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StartseiteAus Kultur- und SozialwissenschaftenWie Sprachen entstehen13.02.2020

Von der Geste zum WortWie Sprachen entstehen

Knapp 6.000 Sprachen gibt es auf der Welt. Wie haben sie sich entwickelt? Wissenschaftler der Universität Leipzig und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie untersuchten diese Frage in Experimenten mit Kindern, die ausschließlich über Gesten miteinander kommunizieren durften.

Von Mirko Smiljanic

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Diskutierende Kinder um einen Tisch, mit einem Globus. (imago images / fStop Images / Liesel Bockl)
Kinder entwickeln im Experiment neue Kommunikationssysteme (imago images / fStop Images / Liesel Bockl)
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Tropisches Klima herrscht in Pongoland, einer weltweit einzigartigen Menschenaffenanlage im Zoo Leipzig. Knapp 30 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent bieten 50 Schimpansen und Bonobos, Gorillas und Orang-Utans auf 30.000 Quadratmetern Fläche fast ideale Lebenswelten – und Wissenschaftlern perfekte Arbeitsbedingungen.

Im Mittelpunkt nationaler wie internationaler Forscherteams steht unter anderem die Kommunikation der Tiere: Verständigen sie sich mit Gesten? Benutzen sie Laute? Gibt es gar eine rudimentäre Sprache? Zu beiden Seiten eines breiten Ganges liegen die Gehege der Primaten. Links haben es sich nach dem Frühstück 20 Schimpansen auf Kletterbäumen und Felsen bequem gemacht.  

"Auf dieser Seite sind Bonobos, das sind gemeinsam mit den Schimpansen die nächsten lebenden Verwandten des Menschen, die sich in einer ganzen Reihe von Merkmalen unterscheiden. Dass sie zum Beispiel graziler gebaut sind, und der große Unterschied ist, dass diese Gesellschaften von Weibchen dominiert wird, im Gegensatz zu Schimpansen, wo immer Männchen die Gruppe anführen (Lärm), jetzt hören wir gerade die Laute von Bonobos, das ist sehr typisch, diese hochfrequenten Rufe. Und das Spannende an dieser Gruppe ist, dass es vor ein, zwei Tagen ein neues Baby in dieser Gruppe gegeben hat und deswegen sitzen die auch alle zusammen und betreiben gemeinsame Fellpflege."

Schimpansen, Bonobos und Menschen sind miteinander verwandt

Katja Liebal ist Professorin für vergleichende Entwicklungspsychologie an der Freien Universität Berlin. Auf der linken Seite liegt das Schimpansengehege, auf der rechten Seite haben Bonobos ihr Areal, und in der Mitte, im Gang, stehen Menschen. Drei Arten, die eng miteinander verwandt sind - erklärt Manuel Bohn, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie Leipzig.

Das schlechte Wetter in ihrem Aussengehege nutzen zwei Bonobo-Affen am Montag (04.04.2011), um sich im Zoo von Frankfurt am Main ausgiebig zu lausen. Die Tiere leben auch in freier Wildbahn in grossen Familienverbänden (dpa picture alliance / Boris Roessler)Fellpflege bei den Bonobos (dpa picture alliance / Boris Roessler)

"Vor ungefähr sechs Millionen Jahren hat der letzte gemeinsame Vorfahre gelebt von allen drei Arten. Dann hat sich vor sechs Millionen Jahre die Linie abgespalten, die zu uns Menschen geworden ist, und vor circa einer Million Jahren hat sich die Linie von den Schimpansen und Bonobos voneinander getrennt. Also wir sind gleichermaßen mit Schimpansen und Bonobos verwandt."

Sechs Millionen Jahre sind in evolutionären Zeiträumen gedacht nicht mehr als ein Wimpernschlag. Staunend beobachten Besucher ihre nächsten Verwandten: Ob es Ähnlichkeiten im Körperbau gibt? Ist das Verhalten vergleichbar mit dem von Menschenkindern? Was fühlen sie? Eines sei völlig klar, so Katja Liebal: Primaten kommunizieren miteinander.

