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Vor 20 JahrenSpatenstich für das Kanzleramt in Berlin

Ein Pathos der Bescheidenheit prägte die Bonner Republik. Doch als nach dem Mauerfall zunächst das Parlament, dann auch die Regierung nach Berlin zog, sollten repräsentativere Bauten her. So wie das neue Kanzleramt am Spreebogen - acht Mal so groß wie das Weiße Haus. Heute vor 20 Jahren war Baubeginn.

Von Jochen Stöckmann | 04.02.2017

Während eines okumenischen Gebets stehen die Ehrengäste für den Spatenstich zum zukünftigen Bundeskanzleramt am Dienstag nachmittag (4.2.97) auf dem Gelände am Berliner Spreebogen.
Erster Spatenstich für das Kanzleramt in Berlin am 4. Februar 1997. (dpa / picture-alliance / Peer Grimm)
"Das ist der erste Spatenstich für das neue Bundeskanzleramt. Und ich denke, das ist ein Akt von hoher symbolischer und auch praktischer Bedeutung."
So Helmut Kohl am 4. Februar 1997, der damalige Bundeskanzler gibt nach traditionellem Brauch die Bauarbeiten frei für das neue Kanzleramt in Berlin.
Eisig kalt fegt der Wind über die Freifläche vor dem Reichstag, an erhabene Symbolik mag niemand denken. Nur der Bundeskanzler – den kleinen Spaten noch in der Hand – streicht die ganz besondere Bedeutung der künftigen Regierungsgebäude heraus. Auf der Brache im so genannten Spreebogen soll in jeder Hinsicht Großes entstehen. Eindrucksvoller als die zweckmäßig schlichte Architektur im "provisorischen" Regierungssitz Bonn: Dazu Helmut Kohl im O-Ton:
"Das ist doch schon in Bonn zu beobachten: unter den zwei, drei Hauptstädten der Erde mit den meisten Besuchern aus dem staatlichen Bereich. Und das verpflichtet uns im besten Sinne einer guten Repräsentation unseres Volkes das Bestmögliche zu tun."
Das "Band des Bundes" siegt im Architektur-Wettbewerb
In Berlin als deutscher Hauptstadt ist repräsentative Wirkung gefragt, nur darf sie mit Blick auf die Geschichte eben nicht gar zu auftrumpfend, womöglich monumental ausfallen. Den idealen Rahmen hat in einem städtebaulichen Wettbewerb das Büro von Axel Schultes und Charlotte Frank abgesteckt: Ihr "Band des Bundes" soll mit locker hintereinander gereihten Regierungs- und Parlamentsgebäuden Ost und West verbinden, die Teilung überwinden. Schlicht, aber deutlich sichtbar. Dieses Prinzip hat den Berliner Architekten 1994 auch den ersten Preis im Wettbewerb um das Bundeskanzleramt eingetragen so Charlotte Frank:
"Ablesbarkeit! Also, man kann, wenn man bestimmte Gebäudeteile sieht ahnen, was in diesem Teil passiert. Das ist eigentlich die Offenheit, die in dieser Architektur steckt."
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Ein transparenter Anzug für Staatsathleten? Das Kanzleramt Berlin heute. (picture alliance / dpa / Daniel Kalker)
Transparenz, so erläutert Charlotte Frank am Wettbewerbsmodell, Transparenz bedeutet nicht: möglichst viel Glas. Aber anhand der Fassadengliederung kann heute jeder vor dem bis zu 36 Meter hohen Gebäude erkennen, wo die Mitarbeiter ihre Büros haben, wo das Kabinett tagt und wo die Kanzlerin regiert – natürlich ganz oben. Nichts wird versteckt hinter Säulenreihen oder pompösem Dekor. Die massive Außenwand an der Südseite hat allerdings eine stattliche Länge von 300 Meter. Der Platz dafür war damals vorhanden. Helmut Kohl:
Hier hätte Kohls Historisches Museum stehen sollen
"Der Bereich des Spreebogens, wie Sie wissen, wurde freigehalten für den Tag, an dem Parlament und Regierung wieder von Berlin aus ihre Funktion wahrnehmen würden. Der Tag kam."
Nämlich 1989 mit dem Fall der Mauer – und ziemlich überraschend, wohl auch für Helmut Kohl. Denn der hat noch ein Jahr zuvor, 1988, den jahrzehntelang ausgesparten Spreebogen für sein Lieblingsprojekt in Anspruch genommen: ein Deutsches Historisches Museum vom Architekten Aldo Rossi. erinnert sich Helmut Kohl:
"Nicht weit von hier war ich ja schon einmal bei einer Grundsteinlegung. (Gelächter) Und ich kann nur sagen, das Projekt war damals eine großartige Idee. – Es ist Gottseidank ganz anders gekommen."
Nun also kein Museum, sondern der Amtssitz des Bundeskanzlers. In welchem Stil dessen Architekten bauen, das hat Helmut Kohl bereits in Bonn erlebt: dort plante Axel Schultes‘ Büro das 1992 eröffnete Kunstmuseum. Jetzt, in Berlin, muss sein Entwurf Arbeitsplätze für einen großen Mitarbeiterstab bieten und den staatlich-repräsentativen Ansprüchen wechselnder Regierungschefs gerecht werden:
"Habt ihr es nicht ein bisschen kleiner?"
Dazu Architekt Axel Schultes: "Nicht nur der Apparat muss funktionieren. Man muss dieses Haus bespielen wollen – und können. Ich glaube nicht, dass dieser Anzug, den wir hier geschneidert haben für die künftigen Staatsathleten zu groß ist."
Kohls Nachfolger, Bundeskanzler Gerhard Schröder, wird seufzend spotten: "Habt ihr es nicht ein bisschen kleiner?" Um dann das Ensemble von Freitreppen, Betonskulpturen und einem als perfekte Fernseh-Kulisse gestalteten Ehrenhof für seine Auftritte bei Staatsempfängen virtuos zu nutzen.
Bundeskanzler Schröder beglückwünscht die Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank zum Deutschen Architekturpreis 2003
Bundeskanzler Gerhard Schröder (l.) und die Kanzleramt-Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank. (AP)
Von der "guten Repräsentation unseres Volkes" hatte Helmut Kohl beim ersten Spatenstich gesprochen. Ein Regierungsgebäude allein kann diesen Wunsch wohl kaum erfüllen. Aber das hatten Axel Schultes und Charlotte Frank auch nie im Sinn, so Schultes:
"Mehr als eine Anregung zu großen Taten wollten wir hier ja auch nicht geben. Mehr kann Architektur auch nicht leisten."