Newsblog zum Krieg im Nahen und Mittleren Osten
NATO plant laut Rutte keine Beteiligung an Krieg - Trump: „Die große Welle kommt sehr bald“

Montag, 2. März

    Rauch steigt an mehreren Stellen in Teheran auf.
    Seit Samstag werden Ziele in Teheran bombardiert. (AFP / ATTA KENARE)

    +++ Die Nato plant nach Angaben von Generalsekretär Rutte keine Beteiligung an den militärischen Aktionen gegen den Iran.

    Es gebe absolut keine Pläne, ​dass die Nato in die Sache hineingezogen oder Teil davon werde, sagte Rutte dem ARD-Studio Brüssel. Zugleich betonte der Niederländer, dass er die Angriffe auf den Iran uneingeschränkt gutheiße. Dadurch werde die Fähigkeit des Iran, sich nukleare Kapazitäten und ballistische Raketen zu beschaffen, eingeschränkt und geschwächt. Der Iran sei seit Jahren eine "echte Bedrohung" für Europa.

    +++ Die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Düring, hat der Bundesregierung angesichts gestrandeter Reisender Versäumnisse vorgeworfen.

    Die Regierung wirke vollkommen unvorbereitet, sagte sie dem Deutschlandfunk. Das sei unverständlich, da sich die Lage seit Wochen zugespitzt habe.

    +++ Der türkische Präsident Erdogan hat die Angriffe der USA und Israels auf den Iran als Verstoß gegen das Völkerrecht kritisiert.

    Erdogan kündigte in Ankara an, sich auf allen diplomatischen Ebenen für einen Waffenstillstand einzusetzen. Die Fortsetzung des Konflikts bringe ernsthafte Risiken für die Region und die Welt mit sich, sagte der türkische Präsident. Irans Präsident Peseschkian warf Israel und den USA vor, auch Schulen und Krankenhäuser angegriffen zu haben. Dies verstoße gegen humanitäre Grundsätze, schrieb Peseschkian auf der Plattform X. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, das Vorgehen zu verurteilen.

    +++ Katar hat nach eigenen Angaben zwei iranische Kampfflugzeuge abgeschossen.

    Laut einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums handelte es sich um zwei Maschinen vom Typ Suchoi Su-24 sowjetischer Bauart. Sie seien von der Luftwaffe abgeschossen worden. Der Iran hat nach Beginn der Angriffe Israels und der USA auch Nachbarstaaten beschossen, die nicht direkt an dem Konflikt beteiligt sind. In Katar stellte der staatliche Energiekonzern QatarEnergy nach eigenen Angaben die Produktion von Flüssigerdgas wegen militärischer Angriffe auf Produktionsanlagen ein.

    +++ US-Präsident Trump hat angekündigt, die Angriffe auf den Iran noch zu verstärken.

    In einem Interview mit dem Sender CNN sagte er, die USA hätten noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen. Die große Welle komme bald. Er bekräftigte sein Ziel, den Krieg in etwa vier Wochen zu beenden. In einem Interview mit der "New York Post" schloss Trump die Entsendung von Bodentruppen nicht aus. Er habe keine Angst vor Bodentruppen, sagte er wörtlich. Er fügte jedoch hinzu, dass dies wahrscheinlich nicht nötig sein werde.

    +++ Nach Angaben des US-Militärs wurden vor Beginn der US-israelischen Luftangriffe auf den Iran wichtige Verteidigungssysteme der Islamischen Republik durch Cyberangriffe außer Gefecht gesetzt.

    Mit den Attacken habe man die iranischen Streitkräfte "gestört, desorientiert und verwirrt", sagte US-Generalstabschef Caine. Die Führung in Teheran sei dadurch nicht mehr in der Lage gewesen, das Ausmaß der Angriffe in vollem Umfang einzuschätzen und eine Reaktion zu koordinieren.

    +++ Der Tankstellen-Interessenverband rechnet in der Folge des Krieges mit steigenden Preisen.

