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Vor 175 Jahren
Komponist Antonín Dvořák geboren

Dvořáks Symphonie "Aus der neuen Welt" aus den 1890er Jahren wird zu seinem bekanntesten, weltweit meist gespielten Musikstück. Er komponierte es in den USA. Doch der Komponist kehrte schnell zurück in seine Heimat Böhmen. Dvořáks Musik ist reich an Einfällen, Formen, Emotionen. Am Ende seines Lebens war der Komponist hochgeehrt.

Von Wolfgang Schreiber | 08.09.2016

    Schwarz-weiß-Aufnahme (Portrait) von Antonin Dvorak mit Halbglatze und Vollbart.
    Der tschechische Komponist Antonín Dvořák (1841 - 1904) (dpa/picture alliance/CTK_Photo)
    Der böhmische Musiker Antonín Dvořák, er ist 51 Jahre alt, reist im September 1892 mit der Familie von Prag nach New York. Eingeladen hat ihn die Präsidentin des Nationalen Musikkonservatoriums, eine Millionärsgattin. Dvořák soll Studenten das Komponieren beibringen. Aber die Dame hat noch anderes im Sinn.
    "Die Amerikaner erwarten große Dinge von mir, vor allem soll ich ihnen eine nationale Musik schaffen." Antonín Dvořák nimmt seine Aufgabe in Amerika ernst, er studiert zum Beispiel Spirituals und Indianermelodien. Komponiert dann aber doch ein eigenes, neues Orchesterwerk, seine neunte Symphonie, die mit dem berühmten Beinamen: Symphonie "Aus der neuen Welt".
    "Aus der neuen Welt" Dvořáks weltweit meist gespieltes Stück
    Im Dezember 1893 wird die Symphonie "Aus der neuen Welt" Dvořáks bekanntestes, weltweit meist gespieltes Musikstück, in der New Yorker Carnegie Hall zum ersten Mal aufgeführt. Nur wenige folkloristische Tonelemente hat Dvořák darin verarbeitet, die böhmische "Mundart" sozusagen ist übermächtig. Auch das Heimweh: Der Komponist kehrt nach zweieinhalb Jahren zurück in sein Land.
    In einem Ort nahe bei Prag, am 8. September 1841, wird Antonín Dvořák als erstes von neun Kindern geboren. Der Vater spielt die Zither, der Junge wählt die Geige, lernt Klavier- und Orgelspiel. Dvorak macht seine eigene Musik nur allmählich öffentlich: Als Komponist ist er Autodidakt, beim Notenstudium sind seine Lehrer Mozart, Beethoven, Mendelssohn oder Schumann. Es ist das Streichquartett, das ihn früh fasziniert, bis zuletzt bleibt es sein Terrain.
    Klassisch-romantische Tonsprache und Elemente böhmischer Volksmusik
    Wie in diesem zwölften, in Amerika komponierten Streichquartett, verknüpft Dvořák in all seinen Kompositionen die klassisch-romantische Tonsprache mit Elementen böhmischer Volksmusik, ebenso mit slawischen Empfindungen. Und er bewunderte, damals nicht selbstverständlich, Wagner und Brahms, die Widersacher der Epoche. Von Brahms wurde Dvořák sehr geschätzt und gefördert. Allzu beliebt sind die Vergleiche zwischen beiden Komponisten, doch sie führen meist in die Irre. Der Dirigent Christoph von Dohnányi weiß Bescheid.
    "Dvořák ist ein vollkommen anderer Typ von Musiker gewesen. Das ist ein spontaner, direkter, ohne formale Bedenken schreibender Musiker. Man soll nicht unterschätzen, wie sehr Dvořák auch nachgedacht hat beim Komponieren. Die Menschen glauben immer, dass der sogenannte Bauch Komponisten bestimmt hat. Es existiert eine Kontrolle des vermeintlichen Bauches durch das Herz und umgekehrt, und eben auch des Verstandes und des Herzens."
    Reich an Einfällen, Formen, Emotionen
    Dvořáks einzigartiges, auch von Brahms bewundertes Violoncellokonzert entstand in Amerika, wie die Symphonie "Aus der neuen Welt". Sein musikalisches Schaffen, reich an Einfällen, Formen, Emotionen, dehnt sich in die Breite und Tiefe. Neben viel Vokal- und Kammermusik, den Slawischen Tänzen, entstehen neun Symphonien, Oratorien, die späten Symphonischen Dichtungen nach Balladen vom Wassermann, der Mittagshexe oder der Waldtaube. Seine beste Oper, Rusalka, schreibt er gegen Lebensende.
    Das Violoncellokonzert ist ein Solitär, das einzige bedeutende Musikstück im 19. Jahrhundert für dieses sonore Instrument mit Orchester. Dvořák konnte zu einer europäischen Größe emporwachsen. In der ganzen Welt hochgeehrt, starb Antonín Dvořák am
    1. Mai 1904 in Prag.