Primaten kommunizieren über Gesten und Laute

"Bei Schimpansen im Zoo ist ganz typisch, dass zumindest im Zoo über gestische Kommunikation kommuniziert wird. Das ist ein Unterschied zu freilebenden Schimpansen aufgrund dessen, dass sie im Freiland nicht immer in Sichtkontakt sind, und deswegen sehen wir sehr viel Berührungen, zum Teil auch Gesten über Distanz hinweg, also ohne Körperkontakt. Dass zum Beispiel, wenn es eine Auseinandersetzung gab oder einen Konflikt, dann ist eine typische Geste, dass das untergeordnete Tier dem dominanten Tier die Hand ausstreckt und eventuell den Handrücken anbietet und es danach zu einer körperlichen, also taktilen Umarmung kommt. Und dann gehen die Tiere wieder auseinander."

Wer Ähnlichkeiten zu menschlichem Verhalten sieht – sich die Hand reichen, Umarmen – liegt völlig richtig. Viele Verhaltensweisen des Menschen lassen sich auf Gesten von Primaten zurückführen. Allerdings gibt es einen Unterschied: Bei Menschen haben einmal etablierte Gesten feste Bedeutungen, bei Menschenaffen sind sie variabel.

"Ein Großteil ihrer Gesten, und das ist ein Unterschied zu Menschen und gerade eben zur gestischen Kommunikation von Kindern, ist, dass die meisten Gesten in sich keine Bedeutung haben, also die Bedeutung entsteht in der Interaktion. Also zum Beispiel das Handausstrecken, das kann genutzt werden, um Unterwerfung anzuzeigen, um Futter zu betteln, um jemanden aufzufordern, zu folgen, also das kann ganz unterschiedliche Funktionen haben. Und welche Funktion das hat, ergibt sich aus dem Kontext, in dem die Interaktion stattgefunden hat."

Rufe von Primaten sind keine Worte

Vergleichbares gilt auch für Rufe – Wissenschaftler sprechen auch von Vokalisationen, so Katja Liebal.  

"Diese Vorstellung besteht nach wie vor, dass Rufe einen wortähnlichen Charakter haben, also ein Ruf steht zum Beispiel für Apfel oder Brot oder Paarung. Es gibt einige Studien, die das zeigen, dass dem wohl so ist, dass es zum Beispiel futterspezifische Rufe gibt, aber ich würde generell sagen, dass die meisten Vokalisationen zumindest bei Schimpansen keine eindeutige Bedeutung haben, dass sie konkrete Zuschreibungen für Objekte oder Individuen sind."

Völlig willkürlich sind die Gesten und Laute allerdings nicht, immerhin muss das Gegenüber die Botschaft rasch verstehen. Weshalb sich die Frage stellt, ob Primaten die Bedeutung einer Geste oder eines Rufes erst in der Interaktion erfassen oder ob sie beides im Vorfeld schon gelernt haben.

"Tierpfleger berichten immer wieder, dass Affen auch ein Rollenmodell und ein Vorbild haben. Also zum Beispiel Menschenaffen, die von Menschen aufgezogen worden sind, weil zum Beispiel die Mutter sie nicht angenommen hat, haben sehr große Probleme eigene Jungtiere aufzuziehen, weil sie es eben nicht gesehen haben, in ihrem Kontext nicht erfahren habe. Deswegen ist es oft so, wenn Affen schon mal ein Kind geboren haben, je öfter das passiert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie es annehmen und entsprechend aufziehen… (Lärm), ob sie sich das durch Abgucken lernen, also durch imitieren, wissen wir nicht, ob das der Hauptmechanismus ist, aber es braucht auf jeden Fall eine Vorbildfunktion von einem anderen Tier."

Menschen haben ein reichhaltigeres Repertoire an Gesten

So verblüffend die Kommunikation von Menschenaffen auch sein mag, die Gesten und Rufe von Menschen – von Kindern zum Beispiel - sind extrem reichhaltiger. Hinzu kommt, so Manuel Bohn vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, dass bei Primaten Gesten oder Rufe keine Ähnlichkeit mit dem haben, was sie ausdrücken sollen. Ganz anders bei Kindern. Problemlos ahmen sie watschelnde Enten nach oder miauende Katzen – andere Kinder wissen sofort was gemeint ist.  

Zwei Hände reichen sich einander, in der einen wir eine Zigarette gehalten. (Unsplash/ Louis Hansel)Den Gesten der Menschen lassen sich, im Gegensatz zu denen der Primaten, eindeutige Bedeutungen zuweisen (Unsplash/ Louis Hansel)

"Das war der Ausgangspunkt für unsere Fragestellung, na gut, wenn das der Anfang ist, dass wir Menschen das Potenzial haben, so flexibel neue Gesten zu erschaffen und flexibel zu kommunizieren, wie entwickelt sich das hin zu etwas Komplexerem, was dann eben Sprache ist?"

Wie sich gesprochene Sprache in ihrem Ursprung entwickelt hat, liegt weitgehend im Dunkeln. Wissenschaftliche Beobachtungen sind schwierig: Weder bei Primaten gelingen sie überzeugend, noch bei realen Sprachen – es gibt einfach keine soweit zurückreichenden Artefakte, die untersucht werden könnten.

"Aber vielleicht können wir Situationen heute im Labor erzeugen, in denen sich Menschen begegnen, die vielleicht nicht ihre konventionelle Sprache benutzen können."

So Gregor Kachel von der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. Gemeinsam mit Manuel Bohn ist er Autor einer Studie, die sich mit der Entstehung von Sprachen beschäftigt.  

"Und da können wir schauen, was passiert, wenn sie ihrer gesprochenen Sprache beraubt sind, um es mal ganz drastisch auszudrücken, finden sie dann neue Möglichkeiten, sich auszudrücken, können sie dann auf andere Modalitäten, meinetwegen die Gestik ausweichen, können das junge Kinder schon? Das ist für uns eine sehr spannende Frage und ein guter Zugang, um vielleicht darüber nachzudenken, wie Sprache entstanden sein kann."

Kinder entwickeln im Experiment neue Kommunikationssysteme

Jeweils zwei Kinder im Alter zwischen drei und acht Jahren waren über eine Videoleitung miteinander verbunden. Die Mädchen und Jungen konnten sich auf Bildschirmen zwar sehen, aber nicht hören. Nun wurde jedem Kind abwechselnd ein Begriff genannt, den es seinem Gegenüber mit Gesten erklären sollte.

"Das war das allererste, dass sich die Kinder überhaupt Zeichen ausdenken mussten für einfache Handlungen, Hammer, Kamm, Löffel. Soweit so gut, das war jetzt erst mal ein Scharadespiel, wie man es beim Kindergeburtstag auch machen würde, das war schon sehr interessant, das unter verschiedenen Altern und Bedingungen zu machen. Aber dann haben wir es noch eine Ecke komplexer gemacht.

Was wir dann auch eingeführt haben sind Zeichen oder Dinge, auf die sie sich beziehen mussten, die keine konkreten Gegenstände oder konkrete Handlungen sind, also wir haben einfach ein weißes Blatt Papier genommen, sodass die Kinder sowas kommunizieren mussten, da ist Nichts oder da ist etwas Weißes."

Das war zwar schwieriger aber nicht unlösbar, so Manuel Bohn vom MPI für evolutionäre Anthropologie. Eines der Mädchen machte einfach nichts in der Hoffnung, ihr Gegenüber würde sich zufälligerweise ein weißes Blatt Papier vorstellen. Ein anderes suchte etwas Weißes und zeigte darauf.

Wie stellt man "Nichts" dar?

