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StartseiteKalenderblattGrundsteinlegung des Kapitols in Washington18.09.2018

Vor 225 Jahren Grundsteinlegung des Kapitols in Washington

Das Kapitol in Washington ist Sitz des US-amerikanischen Repräsentantenhauses und des Senats. In seiner langen Geschichte hat der mächtige Kuppelbau immer wieder auch als Kulisse bei politischen Demonstrationen gedient. Seine Grundsteinlegung erfolgte am 18. September 1793.

Von Almut Finck

Westseite des Kapitols in Washington, in dem beide Kammern des US-Kongresses untergebracht sind. (picture alliance / Daniel Kalker)
George Washington sollte eigentlich im Kapitol ein Grab bekommen, seine Verwandten waren jedoch dagegen (picture alliance / Daniel Kalker)
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"I have a dream, …"

Martin Luther King, 1963.

"I have a dream today."

Gehalten hat der schwarze Bürgerrechtler seine wohl berühmteste Rede beim legendären march on Washington – in seinem Rücken ein Marmortempel, das Lincoln Memorial, vor ihm, in der Ferne: der mächtige Kuppelbau des Kapitols, Sitz der amerikanischen Volksvertretung, des Kongresses. Dazwischen: die Mall, ein Grünstreifen, drei Kilometer lang – Washingtons Mitte.

"Das Zentrum der Stadt ist eben diese Grünfläche! Eigentlich erst mal eine Leerstelle, die natürlich im Laufe der Jahrhunderte eben mit Denkmälern aufgefüllt wurde."

Eine Art Erinnerungslandschaft, so die Kunsthistorikerin Anna Minta.

USA: Westseite des Kapitols in Washington, D.C. (picture alliance / dpa / Daniel Kalker)USA: Westseite des Kapitols in Washington, D.C. (picture alliance / dpa / Daniel Kalker)
           
"Wir haben über die Denkmäler Erinnerungen an große, bedeutende Persönlichkeiten, vor allem Staatsmänner, aber auch historische Ereignisse, Weltkriegsdenkmäler, Vietnamdenkmal ist auch dort, und dann aber auch Erinnerungslandschaft, weil sich die großen nationalen Institutionen, die library of congress, die Bibliothek, die Nationalmuseen, dort befinden, das heißt, man will eben nicht nur Politik und Geschichte, sondern auch Kunst und Kultur dort repräsentieren."

Symbol des Aufbruchs und der Zukunft

1790. Die US-Gründerväter beschließen, keine der alten Ostküstenstädte Boston, New York oder Philadelphia zur Hauptstadt zu machen, sondern eine völlig neue zu errichten – eine identitätspolitische Entscheidung. Die noch junge Nation braucht ein Zentrum, eines, das Aufbruch und Zukunft symbolisiert. Die Lage des Baugeländes am Potomac River ist ein geografischer Kompromiss, mit dem alle 13 Nord- und Südstaaten leben können.

"Und hinzukam, dass George Washington ganz in der Nähe ein Landhaus hatte. Wie mit Adenauer (lacht) und Bonn."

Mit dem Masterplan für die federal city wird 1791 Pierre L’Enfant beauftragt, ein französischer Militäringenieur.
           
"L’Enfant, der Planer, sagt selbst, er möchte das konstitutionelle Prinzip von Amerika, eben die Gewaltenteilung, auch sichtbar werden lassen im Stadtgrundriss. Das heißt, das Kapitol als Sitz der Legislative, also der Gesetzgebung, stand auf einem Hügel, auf dem späteren Capitol Hill, und das Weiße Haus, als Sitz des Präsidenten, der Exekutive, ist auf einem anderen Hügel."

Ablesbarkeit des amerikanischen Demokratieverständnisses

1792 wird mit dem Bau des Weißen Hauses begonnen. Ein Jahr später, am 18. September 1793, legt George Washington den Grundstein zum Kapitol. Auch hier, am Baukörper, soll nach L’Enfant das amerikanische Demokratieverständnis ablesbar sein. In der Mitte deshalb, unter der anfangs flachen, heute 55 Meter hohen Kuppel, ein repräsentativer Zentralraum, die Rotunde,
           
"dort werden immer bedeutende Persönlichkeiten im Sarg aufgestellt, dass man ihnen noch mal Ehre erweisen kann."

Zuletzt der verstorbene Senator aus Arizona, John McCain.
           
"Und das Zweikammernsystem Amerikas mit dem Senat und dem Repräsentantenhaus wurde in zwei Flügeln, die an diese Rotunde anschließen, dann untergebracht."

Architektur als Symbol der nationalen Identität

Mit dem territorialen und politischen Machtzuwachs der USA wurden die Flügel mehrfach erweitert. Architektonisch griff man auf die etablierten klassischen Antikenordnungen zurück, dorisch, ionisch, korinthisch. Gleichzeitig aber ging es um nationale Identität, also die Frage:

"Wie kann man über eine Architektur eben auch vermitteln, dass das Amerika ist und nicht eine römische oder griechische Antike? Benjamin Latrope, als einer der vielen Baumeister, hat im frühen 19. Jahrhundert dann sich bemüht, eine nationale Ikonografie, also eine Bildsprache zu entwickeln, und hat in die Kapitelle, die man sonst mit Akanthusblättern oder den Voluten kennt, Maiskolben, Tabakblüten und Magnolienblüten eingearbeitet, weil das typische Pflanzen aus Amerika sind und damit eben ein nationales Zeichen setzen wollen."

Eigentlich sollte im Kapitol auch die Grablege George Washingtons sein, der 1799 starb. Seine Angehörigen waren dagegen. Also wurde eine Art Ersatz-Washington in die Rotunde gestellt, ein gewaltiges Marmorstandbild, in antiker Manier.
           
"Als Halbgott. In einer Zeus-haften Anmutung, nur mit Toga und Sandalen bekleidet, die Amerikaner sind empört! Wie man diesen großen, verehrten Staatsmann als Halbnackten präsentieren könnte."

Die skandalöse Statue wurde schnell wieder entfernt. Als Halbgott sieht man den ersten Präsidenten der USA heute nur noch auf dem berühmten Kuppelfresko des Kapitols, der Apotheose George Washingtons. Aber da ist er anständig bekleidet.

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