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StartseiteCorsoSchick, stylish, stromsparend12.06.2019

Vienna Biennale 2019Schick, stylish, stromsparend

Ikonische Möbel mit Nachhaltigkeitsanspruch - das ist das Ziel des Designbüros Eoos. Im Rahmen der "Biennale for Change" in Wien zeigt es fünf Entwürfe zum Thema Transformationsdesign. Diese scheinbar experimentellen Produkte wollen realistische und konkrete Lösungen für ein nachhaltigeres Leben sein.

Von Paul Lohberger

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"Lunar Lander" - klimafreundlicher Kühlschrank, entworfen vom Wiener Designbüro Eoos, zu sehen im MAK in Wien (Eoos Designbüro)
"Lunar Lander" - klimafreundlicher Kühlschrank, entworfen vom Wiener Designbüro Eoos, zu sehen im MAK in Wien (Eoos Designbüro)
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Harald Gründl: "Die Kitchen Cow ist ein Biogas-System für Zuhause, und heißt so, weil es wie eine Kuh funktioniert. Man füttert Bio-Abfälle hinein in einen Fermenter, das ist in unserem Fall hier ein schönes Glasvolumen. Da entsteht Biogas, das wird gesammelt in diesem schwarzen Polster und kann dann wieder zum Kochen verwendet werden."

Wer jetzt schon von der Kitchen Cow für zu Hause träumt, wird allerdings enttäuscht, denn dieses Küchensystem kann man noch nicht kaufen. Wiewohl die schlichte Klarheit sehr ikonisch wirkt, wie es sich für Design gehört: Unter einer Arbeitsplatte aus Holz steht das runde Glasgefäß. Darüber ist eine Kurbel zu sehen und ein Trichter im Tisch integriert.

"Wo dann ein Fleischwolf drinnen ist, der das zerkleinert. Dann geht das durch ein Rohr, das wie eine Speiseröhre funktioniert, nach unten in diesen Glasmagen, wo das dann zu Biogas verarbeitet wird von Mikroben. Und es gibt einen Schlauch, der das zu einem Kunststoffsack befördert mit einem Rückschlagventil. Und von dem Sack weg kann man das dann wieder zum Kochen verwenden mit einem eigens entwickelten Kochelement."

Kochen mit Biomüll

Das sieht ein wenig aus wie der Brenner von einem Campingkocher. Der schwarze Polster, der das Gas speichert, liegt in der Ausstellung hinter dem Arbeitstisch, in der Praxis wäre er im Keller darunter oder sonstwo in der Küche verbaut. Das Gas wird durch natürlichen Druck befördert. Zwei bis drei Kilogramm Bioabfälle reichen aus, um damit zwei bis drei Stunden zu kochen.

Noch mehr nach Designobjekt schaut ein nachhaltiger Kühlschrank aus: Drei Quader in edler Holzoptik stecken aneinander, sie bilden verschiedene Module und können je nach Bedarf aktiviert werden. Das Kühlaggregat ist außen seitlich montiert. Geht es kaputt, kann es getauscht werden, der Kühlschrank aber bleibt. Die Module kommen aus regionaler Produktion, die Hülle ist aus Holz, die Dämmung aus Wolle. Ein Türfenster und Marmorplatten innen machen das Ausstellungsobjekt zur Luxusvariante, sie sind nicht nötig, aber sie zeigen: Nachhaltigkeit kann schick und begehrenswert sein.

Ein anderes Objekt heißt Lunar Lander und ähnelt tatsächlich dem Landemodul der Apollo-Missionen zum Mond – ein Verweis auf unsere irrigen Vorstellungen von Zukunft und Fortschritt, die von über 50 Jahre alten Motiven geprägt sind: Produkten, Konsum, Begehrlichkeiten – oft als Selbstzweck. So gilt selbst in wasserarmen Weltgegenden eine weiße Toilette mit Wasserspülung als Ideal, wie Harald Gründl bei der Entwicklung einer neuen Toilette erfahren musste.

Im Inneren der Mond-Landekapsel steckt daher "echte Zukunft": eine Toilette, die durch ihre Bauart den Urin getrennt abführt und in besondere Brennstoffzellen leitet, die seitlich montiert sind. Sie wurden für Bio-Roboter entwickelt.

"Die Technologie, die wir hier haben, ist eine Brennstoffzelle, die aus Urin Strom erzeugt. Da sind Mikroben drinnen, aus Keramik Zylinder, Anoden und Kathoden die eine Fließ aus Carbon haben. Diese Brennstoff Zelle kann aus 85 Liter Urin 1 kWh Strom erzeugen."

Alle diese Lösungen existieren bereits. Harald Gründl und seine Kollegen haben sie auf Basis aktueller Forschungen und anderer Projekte entwickelt, aber bewusst auf Industrie-Kooperationen verzichtet, um völlig frei agieren zu können. Produktion, Finanzierung und Marketing sind ein anderes Kapitel.

Neues Design erklärt Wirschaftskreisläufe

Die anschauliche Kitchen Cow ließe sich jedenfalls in einen Haushalt integrieren, noch besser in Großküchen – denn mit der Menge werden auch die chemischen Prozesse stabiler.

"Also, eine Anwendung die wir uns gut vorstellen können, ist als Schulungsobjekt für Schulen: Die Kinder können eine Woche Bioabfälle sammeln, lernen, wie eine Kuh funktioniert, wie Kreislaufwirtschaft funktioniert, wie chemische und biologische Prozesse funktionieren, und am Ende der Woche können sie dann was kochen."

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