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StartseiteUmwelt und VerbraucherDebeka Bausparkasse stoppt Lastschriften19.02.2019

Vermeidung hoher ZinszahlungenDebeka Bausparkasse stoppt Lastschriften

Die Bausparkasse Debeka will Kundenbeiträge nicht mehr abbuchen. "Die Bausparkassen versuchen offensichtlich durch diesen neuen Trick weitere Zinszahlungen zu vermeiden", sagte David Riechmann von der Verbraucherzentrale NRW im Dlf. Er rät Betroffenen, umgehend einen Dauerauftrag einzurichten.

David Riechmann im Gespräch mit Georg Ehring

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Ein Block und ein Kugelschreiber mit Firmenschriftzug liegen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Versicherungsunternehmens Debeka in Koblenz auf dem Tisch. (dpa / Thomas Frey)
Die Bausparkasse Debeka hat Kunden im Kleingedruckten offenbar mitgeteilt, dass sie künftig Bausparbeiträge nicht mehr abbuchen will. (dpa / Thomas Frey)

Georg Ehring: Das Kleingedruckte sollte man immer sorgfältig lesen. Kaum ein Hinweis von Verbraucherschützern wird so konsequent missachtet wie dieser. Gerade wenn es um Datenschutz geht, verschicken Telefonfirmen, Vereine, Banken, Bausparkassen und viele Absender ellenlange und einander ziemlich ähnliche Texte, die zum Teil nur schwer verständlich sind. Doch im Kleingedruckten lassen sich auch unangenehme Mitteilungen prima verstecken.
Die Bausparkasse Debeka hat Kunden auf diesem Weg offenbar mitgeteilt, dass sie künftig Bausparbeiträge nicht mehr abbuchen will. Darüber spreche ich jetzt mit David Riechmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Guten Tag, Herr Riechmann!

David Riechmann: Guten Tag.

Ehring: Herr Riechmann, um welche Kunden geht es da?

Riechmann: Das betrifft nur Kunden, die den Tarif BS1 abgeschlossen haben bei der Debeka, und Kunden, deren Verträge zuteilungsreif sind, wo die Kunden auch schon informiert wurden, dass sie das Bauspardarlehen in Anspruch nehmen könnten, wenn sie wollten.

Ehring: Und das ist ein eher hoch verzinster Tarif?

Riechmann: Im Vergleich zu den neueren Modellen ist das ein Tarif, der deutlich mehr Zinsen abwirft, auch im Vergleich zum aktuellen Zinsniveau.

Trick um Zinszahlungen zu vermeiden

Ehring: Kann eine Bausparkasse so einfach die Abbuchungen stoppen?

Riechmann: Wir sehen das relativ kritisch, auch in der Art, wie das kommuniziert wurde, weil der Hinweis - das ist ja in Ihrer Anmoderation schon herausgeklungen - ist unter einem relativ groß gefassten Datenschutzhinweis versteckt worden, auch mit einer kleineren Unterschrift, sodass das leicht überlesen wird.

Wenn man den Jahreskontoauszug bekommt und noch zusätzliche Informationen, dann legt man das erst mal an die Seite und sagt, die Datenschutz-Grundverordnung kennen wir überall her, das brauche ich nicht mehr lesen. Darunter versteckt sich das dann.

Selbst wenn man es liest, steht auch nicht drin, was man dann tun soll, um das zu verhindern. Wenn man nämlich nicht einzahlt, dann bekommt man natürlich auch nur auf das bestehende Gutachten Zinsen und nicht auf die zusätzlichen Zahlungen, die ausbleiben.

Ehring: Was ist denn der Hintergrund? Warum macht die Bausparkasse das? Eigentlich müsste sie doch an Einzahlungen interessiert sein.

