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StartseiteKalenderblattJames Cook wird zum Entdecker des Great Barrier Reefs11.06.2020

Vor 250 Jahren James Cook wird zum Entdecker des Great Barrier Reefs

Im Juni 1770 lief die "HMS Endeavour" des englischen Seefahrers James Cook vor Australien auf Grund - am Great Barrier Reef. Seit den 1980er-Jahren wird das Riff intensiv erforscht. Doch die Frage ist, wie lange es noch existiert - denn das Korallenriff ist stark bedroht.

Von Dagmar Röhrlich

Riff mit Federstern und Korallenfischen, Great Barrier Reef (imago/OceanPhoto)
Klimawandel und Kohlebergbau setzen dem Great Barrier Reef zu (imago/OceanPhoto)
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Es geschah in der Nacht vom 11. Juni 1770. Sechs Wochen zuvor hatte Captain James Cook als erster Europäer australischen Boden betreten, und nun war er mit seiner Mannschaft wieder unterwegs. Der Mond schien hell, und die Besatzung der "Endeavour" glaubte sich sicher in tiefem Wasser.

"Vor 10 Uhr hatten wir 20 und 21 Faden und wir segelten in dieser Tiefe weiter bis wenige Minuten vor 11 Uhr, da wir 17 Faden hatten", schrieb Cook in sein Bordtagebuch. "Und bevor eine weitere Lotung vorgenommen werden konnte, lief das Schiff auf ein Hindernis."

Die Endeavour saß fest.
 
"Unverzüglich holten wir alle unsere Segel ein, ließen die Boote zu Wasser und loteten rund um das Schiff; und wir wurden gewahr, dass wir auf ein Riff aus Korallenfelsen aufgelaufen waren."

Korallenriff entstand nach der Eiszeit 

James Cook, geboren 1728 im englischen Matron als Sohn eines Tagelöhners, hatte das Great Barrier Reef entdeckt. Allerdings nur als erster Europäer, denn die Aborigines und die Torres-Strait-Insulaner waren sogar schon da, bevor dieses Riff in seiner heutigen Form entstand, erläutert Sebastian Ferse vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen.

"Es gibt schon seit mehreren Millionen Jahren einzelne Korallen in der Gegend, aber die ersten Riffe, die sich gebildet haben, Riffstrukturen, die sind ungefähr eine halbe Million Jahre alt. Und das Great Barrier Reef, wie wir es kennen, ist ungefähr 6.000 bis 8.000 Jahre alt."

Die Aborigines und Torres-Strait-Insulaner kannten und nutzten das Riff sozusagen von Anfang an. Denn mit dem Bau dieses 2.300 Kilometer langen, größten Barriereriffs der Welt begannen die Korallen nach Ende der jüngsten Eiszeit, als der steigende Meeresspiegel die Küstenebenen Ostaustraliens überflutete.
 
"Dann kamen die Europäer - und seitdem gab es eigentlich eher eine unrühmliche Geschichte und eine negative Verbindung mit dem Riff."

Negative Einflüsse der Landwirtschaft

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts betrieben europäische Einwanderer zunehmend Ackerbau und Viehzucht – das Ökosystem reagierte von Anfang an empfindlich auf Störungen:

"Der Haupteinfluss war zunächst der Beginn von ganz intensiver Landwirtschaft in Ostaustralien, die dann auch über die letzten rund hundert Jahre zu massiven Einflüssen aufs Great Barrier Reef geführt hat – eine ganz starke Zunahme von Sedimenteintrag und eine ganz starke Zunahme von Nährstoffeintrag. Und das hat auch dazu geführt, dass sich die Ökologie und die Zusammensetzung des Great Barrier Reef auch stark verändert haben in der Zeit."

So sorgt unter anderem der Düngereintrag dafür, dass die algenfressenden Larven der Dornenkronenseesterne gut gedeihen – und die Seesterne fressen dann die Korallenpolypen.

Korallenbleiche als Folge des Klimawandels

Forscher stellten in einer Studie fest, dass die gefräßigen Räuber und starke Stürme innerhalb von 30 Jahren die Hälfte der Korallenbedeckung zerstört haben.

"Dann kam in den letzten Jahren jetzt eben noch ein weiterer Schadfaktor dazu, der jetzt der wichtigste geworden ist, und das ist die sogenannte Korallenbleiche."

Eine Unterwasseraufnahme vom Great Barrier Reef in Australien. Zu sehen sind abgestorbene, graue Korallenbänke. (AAP/ARC CENTRE OF EXCELLENCE) (AAP/ARC CENTRE OF EXCELLENCE)Klimafolgen: Neue Schäden am Great Barrier Reef Das Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens hat in den vergangenen 19 Jahren vier sogenannte Korallenbleichen erlebt, ausgelöst durch steigende Temperaturen. Und das Korallensterben setzt sich fort. Meeresbiologen warnen, dass der größte lebende Organismus der Welt im Sterben liege.

Das Phänomen tritt auf, wenn das Wasser zu warm wird. Dann stoßen die Korallen ihre Symbiosepartner aus, die Algen – und verhungern. Seit 2015 erlebte das Great Barrier Reef fast ununterbrochen Korallenbleichen – ein Ergebnis des Klimawandels.

"Die jetzige Geschwindigkeit, das übertrifft einige der pessimistischen Prognosen, und so kann es durchaus sein, dass wir in 20, 30 Jahren einen Großteil des Great Barrier Riffs in seiner jetzigen Form verloren haben."

Ein Blick auf das Great Barrier Reef mit abgestorbenen, graugefärbten Korallen.  (AAP/ARC CENTRE OF EXCELLENCE) (AAP/ARC CENTRE OF EXCELLENCE)Weltgrößte Kohlemine bedroht Korallen Das Great Barrier Reef ist ein einzigartiger Kosmos voller Leben, Farben und Formen. Doch das Korallenriff droht noch schneller zu sterben als befürchtet, so neue Forschungen. Zu steigenden Temperaturen kommt nun eine weitere Bedrohung: die größte Kohlemine der Welt.

Denn zu allem Überfluss lässt die australische Regierung auch noch einen riesigen Kohlehafen mitten in das Barriereriff bauen. Inzwischen stehen weite Teile des Riffs, das heute mit seinen rund 400 Korallen- und mehr als 1.500 Fischarten immer noch zu den vielfältigsten Lebensräumen der Erde zählt, unter absolutem Schutz. Doch es ist längst nicht mehr das, was es bei Ankunft von James Cook war.

James Cook knapp dem Untergang entronnen

Der ahnte von all dem nichts, als er in jener Nacht auf das Riff lief. Für ihn ging es darum, die Endeavour – um sie zu befreien – leichter zu machen.

"Wir warfen Geschütze, Eisen, Steinballast, Fässer, Fassreifen, Fassdauben, verdorbene Vorräte et cetera über Bord. Um 11 Uhr des Vormittags, als die Flut, wie wir vermutet, ihren Höhepunkt erreichte, versuchten wir, das Schiff loszubekommen; doch war uns kein Erfolg beschieden."

Man hatte Glück, das Wetter blieb ruhig, denn die Mannschaft bekam erst am nächsten Tag das Schiff frei. Und die Untersuchung der Schäden sollte zeigen, dass man nur knapp dem Untergang entronnen war.

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