    Ein Sprecher der Vereinigung kritisierte dabei auch die Preispolitik der Großkonzerne. Diese würden zwei bis drei Prozent auf die Preise aufschlagen, die sie selbst wegen des Kriegs im Iran mehr zahlen müssten. Der Tankstellen-Interessenverband steht für rund 1000 Tankstellen-Pächter in Deutschland. 

    +++ Ein weiterer US-Soldat ist an seinen im Krieg mit dem Iran erlittenen Verletzungen gestorben.

    Das amerikanische Zentralkommando teilte mit, der Soldat sei in der Frühphase der Operation „Epic Fury“ verwundet worden. So nennen die USA den seit Samstag laufenden Großangriff gegen den Iran, an dem auch Israel beteiligt ist. Die Gesamtzahl der seither getöteten Militärangehörigen aus den USA stieg damit den Angaben zufolge auf vier.

    +++ Der britische Premierminister Starmer weist Kritik von US-Präsident Trump an seiner Iran-Politik zurück.

    Er ​stehe zu seiner Entscheidung, die ersten gemeinsamen Angriffe der USA und Israels nicht unterstützt zu haben, sagt Starmer. Es sei seine Pflicht, zu beurteilen, was im nationalen Interesse Großbritanniens liege. Trump hatte ihm zuvor vorgeworfen, zu lange mit der Freigabe von Luftwaffenstützpunkten gewartet zu haben.

    +++ Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen hat sich zutiefst besorgt über die Folgen des Iran-Kriegs auch auf die Zivilbevölkerung der Region geäußert.

    Viele Länder beherbergten bereits Millionen Flüchtlinge und Binnenvertriebene, teilte das UNHCR in Genf mit. Weitere Gewalt könnte nun noch mehr Menschen in die Flucht zwingen, die humanitären Helfer überfordern und zusätzlichen Druck auf die Aufnahme-Gemeinschaften ausüben. Das UNHCR forderte von den Konfliktparteien Dialog und Deeskalation, Achtung der Menschenrechte, Schutz der Zivilbevölkerung und eine uneingeschränkte Einhaltung des Völkerrechts. An der Grenze zur Türkei wurde inzwischen eine erste verstärkte Ausreisebewegung gesichtet. Augenzeugen berichteten von zunächst mehreren Hundert Iranern, die den Übergang Kapiköy überquert hätten.

    +++ Der Vorsitzende der Linkspartei, van Aken, hat vor einem Bürgerkrieg im Iran gewarnt.

    Im schlimmsten Fall würden die aktuellen Angriffe durch die USA und Israel nicht der Demokratie den Weg ebnen, sondern bewaffneten Milizen oder anderen Autokraten zur Macht verhelfen. Van Aken erklärte, er begrüße prinzipiell die Tötung des obersten Führers des Irans und anderer Funktionäre. Die Einsätze der USA und Israels seien dennoch völkerrechtswidrig. Man könne gleichzeitig an der Seite der Demokratiebewegung im Iran und an der Seite des Völkerrechts stehen. Das schließe sich nicht aus.

    +++ Die Bundesregierung bereitet nun doch eine Rückholaktion für deutsche Touristen vor, die wegen des Iran-Kriegs in der Golfregion gestrandet sind.

    Nach Angaben von Außenminister Wadephul sollen Flugzeuge nach Riad in Saudi-Arabien und Maskat im Oman geschickt werden. In beiden Ländern seien die Lufträume noch geöffnet, erklärte der CDU-Politiker. Neben der Lufthansa sei man auch mit TUI und dem Deutschen Reiseverband in Kontakt, um den Menschen bei der Rückkehr nach Deutschland zu helfen. Besonderes Augenmerk gelte dabei der Ausreise vulnerabler Personen wie Kinder, Kranke oder Schwangere. Wadephul zufolge ist die Bundesregierung auch bereit, Privatmaschinen auf Steuerzahlerkosten zu chartern oder – als letztes Mittel – auf Flugzeuge der Bundeswehr zurückzugreifen. Wadephul hatte gestern noch erklärt, er sehe keine Möglichkeit, deutsche Touristen aus dem Konfliktgebiet auszufliegen.
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    Diese Nachricht wurde am 02.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.