Riechmann: Die Einzahlungen produzieren natürlich erst mal ein Mehr an Zinsen auf die neueren Beträge. Bei älteren Verträgen, die natürlich bessere Konditionen haben aufgrund der Niedrigzins-Phase, darauf möchten natürlich auch die Bausparkassen nicht mehr so viele Zinsen zahlen und versuchen, jetzt offensichtlich durch diesen neuen Trick weitere Zinszahlungen zu vermeiden.

Dauerauftrag einrichten

Ehring: Wie kann ich als Kunde reagieren? Kann ich das Geld dann einfach selber zahlen?

Riechmann: Das empfehlen wir sogar, damit man nicht diese Zinsverluste hat. Man kann auf seinen Jahreskontoauszug gucken. Da steht die Bankverbindung drauf. Wir empfehlen, einen Dauerauftrag mit dem Regelsparbeitrag einzurichten, weil wir auch Beschwerden von Kunden haben, die versuchen, den gesamten Jahresbeitrag, die Zwölf-Monats-Beiträge oder Regelsparbeiträge zu überweisen. Die haben uns informiert, dass dann elf Zwölftel davon zurückkommen und nur die monatliche Sparrate akzeptiert wird. Also am besten einen Dauerauftrag einrichten.

Ehring: Das heißt, die Bausparkassen müssen nicht jedes Geld nehmen?

Riechmann: Nein. In den Bedingungen steht auch drin, dass Sonderzahlungen von der Zustimmung der Bausparkasse abhängig sind. Bei dem Regelsparbeitrag handelt es sich um eine reguläre Zahlung. Da hängt es nicht an der Zustimmung der Bausparkasse. Aber wenn man größere Beträge einzahlt, dann kann die Bausparkasse die Zustimmung verweigern, und dann erstattet sie das Geld zurück auf das Konto, wo es herkam.

Vertragsurkunde weist Regelsparvertrag aus

Ehring: Wenn ich jetzt den Bausparvertrag vor Jahren abgeschlossen habe, woher erfahre ich denn, was mein Regelsparbeitrag ist?

Riechmann: Im Normalfall gucken Sie dann noch mal in die Vertragsurkunde. Wenn Sie die gerade nicht zur Hand haben, erkundigen Sie sich ruhig bei der Bausparkasse, wie der Regelsparbeitrag ist, und auch, auf welches Konto dann dieser Betrag zu überweisen wäre.

Ehring: Viele Bausparer sparen ja mit vermögenswirksamen Leistungen. Sind die auch betroffen?

Riechmann: Da bin ich mir, ehrlich gesagt, nicht sicher, ob die auch in diesem Tarif BS1 sind. Wenn, dann lohnt es sich, auch bei diesen Verträgen hinzugucken, auch ins Kleingedruckte. Ich kann es nicht ausschließen.

Bausparen - keine Empfehlung für reine Geldanlage

Ehring: Bausparen ist ja für Kunden früher eine lukrative Angelegenheit gewesen. Empfehlen Sie das derzeit auch noch zur Geldanlage?

Riechmann: Das hängt natürlich von der persönlichen Situation ab. Als reine Geldanlage würde ich das aktuell erst mal nicht empfehlen. Wenn man aber tatsächlich vorhat, eine Immobilie zu finanzieren oder auch eine Küche oder eine Renovierung, dann kann das durchaus Sinn machen.

Tücken stecken im Kleingedruckten

Ehring: Müssen denn jetzt auch Kunden mit anderen Verträgen aufpassen, oder ist das aus Ihrer Sicht ein Einzelfall?

Riechmann: Bisher ist es ein Einzelfall. Aber die Branche wird das sicherlich verfolgen, wie auch die Reaktionen der Kunden sind. Deswegen empfehlen wir, wie Sie am Anfang schon gesagt haben, das Kleingedruckte zu lesen. Immer wenn Sie Post kriegen, von Ihrer Bank oder Ihrer Bausparkasse, auch da hingucken, weil darin können sich so kleine Tücken verstecken.

Ehring: David Riechmann war das von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Herzlichen Dank.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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