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StartseiteKalenderblattDie Wiener Staatsoper wird eröffnet25.05.2019

Vor 150 JahrenDie Wiener Staatsoper wird eröffnet

Vor 150 Jahren wurde sie als Neue Wiener Hofoper eröffnet – mit einer Aufführung von Mozarts „Don Juan“. Für den Neorenaissance-Bau von August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll gab es zunächst viel Spott. Beide Architekten erlebten die Premiere nicht. Dafür aber Kaiser Franz Josef mit Sisi.

Von Beatrix Novy

Die Wiener Staatsoper (AFP / Joe Klamar)
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Natürlich waren Franz Josef und seine Sisi erschienen. Den Bau einer neuen Hofoper hatte der Kaiser als allererstes angeordnet, nachdem die Wiener Festungswälle geschleift waren und der Bau der Ringstraße begonnen hatte. Das gewaltige Projekt war noch in vollem Gange, aber für die Oper war der Tag der Einweihung gekommen: der 25. Mai 1869. Mozarts "Don Giovanni" wurde gegeben.

Wie es seine Art war, geizte der Kaiser nicht mit Orden für alle am Bau Beteiligten, bis hinunter zu Polieren und Schlossern. Ein bisschen unangenehm war es schon, dass ausgerechnet die Architekten nicht dabei sein konnten. Der eine, August Sicard von Siccardsburg, war einer Krankheit erlegen, der andere, Eduard van der Nüll, hatte Selbstmord begangen. Nicht ganz von ungefähr führte man den Tod der beiden auf die Häme zurück, die sich über ihren angeblich verunglückten Neorenaissance-Bau am Kärntner Ring ergossen hatte. Der wirkte im Vergleich zu einem gegenüberliegenden Riesen-Mietshaus allzu bescheiden und war durch die Anhebung der Ringstraße auch noch unters Straßenniveau gerutscht. Das Kritiker-Bonmot "Königgrätz der Architektur" wirkte so vernichtend wie die Niederlage der Österreicher gegen Preußen drei Jahre zuvor.

Das städtische Musikleben ist Herzenssache in Wien

Der Skandal war bald Geschichte, die Oper, heute Staatsoper, wurde dem Volk lieb und teuer. Schon immer war das städtische Musikleben eine Wiener Herzenssache. Davon zeugt die Existenz eines eigenen Staatsopern-Magazins im Hörfunk, das bezeugt aber auch Thomas Ebenstein, Tenor und Ensemblemitglied.

"Ich hab auch sehr lange in Berlin gearbeitet, da endet meistens hundert Meter rund um die Oper der Bekanntheitsgrad eines klassischen Opernsängers, und hier in Wien wird man tatsächlich in der Straßenbahn erkannt."

Aufmerksam und streitlustig verfolgte Wien das Wirken seiner Opern-Könige, der Intendanten. Franz von Jauner: brachte Verdi und Wagner ans Dirigentenpult - und den ersten Opernball ins Haus. Gustav Mahler: wollte ein völlig neues Theater, konzentriert auf den künstlerischen Gehalt des Werks.

"Was ihr Theaterleute eure Tradition nennt, ist nichts als eure Bequemlichkeit und Schlamperei."

Richard Strauss übernahm das Amt zusammen mit Franz Schalk in den schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, führte Korngold, Pfitzner und Schreker auf. Ihm wäre fast Furtwängler gefolgt, aber der ging dann doch nach Berlin.

"Oh Furtwängler, oh Furtwängler, wie hoch waren deine Gagen."

"Rein deutsche" Opern im Nationalsozialimus

Die Zeiten wurden noch düsterer, als Hitler 1938 Österreich kassierte. Jüdische Künstler und Mitarbeiter wurden ausgesperrt, verfolgt, deportiert. Und Joseph Goebbels fabulierte das Deutsche der österreichischen Kunst herbei - im Opernhaus.

"Hier, wo die besten Söhne unseres Volkstums der gesamten Kulturwelt unsterbliche Werke deutschen Geistes, deutscher Kunst und deutscher Geschichte geschenkt haben."

Die "rein deutsche" Kunst brachte der ihrer besten Künstler beraubten Oper vor allem Qualitätsverluste ein. Trotzdem übernahm 1943 Karl Böhm, laut Staatsopernchronik "mindestens ein Mitläufer", die Intendanz. Kurz vor Kriegsende spielte man "Götterdämmerung". Und Bomben zerstörten das Opernhaus.

Neubeginn mit Herbert von Karajan

1956 kam Herbert von Karajan und mit ihm internationale Stars, das Singen in Originalsprache sowie interne Zwistigkeiten. Und fürs Publikum unvergessliche Abende.

"Als knapp Fünfzehnjährige habe ich die Walküre- und die Othello-Premiere erlebt und die Tage danach in völliger Begeisterung zugebracht."

Daran erinnert sich eine Musikbegeisterte, die den Beginn der Ära Karajan von einem der vielen Stehplätze aus erlebte. Nirgendwo hätte sie besser ihr Ohr an den kundigen Kommentaren der Umgebung schulen können. Diese legendäre Einrichtung ermöglicht es bis heute vielen, denen Schlangestehen nichts ausmacht, den Staatsopernbesuch für vier Euro. Auch Thomas Ebenstein hat als junger Sänger davon profitiert.

"Als ich hier zum Studieren gekommen bin, war ich über hundert Mal in der Oper. An welcher Oper hat man sonst die Möglichkeit, innerhalb weniger Jahre sich durch das ganze Musiktheaterrepertoire zu hören?"

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