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StartseiteKalenderblattWegweisend für die französische Musik: Gabriel Fauré12.05.2020

Vor 175 Jahren geborenWegweisend für die französische Musik: Gabriel Fauré

Wie ein ferner Klang des Fin de siècle und der Belle Époque schwingt Gabriel Faurés Musik bis heute nach - eine verlorene Zeit subtiler Harmonien und anmutig geschwungener Melodien. Heute vor 175 Jahren wurde der französische Komponist geboren.

Von Michael Stegemann

Porträt des französischen Komponisten Gabriel Faure (1845-1942). (imago stock&people)
Musikalisch hochbegabt: Fauré war das jüngste von sechs Kindern (imago stock&people)
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Musik: Gabriel Fauré, "Sicilienne", aus der Musik zu Pelléas et Mélisande op. 80

Die Sicilienne aus "Pelléas et Melisande" – eine typische Gabriel-Fauré-Melodie: ruhig und weit ausladend, in ein harmonisches Zwielicht getaucht, wie ein bitter-süßer Traum ferner Erinnerungen – quasi "auf der Suche nach der verlorenen Zeit".

So wie das Pie Jesu aus Faurés Requiem.                                                                                                       

Musik: Gabriel Fauré, "Pie Jesu", aus dem Requiem op. 48 

Oder wie der langsame Satz aus seiner zweiten Cellosonate.

Musik: Gabriel Fauré: Andante, aus der Sonate Nr. 2 g-Moll für Violoncello und Klavier op. 119

"Meine Eltern berichteten, ich sei schon als Kind sehr zurückgezogen und still gewesen."

Von der Kirchenmusikschule in die mondänen Salons

Gabriel Fauré wurde am 12. Mai 1845 in Pamiers im Département Ariège geboren, am Fuße der Pyrenäen. Musikalisch hochbegabt, kam das jüngste von sechs Kindern eines Lehrers schon mit neun Jahren nach Paris und studierte elf Jahre lang an der Kirchenmusikschule von Louis Niedermeyer – unter anderem bei Camille Saint-Saëns, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Als Organist, Chorleiter und Pianist machte er sich schnell einen Namen in Paris – vor allem auch in den mondänen Salons, wo man seine Klaviermusik und seine mehr als 100 Lieder bewunderte, zum Beispiel "Automne".

Musik: Musik: Gabriel Fauré: Automne op. 18 Nr. 3                                                                                    

Vom "Wagnerismus", der damals in Frankreich den Ton angab, hielt Fauré sich fern und suchte eigene Wege: Streng und oft klassizistisch in der Form, frei und manchmal an den Grenzen der Dur/Moll-Tonalität in der Harmonik, schwelgerisch in den Melodien.

"Die Kunst und besonders die Musik haben für mich die Aufgabe, uns so weit wie möglich über die Wirklichkeit hinauszuheben."

Neben seinen Liedern war vor allem seine Kammermusik wegweisend für die französische Musik: vier Duo-Sonaten, ein Klaviertrio, ein Streichquartett und je zwei Quartette und Quintette mit Klavier. Orchesterwerke dagegen interessierten ihn so wenig, dass er ihre Instrumentation oft sogar anderen überließ. Abseits der Oper und der großen Konzertsäle führte Fauré mit Marie Frémiet, die er 1883 geheiratet hatte, und mit zwei Söhnen ein ziemlich unspektakuläres Leben; dass er seit 1900 bis zu seinem Tod ein Verhältnis mit der mehr als 30 Jahre jüngeren Pianistin Marguerite Hasselmans hatte, änderte daran nichts. 1896 übernahm Fauré eine Kompositionsklasse am Pariser Conservatoire, wo unter anderem Nadia Boulanger und Maurice Ravel bei ihm studierten; 1905 wurde er zum Direktor der Hochschule ernannt und setzte zahlreiche Reformen durch. Dabei teilte er damals bereits das Schicksal Beethovens und war fast völlig ertaubt, was freilich weder seine Lebens- noch seine Schaffenskraft minderte: Seine einzige Oper Pénélope hatte 1913 am gerade eröffneten Théâtre des Champs-Élysées großen Erfolg.

"Ich habe getan, was ich konnte"

1920 gab Fauré mit 75 Jahren die Leitung des Conservatoire auf, komponierte aber weiter. Das letzte Werk, an dem er arbeitete, war sein einziges Streichquartett, in dem sich noch einmal die längst untergegangene Belle Époque und das Fin de siècle klingend wiederspiegelten.                                                                                                                                   

Musik: Gabriel Fauré, Allegro, aus dem Streichquartett e-Moll 121

"Wenn ich nicht mehr da sein werde, werdet ihr hören, dass man von meinem Werk sagen wird: 'Wie – das war alles?' Und vielleicht wird man es vergessen. Macht euch keine Sorgen und seid nicht traurig deswegen. Das hat alles keine Bedeutung: Ich habe getan, was ich konnte. Möge Gott darüber befinden."

Gabriel Fauré starb am 4. November 1924 – 79 Jahre alt – in Paris an den Folgen einer Lungenentzündung.

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