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StartseiteKalenderblattUraufführung von Antonín Dvořáks Symphonie "Aus der Neuen Welt"16.12.2018

Vor 125 Jahren in New YorkUraufführung von Antonín Dvořáks Symphonie "Aus der Neuen Welt"

Antonín Dvořák komponierte seine Symphonie „Aus der neuen Welt" in Amerika. Der Musiker aus Böhmen war nach New York gekommen, um das Nationale Konservatorium zu leiten, man erhoffte sich von ihm Impulse für eine national-amerikanische Klassikmusik. Er selbst sah den Auftrag nicht ganz ohne Ironie.

Von Wolfgang Schreiber

Ein Denkmal für den tschechischen Komponisten Antonin Dvorak (1841-1904) auf dem Jan-Palach-Platz in Prag (Picture Alliance)
Antonín Dvořák war 1893 über den Erfolg seiner Symphonie "Aus der Neuen Welt" in New York selbst erstaunt (Picture Alliance)
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Antonín Dvořák, der Komponist aus Prag, der nach New York kam, wunderte sich, dass seine Symphonie "Aus der Neuen Welt" dort stürmisch gefeiert wurde.

"Der Erfolg war ein großartiger, die Zeitungen sagen, noch nie hatte ein Componist einen solchen Triumph. Ich war in der Loge, die Halle war mit dem besten Publikum von New York besetzt, die Leute applaudierten so viel, dass ich aus der Loge wie ein König mich bedanken musste."

Antonín Dvořák erlebte die Uraufführung seiner neunten Symphonie in e-Moll Opus 95 am 16. Dezember 1893 in der neu erbauten New Yorker Carnegie Hall. Am Dirigentenpult stand der aus Ungarn stammende, in Amerika erfolgreiche Anton Seidl, der in Leipzig studiert hatte und von Richard Wagner in Bayreuth gefördert worden war.

"Die Amerikaner erwarten große Dinge von mir"

Entstanden war die Symphonie sozusagen am Originalschauplatz, in New York. Im Jahr davor hatte Dvořák mit dem Dampfer den Atlantic überquert, auf Einladung einer begüterten Dame namens Jeanette Thurber. Als Gründerin des Nationalen Konservatoriums hatte sie sich in den Kopf gesetzt, den berühmten "böhmischen Nationalkomponisten" zum Direktor des neuen Instituts zu machen. Ihr Plan lautete: Amerikas Klassikmusik, seit jeher aus Europa importiert, sollte zu ihren Wurzeln finden, einer eigenen Tonsprache. Dvořák nahm die finanziell attraktive Einladung an, durchaus mit ironischer Skepsis.

"Die Amerikaner erwarten große Dinge von mir, vor allem soll ich ihnen den Weg in eine nationale Musik schaffen. Wenn das kleine tschechische Volk solche Musiker habe, warum sollten sie sie nicht auch haben, wenn ihr Land und Volk so riesig groß sind."

Die Entstehung der Symphonie beschrieb Dvořák in einem amerikanischen Zeitungsinterview:

"Ich studierte sorgfältig eine gewisse Zahl indianischer Melodien, die mir ein Freund gab, und war vollständig erfüllt von ihren Eigenschaften – von ihrem Geiste. Diesen Geist habe ich in meiner neuen Sinfonie zu reproduzieren versucht, ohne die Melodien tatsächlich zu verwenden."

Ein nationalsymphonisches Experiment

Eine echte nationale Klassikmusik blieb noch lange der amerikanische Wunschtraum. Dvořák, der nach knapp drei Jahren nach Europa zurückkehrte, hatte immerhin eine Spur dorthin gelegt. Der Kritiker der "New York Times"  feierte gleich am Tag nach der Uraufführung das nationalsymphonische Experiment eines Musikers aus Europa.

"Der Komponist hat eine Sinfonie geschaffen, deren Themen durchdrungen sind vom Geist der Neger- und Indianermelodien. Es ist eine Sinfonie, erfüllt von amerikanischen Gefühlen. Dvořák hat eine amerikanische Sinfonie geschrieben."

Das Amerikanische in der klassischen Musik war damals nicht nur in Amerika eine viel diskutierte Frage. Als Dvořáks Symphonie "Aus der Neuen Welt" zwei Jahre später in der Alten Welt, in Wien, gespielt wurde, meldete der Wiener "Kritikerpapst" Eduard Hanslick
Bedenken an.

"Was wir ganz allgemein amerikanische Musik nennen, sind eigentlich importierte schottische und irische Volksweisen, nebst etlichen Negermelodien ... Das Entscheidende bleibt immer, was Dvořák daraus gemacht hat."

"Der Kerl hat mehr Ideen als wir alle"

Und das war eine ganze Menge. Dvořáks musikalischer Reichtum, sein böhmisch-melodisches Genie, seine emotionale Ehrlichkeit bezauberten schon die Zeitgenossen, sogar den knorrigen norddeutschen Wahl-Wiener Johannes Brahms.

 "Der Kerl hat mehr Ideen als wir alle. Aus seinen Abfällen könnte sich jeder andere die Hauptthemen zusammenklauben."

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