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StartseiteCampus & KarriereGreenscreen statt Hörsaal20.12.2018

Virtuelle Vorlesung Greenscreen statt Hörsaal

Überfüllte Hörsäle, Jobben neben dem Studium, veränderte Lerngewohnheiten: Für Studierende gibt es viele Gründe, der klassischen Vorlesung fernzubleiben. Die Uni Köln reagiert jetzt darauf und hat als erste Hochschule in Deutschland ein vollautomatisches Filmstudio eingerichtet.

Von Vivien Leue

Das neue virtuelle Studio des SWR aufgenommen am Mittwoch (09.05.2012) im Funkhaus in Stuttgart. (pa / dpa / J.-P. Strobel)
So sieht ein typisches Greenscreen-Studio aus - an der Uni Köln gibt es jetzt eines (pa / dpa / J.-P. Strobel)
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Im Erdgeschoss der Humanwissenschaftlichen Fakultät an der Uni Köln, im Raum 0.23, liegt so etwas wie die Zukunft der Hochschule, zumindest ein Teil davon: das deutschlandweit erste vollautomatische Filmstudio an einer Uni.

"Und das ist auch schon das wichtigste Teil…" - Udo Kullik, der Leiter des Zentrums Netzwerk Medien an der Fakultät, steht in einem kleinen Vorraum in dessen Mitte auf einem Pult ein Tablet steht. "Man muss sich natürlich als Dozent hier authentifizieren", sagt Kullik und gibt auf dem Tablet seinen Benutzernamen und Passwort ein.

"Die erste Frage ist hier schon: Möchten Sie ein fakultätsspezifisches Design oder ein allgemeines Uni-Design?" Das Programm fragt noch weitere Details ab: Gibt es einen Gebärdendolmetscher, einen Interview-Partner, wie soll der Film später gespeichert werden? "Und ich möchte eine Präsentation aufzeichnen. Deshalb werde ich jetzt aufgefordert, in das Studio zu gehen."

Vermehrt Bedarf an Aufzeichnungen

Udo Kullik geht durch eine Tür in einen etwa 30 Quadratmeter großen Raum, das Studio. Zwei helle Scheinwerfer leuchten von der Decke auf ein Pult und die dahinter liegende grüne Wand - den green screen. Auf dieser Wand wird im Video später die Präsentation zu sehen sein. "Es gibt vermehrt den Bedarf an Aufzeichnung von Veranstaltungen", begründet Udo Kullik.

Wie viele andere Hochschulen, hat auch die Uni Köln etliche Hörsäle mit automatisierten Kamerasystemen ausgestattet, die Vorlesungen aufzeichnen können. "Die zweite Sache ist aber, dass in der Vergangenheit öfters Kollegen zu uns kamen und sagten: Wir möchten gerne eine hochwertige Aufnahme im Studio. Aber in so einem Studio haben sie immer zwei bis drei Leute hinter der Kamera", so Kullik. Das Licht muss eingestellt, das Pult verrückt, die Präsentation eingebettet werden.

Automatisierte Aufnahme

"Die Digitalisierung erfordert immer mehr in diese Richtung, aber wir werden nicht das entsprechende Personal bekommen und deswegen haben wir gesagt, wir brauchen irgendetwas, was vollautomatisch läuft." Ein Jahr haben Kullik und seine Kollegen an der Umsetzung dieser Idee getüftelt. Anfang Dezember ging das Studio in Betrieb. 
 
Kullik steht jetzt hinter dem Pult, auf dem ein weiteres Tablet liegt. Ein großer roter Aufnahme-Button prangt auf dem Display. Der Medien-Experte zeigt auf einen Bildschirm an der gegenüberliegenden Wand. Direkt darunter ist eine kleine Kamera installiert. "Wir sehen uns so, wie wir dann auch aufgezeichnet werden. Und wenn ich jetzt hier auf den Button drücke, dann geht ein Countdown los. Und jetzt ist die Aufnahme gestartet."

Kurze Erklär-Videos und Präsentationen oder auch Interviews mit herausragenden Gast-Dozenten sollen hier in diesem "One-Button-Recording-Studio", also dem Ein-Klick-reicht-Studio, im Raum 0.23 in Zukunft entstehen - vollautomatisch und auch für Technik-unerfahrene Benutzer geeignet. "Und so haben wir hier sechs verschiedene Szenarien, die unterschiedliche Einstellungen für Licht und Ton erfordern, die aber völlig automatisch laufen, so dass der Dozent sich um nichts kümmern muss."

Studierende lernen mit Videos

Ein Feedback der Studierenden, die ja die Zielgruppe der hier zu produzierenden Videos sind, gibt es noch nicht - weil bisher noch kaum Videos entstanden sind. Aber in vielen Gesprächen mit Studenten ist Kullik in den letzten Jahren klar geworden: "Dass sich das Verhalten der Studierenden geändert hat. Wenn ich heute mit denen über irgendetwas rede, sagen die: Das gucke ich mir auf Youtube an. Das entspricht eher der Art, sich heutiges Wissen anzueignen."

Die meisten Studenten an der Fakultät wissen noch nicht, dass es solche Videos bald auch "made in Cologne" gibt, aber finden die Idee prima: "Da habe ich jetzt noch nichts von gehört, aber das hört sich gut an. Wenn das die Dozenten unserer Uni direkt schon erklären, dann wissen wir ja, was verlangt ist." Und: "Ich nutze die persönlich oft auch, also es gibt ja mehreren Videos, eigentlich zu jedem Fach."

Etwas mehr als 10.000 Euro hat das Studio gekostet. Sollte es bald schon gut gebucht sein, könnten noch weitere an anderen Fakultäten entstehen. Nach dem Vorbild dieses ersten und deutschlandweit bisher einzigen vollautomatischen "One Button Recording Studios".

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