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StartseiteWirtschaft am MittagKonzern hat keine Angst vorm Mietendeckel05.11.2019

VonoviaKonzern hat keine Angst vorm Mietendeckel

Der Bochumer Wohnungskonzern Vonovia rechnet nur mit geringen Mindereinnahmen durch den Berliner Mietendeckel. Umstritten bleiben die Betriebskosten: Nach Angaben von Vonovia zahlen Mieter dort weniger als im deutschen Durchschnitt. Der Mieterbund spricht von "Falschinformationen".

Von Brigitte Scholtes

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Protest gegen Mieterhöhungen im städtischen Raum, Berlin, 2019 (imago / Janine Schmitz)
2,55 Euro Betriebskosten zahlen Mieter im Schnitt bei Vonovia pro Quadratmeter (imago / Janine Schmitz)
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Vonovia sieht den Mietendeckel in Berlin recht gelassen. Sollte er im kommenden Jahr eingeführt werden, dann schmälere das die Mieteinnahmen um sechs Millionen Euro, sagte Vorstandschef Rolf Buch bei der Vorlage der Bilanz für das dritte Quartal. Das sei im Vergleich zu den 1,3 Milliarden Euro operativem Gewinn, die der Wohnungskonzern 2020 erwartet, nicht viel:  

"Und insofern werden wir von dem Berlin-Engagement nicht so betroffen wie andere, wo halt eben eine ganz andere Situation ist."

Klage wäre zu langwierig

Der Konzern hat weniger als zehn Prozent seiner knapp 400.000 Wohnungen in der deutschen Hauptstadt. Auf eine Klage gegen den Mietendeckel will Vonovia zunächst verzichten, warum, das erklärt Buch so:

"Wir müssen uns durch die Gerichte durchklagen. Und die abstrakte Normenkontrollklage ist dann eben viel schneller beim Bundesverfassungsgericht. Weil wir fangen ja beim Amtsgericht an."

Eine Normenkontrollklage gegen das Gesetz zum Mietendeckel hatten Mitglieder der Berliner Opposition schon angekündigt. Bei der Normenkontrolle prüft das Verfassungsgericht, ob eine rechtliche Regelung mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Die Entscheidung, sich nicht zu stark auf eine Stadt zu konzentrieren, sei richtig, sagte Buch. Deshalb hat Vonovia sich in den vergangenen Monaten auch stärker im Ausland engagiert und in Österreich und Schweden zugekauft. Insgesamt erwirtschaftete der Konzern zwischen Januar und September einen operativen Gewinn von 933 Millionen Euro, elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Betriebskostenvergleich von Vonovia bleibt umstritten

Die Mieter zahlten bei Vonovia zudem mit 2,55 Euro je Quadratmeter weniger Betriebskosten als andere Mieter in Deutschland, sagte Buch. Die zahlten nach der Berechnung des Deutschen Mieterbunds, 2,81 Euro pro Quadratmeter. Vonovias Angaben stimmten nicht, kritisiert jedoch Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Mieterbunds, im Schnitt müssten in Deutschland 2,16 Euro pro Quadratmeter und Monat bezahlt werden:

"Vonovia hat in früheren Berichten auch schon immer wieder unseren Betriebskostenspiegel falsch zitiert. Wir haben Vonovia auf diesen Umstand mehrfach aufmerksam gemacht. Und jetzt kommt wieder eine Pressemeldung, in der wir falsch zitiert werden. Und das ist - ich würde sagen - mehr als ärgerlich. Das sind wirklich echte Falschinformationen."

Vonovia wiederum wehrt sich gegen diesen Vorwurf: Der fairste Vergleich sei, alle anfallenden Kostenarten bei allen Gebäuden des Vonovia-Bestands mit der Summe aller anfallenden Kosten zu vergleichen, die der Deutsche Mieterbund aufführe, sagte eine Sprecherin. Mieterschützer kritisieren schon seit Längerem, dass Vonovia mit Dienstleistungen eigener Firmen zusätzliche Gewinne mache - etwa für Hausmeistertätigkeiten.

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