"Und es hat an seinem eigenen T-Shirt einen kleinen weißen Punkt gehabt, es zieht das T-Shirt zur Seite, zeigt darauf und das andere Kind versteht, ah, das Weiße. Als wir dann die Rollen getauscht haben, dass das Kind, was eben noch Empfänger war, jetzt Sender war und auch wieder das "Nichts" hatte, haben wir gesehen, dass dieses Kind, obwohl es ein rotes einfarbiges T-Shirt anhatte, einfach auch sein T-Shirt zur Seite gezogen hat und darauf gezeigt hat. Die beiden Kinder hatten es geschafft, ein eigenes Zeichen für den abstrakten Ausdruck "Nichts" zu etablieren und auch immer wieder zu benutzen."

Nach und nach wurden die Aufgaben komplexer. Die Kinder sollten nicht nur die Funktion von Gegenständen pantomimisch erklären, sie mussten auch Attribute, die Größe etwa, beschreiben. Auch das schafften sie. Und so ganz nebenbei ließ sich bei diesem Experiment beweisen, dass die Mädchen und Jungen nicht einfach gesprochene Sprache in Gesten übersetzten – sie schufen tatsächlich etwas Neues.

"Im Deutschen würde ich sagen ‚ein kleiner Hammer‘ oder ‚ein großer Hammer‘. Dementsprechend die Kinder, die diese Begriffe ‚kleiner Hammer‘ ‚großer Hammer‘ in zwei Gesten aufteilen, wenn sie einfach nur das Deutsche in Gesten übersetzen, was wir dann erwarten sollten, dass sie erst die Geste für ‚klein‘ machen und dann für ‚Hammer‘. Was wir da aber gesehen haben, ist, dass es nicht der Fall ist, dass es einfach zufällig war, was die Kinder gemacht haben. Die Hälfte der Kinder hat zuerst den Hammer gemacht und dann ‚klein‘, die andere Hälfte hat erst das Kleine gemacht und dann den Hammer. Also das ist ein bisschen ein Indiz dafür, dass die Kinder ihre gesprochene Sprache als Struktur nehmen und dann diese Wörter durch Gesten ersetzen, sondern dass das eine neue Erfindung ist."

Kinder orientieren sich bei Gesten nicht an gesprochener Sprache

Bei den grammatikalischen Strukturen der Gesten gilt ähnliches. Wenn Kinder etwa den Satz "Ein Affe jagt den Elefanten" gestisch wiedergeben sollten, nutzten sie entweder den deutschen Satzbau "Subjekt – Prädikat – Objekt", - zuerst kam die Geste für den Affen, dann für jagen, den Schluss machte der Elefant – oder aber sie stellte das Objekt, also den Elefanten, an den Anfang der Pantomime. Mit der Zeit lösten fast alle Kinder komplexe Aufgaben in einzelne Gesten auf, die sie dann variabel miteinander kombinierten – wie Manuel Bohn an diesem Videoclip zeigt.

"Hier sehen wir auch ein sechsjähriges Mädchen, und was die macht, ist, erst eine Geste für klein macht und dann eine Geste für Ente. Wenn sie jetzt zum Beispiel die große Ente kommunizieren müsste, könnte sie die gleiche Geste für Ente wiederverwenden und davor die Geste für groß setzen. Sie könnte aber auch die Geste für klein mit der Geste für den Affen kombinieren. Sie könnte aber auch eine Geste für viele mit der Geste für Ente kombinieren. Und die Bedeutung entsteht jeweils aus der Kombination der unterschiedlichen Einzelgesten."

Und noch etwas wurde in der Studie deutlich: Kinder erfanden neue Kommunikationssysteme erstaunlich schnell. 30 Minuten dauerte ein Testdurchlauf, dann waren bestimmte Zeichen etabliert. Für die Entstehung von Sprache bedeutet das: Der Anfangsimpuls dauerte keineswegs viele Tausend Jahre.

