Dienstag, 17.09.2019
 
Seit 10:10 Uhr Sprechstunde
StartseiteKalenderblattJames Cooks erste Entdeckungsreise26.08.2018

Vor 250 JahrenJames Cooks erste Entdeckungsreise

Auf seiner ersten Reise in die Südsee hat der Engländer James Cook die pazifische Inselwelt so genau vermessen wie kein anderer vor ihm. Nur in einem Punkt musste er seine Auftraggeber enttäuschen: Von der "Terra incognita australis", einem sagenumwobenen Kontinent auf der Südhalbkugel, fand er keine Spur.

Von Irene Meichsner

Captain James Cook (1728-1779), porträtiert von Nathaniel Dance (1735 -1811)  (imago/United Archives International)
James Cook war der Sohn eines Tagelöhners aus der englischen Grafschaft Yorkshire (imago/United Archives International)
Mehr zum Thema

Die astronomischen Beobachtungen des James Cook Sonnenfinsternis auf der Weihnachtsinsel

Vor 240 Jahren James Cook entdeckte als erster Europäer Hawaii

Weltgeschichte Vergangenheit neu erzählt

"26. August 1768 - erst bewölkt mit frischen Brisen, dann ein leichter Wind und klare Sicht. Um zwei Uhr nachmittags die Segel gesetzt und ausgelaufen. An Bord 94 Personen, darunter Offiziere, Matrosen, Herren und ihre Diener; Vorräte für fast 18 Monate, zehn schwere Lafetten und zwölf leichte drehbare Geschütze, mit reichlich Munition und Ausrüstung aller Art."

Zu einer Reise in die Südsee aufzubrechen, muss ein ergreifender Moment gewesen sein für James Cook, den Sohn eines Tagelöhners aus der Grafschaft Yorkshire, der es bis zum Leutnant der Royal Navy gebracht hatte - und nun Englands bislang größte und teuerste Forschungsexpedition in eine weithin unbekannte Region kommandieren sollte. Doch in seinem Logbuch hat sich der 39-Jährige davon nichts anmerken lassen. Die Federführung des von König Georg III. persönlich unterstützten Projekts lag bei der Royal Society, der ältesten unter den großen europäischen Wissenschaftsakademien.

Henriette Pleiger, Leiterin einer großen James-Cook-Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle: "Es gab natürlich damals, bevor er überhaupt ausgewählt wurde an der Royal Society ganz andere Mitbewerber, von adligem Rang und studierte Naturen. Aber man hat dann in der Royal Navy eben einen guten Seemann ausgesucht. Das war eine ganz klare Entscheidung, um auch diese Schiffe wirklich wieder heil nach Hause zu bringen, auf einer wie gesagt unbekannten Tour."

Von Plymouth bis Kap Hoorn

Mit dem Dreimaster "Endeavour", einem ehemaligen Kohlefrachter, segelte Cook von Plymouth aus zunächst nach Südamerika bis ans Kap Hoorn - und von dort geradewegs nach Tahiti. Dort sollte am 3. Juni 1769 ein sogenannter Venustransit beobachtet werden. Bei diesem seltenen Himmelsschauspiel schiebt sich die Venus, von der Erde aus gesehen, vor die Sonne. Mit Hilfe der genauen Daten hoffte man, den Abstand der Erde zur Sonne genauer bestimmen zu können.

Pleiger: "Gleichzeitig gab es aber eben auch dieses aufklärerische Erkenntnisinteresse in ganz vielen Wissensgebieten. ... Man hat damals, wie auf heutigen Raummissionen, Navigationsgeräte getestet. Man hat botanisiert wie verrückt. Man hat zoologisch neue Tierarten entdeckt. ... Also, man hat in ganz vielen Bereichen neue Erkenntnisse zutage gefördert und diese in ungekannter Weise zum ersten Mal auch dokumentiert in beinahe journalistischer Weise."

Erst auf Tahiti durfte Cook einen versiegelten Umschlag öffnen, der eine geheime Order der Royal Navy enthielt. Er sollte die "Terra australis incognita" suchen, einen sagenumwobenen Kontinent, von dem viele damals noch glaubten, dass er auf der Südhalbkugel der Erde existieren müsse – und den sich manche als eine Art Schlaraffenland vorstellten.

"So Ihr den oben genannten Kontinent ... entdeckt, so sollt Ihr Euch mit äußerster Sorgfalt daran machen, die Küste in dem größten Euch möglichen Ausmaße zu erforschen ... Gleichfalls sollt Ihr, so die Eingeborenen dem zustimmen, gün­stige Plätze des Landes im Namen des Königs von Großbritannien in Besitz nehmen."

Doch so weit Cook auch in den Südpazifik vorstieß - von einer solchen Landmasse fand sich keine Spur. Im Oktober 1769 erreichte er Neuseeland, von dem man bis dahin nur eine vage Vorstellung gehabt hatte. Im April 1770 betraten Cook und seine Leute als erste Europäer die Ostküste von Australien. Fasziniert beobachteten sie die fremdartigen Pflanzen und Tiere, darunter das Känguru.

"Seine Fortbewegung erfolgt durch Hüpfen oder Springen, und jeder Sprung beträgt 7 oder 8 Fuß, wobei es nur die Hinterbeine benützt, die vorderen haben daran keinen Anteil; diese scheinen nur zum Kratzen in der Erde etc. zu dienen."

"Klassisches Beispiel für britisches Understatement"

Die Entdeckung des Great Barrier Reef hätte Cook fast das Leben gekostet. Die "Endeavour" lief auf Grund. Cook konnte sich nur mit viel Glück und mit schweren Schäden am Schiffsrumpf wieder befreien.

"Waren auch die Entdeckungen, die ich auf dieser Reise machen konnte, nicht so sehr groß, so glaube ich von ihnen doch, dass sie es wert sind, zur Kenntnis gebracht zu werden", schrieb er in einem Brief aus Batavia. Doch das war ein klassisches Beispiel für britisches Understatement. Kein anderer hatte jemals ein detaillierteres Bild von der pazifischen Inselwelt gezeichnet.

Am 13. Juli 1771 betrat er zum ersten Mal wieder englischen Boden. Auf den Tag genau ein Jahr später brach Cook zu seiner zweiten Pazifikreise auf. Sie lieferte unter anderem den definitiven Beweis, dass die "Terra australis incognita", das vermeintliche Paradies auf Erden, nichts anderes gewesen war - als ein bloßes Hirngespinst.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk