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Versicherungen zahlen weniger und werden teurer

Wie gut sind unsere Kranken-, Unfall- oder Lebensversicherungsbeiträge oder andere Versicherungsprämien angelegt? In Berlin hat sich heute der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft dazu geäußert. Und das hörte sich teilweise nach: "Es wird teurer" an.

Von Theo Geers | 18.04.2012

    Es sind keine guten Nachrichten für Versicherungskunden. Auto-, Wohngebäude- und andere Sachversicherungen werden teurer, Lebensversicherungen werfen in der Tendenz immer weniger Rendite ab – diese Trends aus 2011 werden sich auch 2012 fortsetzen. Bei den Lebensversicherungen konnten die Konzerne ihren Kunden im letzten Jahr noch im Schnitt 4,2 Prozent gut schreiben, doch dieser Wert wackelt und wird in absehbarer Zeit unter die vier Prozent fallen. Grund ist ein Geldsegen der besonderen Art, der den Versicherern Geldsorgen bereitet. Die Europäische Zentralbank hat die Finanzmärkte mit Geld regelrecht geflutet, um schwankende Banken und kriselnde Eurostaaten vor der Pleite zu schützen. Das liegt durchaus auch im Interesse der Versicherer, die die Beitragseinnahmen sicher anlegen müssen. Doch für sie hat diese Therapie der EZB eine gravierende Nebenwirkung: Die EZB hält damit die Zinsen künstlich niedrig, und niedrigere Zinseinnahmen schlagen dann unweigerlich bei den zu Buche, die mit einer Lebensversicherung fürs Alter vorsorgen, so Rolf-Peter Hoenen, Präsident des Branchenverbands GDV:

    "Deren Altersbezüge werden geringer ausfallen, denn die Rendite sinkt und die Inflation steigt. Ein effektiver Zinsrückgang von einem Prozentpunkt spiegelt sich unmittelbar in einem Rückgang der Kapitalergebnisse der Versicherer von rund einer Milliarde Euro wider."

    Sinkende Zinsen bringen die Versicherer also in einen Anlagenotstand. Noch zehren sie von den hochverzinslichen Anleihen, die sie vor sechs bis sieben Jahren kauften, doch die Erträge daraus werden umso mehr verwässert, je mehr von diesen hochverzinslichen Anleihen auslaufen und jetzt durch niedrig verzinste Anleihen ersetzt werden.

    Schlechte Nachrichten gibt es aber auch für Autofahrer oder Hausbesitzer, die ihren Wagen oder ihr Haus gegen Unfälle, Brände, Wasserschäden oder Unwetterschäden versichern. Bei den Hausversicherungen verhageln der Klimawandel und dadurch bedingt immer häufiger auftretende Unwetter die Bilanzen, bei den Autoversicherungen sind es kalte Winter mit langen Glatteisperioden und immer aufwendigere Reparaturen an immer teurer werdenden Autos. Bei den Gebäudeversicherungen führt das dazu, dass die Versicherer für einen Euro Beitragseinnahme 1,08 Euro an Schadensleistungen auszahlen, noch krasser ist das Verhältnis bei der Vollkaskoversicherung: Auf einen Euro Prämie kommen 1,15 Euro an Zahlungen für Schäden.

    "Das zeigt also, dass die Autoversicherer rote Zahlen schreiben, und wir werden die Probleme angehen, und wenn man die Zahlen in toto auf einen Nenner bringt, dann heißt das, dass die Preise, die schon in diesem Jahr gestiegen sind, im nächsten Jahr noch mal steigen werden."

    Und zwar im kommenden Jahr um rund zwei Prozent oder mehr, so Robert Pohlhausen, im Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft zuständig für die Schaden- und Unfallversicherung. Zur Jahreswende 2011 waren Autoversicherungen im Schnitt schon um 1,5 Prozent teurer geworden. Teurer werden zum nächsten Jahreswechsel aber auch die Gebäudeversicherungen.