"Wenn man jetzt so eine evolutionäre Geschichte erzählen würde, würden wir eben sagen, was zuerst entsteht oder was zuerst entstehen muss im Laufe der Evolution sind bestimmte psychologische Fähigkeiten, die es mir erlauben, auf eine bestimmte Art und Weise zu kommunizieren. Und das Kommunikationssystem selbst, also Sprache in dem Fall, zieht dann nach. Also dass sich das Kommunikationssystem an die psychologischen Fähigkeiten anpasst und nicht andersrum."

Dies gilt nicht nur für gestische Kommunikationssysteme, sondern auch für gesprochene Sprache. Wie genau die Übergänge von der Geste zum Laut und schließlich zum Wort aussahen, ist allerdings pure Spekulation.

Der Sprung von der Geste zum Wort ist immer noch unklar

"Unsere Idee dazu wäre, dass man zuerst Kommunikationssysteme basierend auf Gesten etabliert. Der Grund dafür ist, dass Gesten besonders geeignet sind, auf Dinge in der Welt zu referieren, also ich kann Handlungen nachmachen, ich kann Objekte nachzeichnen, das ist mit Tönen schwieriger. Der Vorteil von Wörtern oder von Lauten ist, dass sie nicht der visuellen Aufmerksamkeit von der anderen Person bedarf, und sie sind auch relativ billiger, ich kann sie schneller produzieren. Und unsere Idee ist, man fängt an mit einem gestischen Kommunikationssystem, dann kommen die Laute später hinzu, die unterstützen vielleicht die Gesten, differenzieren vielleicht verschiedene Varianten der Gesten, und bekommen so ihre Bedeutung. Und irgendwann reicht es, wenn ich nur den Laut mache, und so kommt der Laut zu seiner Bedeutung."

Ein Prozess, der über viele Generationen geht - auch der ließe sich experimentell nachstellen, so Gregor Kachel.

"Angenommen wir haben zwei Kinder, die haben es geschafft, sich ein Repertoire aufzubauen, jetzt kommen zwei neue in den Raum, die müssen denen erklären, so spielt man das Spiel, das sind die Zeichen, die man verwenden kann. Was passiert dann? Wie sehen die Zeichen aus, die von der zweiten Generation der Kinder benutzt werden? Jetzt wäre es natürlich spannend zu sehen, ob die Zeichen einfacher werden oder ob die Kommunikationssysteme, die sie weitergeben, besonders schlicht sind oder effizient sind. Und vielleicht auch verschiedene Ketten von den Tradierungen aufmachen, zu vergleichen, wie sich mehrere Kommunikationssystem oder mehrere Generationen von Kinder oder Sprechergenerationen, wie sich das weiterentwickelt. Das wäre ein Anknüpfungspunkt für uns, den wir weiterverfolgen wollen."

Primaten werden wohl nie sprechen können

Zurück zu den Primatengehegen im Zoo Leipzig. Warum sich vor sechs Millionen Jahren Menschen von den gemeinsamen Vorfahren der Schimpansen und Bonobos getrennt haben, weiß niemand. Interessant wäre an dieser Stelle aber die Antwort auf eine andere Frage: Kann sich dieser Prozess sagen wir in ein paar Millionen Jahren, also nach einem weiteren evolutionären Wimpernschlag, bei Primaten wiederholen? Können Schimpansen vielleicht irgendwann sprechen? Katja Liebal von der Freien Universität Berlin ist skeptisch.

"Wenn es Schimpansen in ein paar Millionen Jahren noch gibt, dann glaube ich, wird sich ihr Kommunikationssystem geändert haben, das sie benutzen, je nachdem, ob sie immer noch in dichten Wäldern leben dann vielleicht ein umfangreicheres vokales Repertoire, oder wenn sie eher in savannenähnlichen Lebensräumen leben, vielleicht eher ein gestisches Repertoire. Aber ich denke nicht, dass sie Sprache entwickeln, weil es so viel mehr braucht an neurobiologischen Voraussetzungen, kognitiven Fähigkeiten, Anatomie und so weiter und so fort, ich glaube fast nicht, dass andere Arten in der Lage sind, gesprochene Sprache, wie Menschen sie benutzen, zu entwickeln."

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