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StartseiteKalenderblattSpaniens erste große Umweltkatastrophe 25.04.2018

Vor 20 Jahren: Grubenunglück von Los FrailesSpaniens erste große Umweltkatastrophe

Vor 20 Jahren brach der Damm des Absetzbeckens der Zink- und Bleimine Los Frailes in Andalusien. Mehrere Millionen Kubikmeter giftiger Schlämme gelangten in Flüsse, auf Ackerland und gefährdeten den Vogelschutzpark La Doñana. Es war die bis dahin größte Umweltkatastrophe Spaniens.

Von Julia Macher

Blick auf den gebrochenen Damm im Donana-Nationalpark am 27.4.1998.  (picture-alliance / dpa / efe Beltra)
So sah es im Doñana-Nationalpark einige Tage nach dem Dammbruch aus (picture-alliance / dpa / efe Beltra)
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In der Nacht zum Samstag weckte ein dumpfes Grollen die Bewohner des Städtchens Aznalcóllar in Andalusien: Am 25. April 1998, um vier Uhr früh, brach die Staumauer des Abwasserbeckens der vom schwedischen Bergbauunternehmen Boliden Apirsa bewirtschafteten Mine Los Frailes. Eine gigantische Welle strömte ins Flussbett des Guadiamar und überzog Ufer und angrenzende Felder mit schwarzem, stinkendem Schlick. Fünf bis sieben Millionen Kubikmeter mit Arsen und Schwermetallen verseuchten Schlamms ergossen sich übers Land. Fassungslos beobachtete der Biologe Francisco Garcia Novo, wie Tonnen toter Fische an ihm vorbeitrieben.

"Das ist eine Katastrophe. Das ganze Flussbett ist von diesem schwarzen Schlick bedeckt. Er ist äußerst aggressiv und hat alles Leben vernichtet. Hier können höchstens ein paar Bakterien überlebt haben. Bis sich das alles erholt, werden Jahrzehnte vergehen."

Umweltschützer hatten immer wieder gewarnt

Die spanische Regierung sorgte sich vor allem um den Naturpark Coto de Doñana. Denn das zum Weltkulturerbe gehörende Feuchtgebiet wird hauptsächlich vom Guadiamar mit Wasser versorgt. Drei eilig aufgeschüttete Dämme sollten das Biotop, Rastgebiet von Zugvögeln und Brutstätte von Stelzenläufern, schützen. In die Randbereiche sickerten dennoch Schwermetalle ein.

Seit das schwedische Bergbauunternehmen Boliden Apirsa in der Mine Eisenerz für die Herstellung von Blei und Zink förderte, hatten Umweltschützer immer wieder auf Sicherheitsmängel aufmerksam gemacht. Im Januar 1996 berichtete ein leitender Angestellter der Firma anonym dem Fernsehsender Kanal Sur.

"Das Problem ist, dass das Becken an der absoluten Grenze seiner Aufnahmefähigkeit ist. Seit der Ankunft der Schweden 1989 wurde vieles schlecht ausgeführt. Aus Kostengründen wurden Filter nicht richtig verwendet, der Staudamm nicht richtig verdichtet, und man hat den Schlick mit 85-Tonnen-Schwerlastern ins Ablaufbecken abtransportiert. Das ist eine Riesengefahr – und das Becken? Kann jeden Moment platzen."

Wo es um Profit geht, zählen Mensch und Umwelt wenig

Bereits damals hätte man die Beckenwände um 17 Meter aufstocken müssen. Doch das war dem schwedischen Bergbauunternehmen, das im Heimatland penibel die Auflagen erfüllte, zu teuer.

Wo es um Profit geht, zählen Mensch und Umwelt wenig: Diese Erfahrung hat man in den andalusischen Bergbaugebieten immer wieder gemacht. Bereits seit dem Neolithikum wird entlang des iberischen Pyrith-Gürtels Gold, Silber, Kupfer gefördert. Am Río Tinto, 40 Kilometer nordwestlich von Alzancóllar, vermutete man die Silberstadt Tartessos oder das legendäre Atlantis. Die sagenhaften Bodenschätze lockten Ende des 19. Jahrhunderts auch die Engländer. Sie kauften die mit Verlust arbeitenden staatlichen Minen auf und ließen die spanischen Arbeiter zu Bedingungen schuften, die in Großbritannien undenkbar waren. Die Arbeiter extrahierten das Metall an damals schon vielerorts verbotenen offenen Röstofen, umgeben von schweren Schwefelwolken.

Während der Bergbau am Río Tinto der Landschaft dort unauslöschlich seinen Stempel aufgedrückt hat, hat sich das Gebiet rings um den Guadiamar weitgehend erholt. Drei Jahre dauerten die Aufräumarbeiten. Sie kosteten die spanische Verwaltung 90 Millionen Euro. Boliden Apirsa musste sich nicht an den Kosten beteiligen und stellte die Eisenerzgewinnung in Spanien ein.

Der Doñana ist schon wieder gefährdet

Als Spanien 2015 die Minen in Aznalcóllar erneut ausschrieb, waren Umweltschützer entsetzt. Denn den Zuschlag erhielt ausgerechnet México-Minorbis. Das Konsortium hatte in Lateinamerika mehrere Umweltkatastrophen zu verantworten, unter anderem einen Dammbruch, bei dem 40.000 Liter hochgiftiges Kupfersulfat in den Sonora-Fluss gespült wurden. WWF-Sprecher Felipe Fuentelsaz kritisierte:

"Wir dürfen den Doñana nicht wieder gefährden. Es handelt sich schließlich um einen der wichtigsten Naturparks weltweit. Die Wiedereröffnung der Mine ist eine schlechte Nachricht."

Die Mine in Aznalcóllar hat ihre Tätigkeit noch nicht wieder aufgenommen. Wegen möglicher Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe beschäftigt der Fall derzeit die Gerichte.

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