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StartseiteCampus & KarriereVom Grundstudium ins All11.01.2010

Vom Grundstudium ins All

Die europäische Mondmission der Studenten

Einmal eine Mondmission vorzubereiten und auch durchzuführen, gehört wohl zum Traum eines jeden Informatik- und Elektrotechnikstudenten. Mit dem europäischen Projekt ESMO soll dieser Traum verwirklicht werden: In vier Jahren startet die erste Mondmission von Studenten aus Europa ins All.

Von Susanne Lettenbauer

Erdfunkstelle Raisting (Susanne Lettenbauer)
Erdfunkstelle Raisting (Susanne Lettenbauer)
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"Jetzt gehen wir gerade all rein in die Schleuse, machen dann hinter uns zu, damit wir keinen zu großen Druckabfall im Radom haben."

Es drückt in den Ohren, die Luft zischt durch die Schleuse, dann öffnet sich die Tür zu einer gewaltigen Kuppel mit einer roten Antenne in der Mitte. Beginn eines neuen Arbeitstages im Radom von Raisting für die Studenten der Elektrotechnik an der Technischen Uni München:

"Also das ist doch Klasse. Man kann das total schlecht beschreiben, wenn man das von unten sieht, aber wenn man die Antenne sieht und dann die Möglichkeit hat an so etwas zu arbeiten, ist schon klasse."

Quirin Funke studiert an der TU München Elektrotechnik. Gemeinsam mit acht Mitstreitern baut er derzeit eine von vier geplanten Bodenstationen für das europäische Mondmissionsprojekt für Studenten auf. 2014 soll von dieser Antenne aus der Mondsatellit gesteuert werden. Mit dabei sein Kommilitone Martin Löw:

"Ich bin jetzt im dritten Semester, Elektrotechnik an der TU. Man hat halt Werbung gemacht im ersten Semester, ob man nicht mitmachen möchte, da hat man als Student natürlich keine Wahl. Das muss man machen. Im Laufe des Projekts sind wir auf diese Antenne gestoßen, wurde hier reingeführt und waren überwältigt. Man kennt das zwar aus dem Fernsehen, aber das zu sehen und dann auch Hand anlegen zu dürfen ist überwältigend."

Zwanzig Minuten Zugfahrt südlich von München liegt das Radom von Raisting wie ein riesiges weißes Ei in der Voralpenlandschaft. Vier überdimensionale Satellitenschüsseln daneben. Ein Industriedenkmal von 1964. Damals eine der modernsten Anlagen zur Fernkommunikation weltweit. 25 Meter misst der Durchmesser des Antennenspiegels im Inneren des Radoms. Hier wurden die Bilder der ersten Mondlandung live übertragen. Während der Kubakrise liefen brisante Gespräche zwischen Kreml und Washington über seine Kanäle. Jetzt dürfen die TU-Studenten den mit dem Ende des Kalten Krieges stillgelegten Radardom für die Mondmission wiederbeleben:

"Es ist hier nicht das Neueste, mit Sicherheit nicht, aber man kann sehr viel damit machen. Das Besondere ist, dadurch, dass es etwas älter ist, ist es Technik, die begreifbar ist. Es ist keine Blackbox, wo man von außen nichts machen kann, man kann hier noch selbst reparieren. Gerade weil es eine neue Aufgabe bekommen soll, die Schüssel, muss man selbst was machen und das geht gerade bei der alten Technik besonders gut."

Einige Überreste der alten Übertragungstechnik stehen noch in der Ecke, die großen Rechner aus den 1980er-Jahren wirken heute mehr als museal.

"Also zuhören, dass man was hören kann, das wird es nicht geben. Es geht um Datenübertragung."

Eine schmale Treppe führt hoch hinauf in den alten Steuerraum. Dort sollen die immer noch voll funktionstüchtigen Sendekanäle für die Bodenstation per Laptop angezapft werden.

Die Studenten greifen kurz an die Knöpfe. Schon beginnen die vier Motoren, die Antenne ganz langsam zu bewegen. Christoph Günther, Lehrstuhlinhaber für Kommunikation und Navigation an der TU München ist stolz, dass er seinen Studenten diese ganz praktische Anwendung bieten kann:

"Zuerst einmal machen wir das Projekt für die Studenten, wir haben es in ein Praktikum integriert. Sie müssen aber schon dediziert sein, müssen also konzentriert dabei sein. Wir müssen sehen, ob man hier tatsächlich einen wissenschaftlichen Zuwachs haben kann."

Doch bei allem Enthusiasmus: Die acht Studierenden, die derzeit die studentische Mondmission vorbereiten, werden 2014 nicht mehr dabei sein. Zumindest nicht als Studierende. Sebastian Knogl koordiniert an der TU deshalb den Nachwuchs, der die Vorarbeiten dann übernehmen wird:

"Also wir versuchen, die Arbeiten zu koordinieren. Das Zweite ist, dass die Studenten am Praktikum teilnehmen können, da gibt es dann auch Noten drauf. Man schreibt eine kleine Abschlussarbeit. Über diese Formalismen behalten wir die Studierenden dann auch bei der Stange."

Zum Schluss geht es wieder zurück, die schmale Eisentreppe hinunter und durch die Schleuse hinaus. Ihre ersten Erlebnisse werden die Studierenden in diesem Jahr bei einem ersten Workshop mit anderen europäischen Studentenvertretern austauschen können. Einige können sich vorstellen, nach dem Studium weiter bei der Raumfahrt zu bleiben. Wenn nicht, die Erfahrungen, die sie im Raistinger Radom sammeln konnten, neidet ihnen schon heute ihr Professor, der diese Gelegenheit nie hatte.

Mehr Infos unter:
www.esa.com
www.spacetouch.de
TUB: Präzise Bilder vom Mond

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