Mittwoch, 22.09.2021
 
Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteKalenderblattEnrico Caruso – Schöpfer einer vollendeten Gesangskunst02.08.2021

Vor 100 Jahren gestorbenEnrico Caruso – Schöpfer einer vollendeten Gesangskunst

Enrico Caruso ist die Sänger-Legende des 20. Jahrhunderts. Der Tenor aus Neapel verströmte seine Kunst an der Metropolitan Opera in New York und auf Schallplatten. Am 2. August 1921 starb er mit nur 48 Jahren in seiner Heimatstadt.

Von Wolfgang Schreiber

Undatierte Aufnahme des italienischen Startenors Enrico Caruso.  (picture-alliance / dpa)
Der italienische Opernsänger Enrico Caruso - seine Popularität entsprach der heutiger Fußball-Stars (picture-alliance / dpa)
Mehr zum Thema

Vor 125 Jahren: Giacomo Puccinis "La Bohème" uraufgeführt Der Einbruch der Realität in die Oper

Vor 100 Jahren geboren Mario Lanza - Opern-Popstar Hollywoods und der Schallplatte

Vor 90 Jahren gestorben Emil Berliner, der Vater der Schallplatte

"Der Klang seiner Stimme ist so, als sinke man in einen tiefen, weichen, sanften Sessel aus Samt. Carusos Singen war so perfekt, so himmlisch. Es ist ein Wunder, dass ein Mann solch eine göttliche Stimme besitzt."

So schwärmt kein Opernfan des Jahres 1907, die Bewunderung für Enrico Caruso stammt von seiner deutschen Gesangskollegin Frieda Hempel. Beide standen gemeinsam auf der Bühne der Metropolitan Opera in New York. Der lyrische Schmelz des Caruso-Gesangs wirkt bis heute: betörend.

(Musik: Donizetti, L’Elisir, Una furtiva lagrima)

Ein magischer Ton aus der Jahrhundert-Ferne, von der Schellackplatte. Allerdings: Enrico Caruso selbst schätzte seine Stimme, seine Berufung, viel nüchterner ein.

"Ein Sänger braucht einen breiten Brustkorb, ein großes Maul, 90 Prozent Gedächtnis, 10 Prozent Intelligenz, harte Arbeit und ein wenig – im Herzen."

Populär in allen sozialen Schichten

Enrico Caruso erreichte seine hohe Popularität nicht nur bei Opernliebhabern, sondern in allen sozialen Schichten. Der Nimbus entsprach dem heutiger Fußball-Legenden. Zum Beispiel in Mexiko City - dort sang er sogar in der Stierkampfarena.

Die Karriere beginnt auf der Straße; der Kirchenchor und die Hafenkneipen Neapels sind die frühen Kampfzonen dieser Stimme. Geboren dort 1873, aufgewachsen in einer armen, kinderreichen Familie, unterrichtet von lokalen Lehrmeistern, gelangt Caruso eher spät auf große Bühnen, dann aber rasch an die Mailänder Scala und von dort gleich nach New York. An der Metropolitan Opera hat er sein Zentrum, hunderte Male steht er auf der Bühne. Sein Repertoire ist extrem ausgedehnt, im Fokus aber stehen Italiens große Komponisten: Donizetti, Verdi, Puccini. Carusos Name erobert die Welt, die neue Jahrhundert-Erfindung Schallplatte erfindet ihrerseits die Kultfigur dieses Tenors. 

Märchenhafte Aura

Carusos Ausstrahlung war nicht allein in der Verführungskraft dieser Stimme begründet, sie konnte prunken mit ihrem baritonalen Timbre, dem Reichtum an Klangfarben, an Natürlichkeit der Diktion, mit ihrem unfehlbaren Sinn, sagte ein Kritiker, "den Bogen einer Kantilene zu spannen". Carusos märchenhafte Aura drang ein ins Bewusstsein der Zeitgenossen, er war schlicht der Schöpfer einer vollendeten Gesangskunst. Die Welt erlebte ihn hautnah, denn Caruso begab sich auf viele Tourneen. Für den Ruhm und auch den Reichtum hatte er ausdauernd und hart zu arbeiten. Triumphe bereitete ihm die Musikmetropole Wien im Jahr 1906: Zum Auftritt an der stolzen Hofoper gab es dort auch Spott über den medialen Caruso-Rummel. Karl Kraus, der journalistische Weltenrichter von Wien, attackierte ihn in seinem Organ "Die Fackel":

"Es ist nicht notwendig, dass eine ganze Stadt rebellisch gemacht wird, weil ein italienischer Sänger die Gnade hat, uns zu versichern, dass Frauenherzen 'oh wie so trügerisch' sind."

Enrico Caruso starb, nicht einmal 50-jährig, am 2. August 1921 in seiner Heimatstadt Neapel. Das Begräbnis begleiteten hunderttausend Menschen. Nach Neapel hatte er sich vorsichtig zurückgezogen, durch Lebenskrisen und Gesundheitsprobleme verunsichert. Enrico Caruso plante Sesshaftigkeit, eine ruhigere Karriere. Das alles hat ihm das gnädige - oder trügerische - Schicksal verweigert.    

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk