern, die punktuell Weltklasseleistungen zeigen können, aber auch nur dann, wenn sie das Umfeld dafür haben."
Abschließend die BERLINER ZEITUNG, die auf das verlorene Elfmeterschießen eingeht:
"Viermal musste Deutschland bei Weltmeisterschaften ins Elfmeterschießen – viermal setzte sich die DFB-Auswahl durch und hatte bei den Gegnern für Schrecken gesorgt. Dieser Mythos gehörte zu den letzten verbliebenen Gewissheiten des deutschen Fußballs. Nach dem Aus gegen Paraguay ist auch der Nimbus der unbesiegbaren Deutschen im Elfmeterschießen Geschichte."
Diese Nachricht wurde am 30.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
