Sonntag, 28.02.2021
 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht
StartseiteMusik-PanoramaFollia und andere Verrücktheiten15.02.2021

Virtuose Alternative zum KarnevalFollia und andere Verrücktheiten

Subtil und leise, oder deftig und laut - der Humor in der barocken Musik ist vielgestaltig, aber viele Werke sind noch relativ unbekannt. Bei einem "Geisterkonzert" ohne Publikum präsentierte ein vierköpfiges Ensemble um die Geigerin Mayumi Hirasaki virtuose Kostbarkeiten von Biber bis Vivaldi.

Am Mikrofon: Christiane Lehnigk

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
3 Musiker und eine Musikerin (in der Mitte) stehen vor einem Cembalo, dahinter ein ein heller Vorhang, drei haben ihre Streichinstrumente in der Hand, (2 Geigen, 1 Violoncello). Sie tragen Alltagskleidung (Christiane Lehnigk / Deutschlandradio)
Noch können Konzerte nur ohne Publikum stattfinden. Gerald Hambitzer, Yves Ytier, Mayumi Hirasaki und Alexander Scherf (v.l.) präsentierten am Rosenmontag ein anspruchsvolles Programm mit humorvollen, wenig bekannten Barock-Werken. (Christiane Lehnigk / Deutschlandradio)
Mehr zum Thema

Heinrich Ignaz Franz Biber und Georg Muffat als Musiker des Salzburger Fürsterzbischofs - Kollege und Rivale
(Deutschlandfunk Kultur, Alte Musik, 25.09.2019)

Neue Dlf Produktion - L’Arte della Scordatura
(Deutschlandfunk, Musik-Panorama, 19.10.2020)

Hört man Begriffe wie Generalbass, Affektenlehre oder doppelter Kontrapunkt könnte man annehmen, dass sich Barockmusik ausschließlich in einem starren Korsett strenger musiktheoretischer Regeln bewege. Aber das Gegenteil ist der Fall. 

Mit großer Lust und überbordender Fantasie haben Barockkomponisten wie Antonio Vivaldi oder Heinrich Ignaz Franz Biber mehr als einmal das Regelwerk gesprengt und Werke von überraschender Freiheit und Experimentierfreude geschrieben.

Das althergebrachte Follia-Thema fordert geradezu zum Fantasieren und Improvisieren auf. In Vivaldis berühmter Fassung liefern sich die beiden Soloviolinen ein regelrechtes Duell der Verrücktheiten.

Bibers "Sonata representativa" wartet auf mit einem ganzen Bestiarium der Klangmalerei. Wie in einem musikalischen Suchspiel muss der Zuhören die Rufe der verschiedensten Vogelarten bis hin zu Katzen und Fröschen identifizieren, bis  sich das Ganze in einer Schlachtenmusik auflöst.

Auch die Form der "Caprice" ist eine wahre Fundgrube der musikalischen Launen. In seinen miniaturhaften Capricen für Violoncello hört man, wie Giovanni Maria Dall’Abaco beim Komponieren der Schalk im Nacken saß. Barocke Kammermusik molto giocoso…

Ignaz Franz Biber, Tarquinio Merula, Antonio Vivaldi u.a.
Sonaten, Variationen und originelle Imitationen

Mayumi Hirasaki und Yves Ytier, Violine
Alexander Scherf, Violoncello
Gerald Hambitzer, Cembalo und Moderation

Live-Mitschnitt aus den Balloni-Hallen vom 15.02.2021, Köln-Ehrenfeld

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk