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StartseiteKalenderblattAls der Generalkapitän die Einfahrt der Magellanstraße sichtete21.10.2020

Vor 500 Jahren bei FeuerlandAls der Generalkapitän die Einfahrt der Magellanstraße sichtete

Weder Kolumbus noch Cortés hatten geschafft, was dem portugiesischen Seefahrer Ferdinand Magellan am 21. Oktober 1520 gelang: Er entdeckte eine Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik. Wirtschaftlich war die Entdeckung zwar nicht rentabel, aber sie bleibt eine Sternstunde der Seefahrt.

Von Tilo Wagner

"Die Entdeckung der Magellan-Strasse im Jahre 1520, Holzstich, um 1880, koloriert (picture-alliance / akg-images)
Die Entdeckung der Magellanstraße im Jahre 1520, kolorierter Holzstich, um 1880 (picture-alliance / akg-images)
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Ein Jahr nach dem Beginn seiner ersten und einzigen großen Expedition stand der portugiesische Generalkapitän Fernão de Magalhães, auch Magellan genannt, im Oktober 1520 kurz vor dem Scheitern. Den Seeweg in den pazifischen Ozean hatte er nicht gefunden. Er hatte in einer trostlosen Bucht im Süden des heutigen Argentiniens überwintern müssen, eine Meuterei spanischer Kapitäne im letzten Moment niedergeschlagen und eines seiner fünf Schiffe in einem Sturm verloren. Diese Tage müssen die dunkelsten im Leben Magellans gewesen sein, vermutet Stefan Zweig in seiner Biographie über den portugiesischen Seefahrer:

"Zum ersten Mal hält Magellan sich die Möglichkeit eines Rückzuges offen, zum ersten Mal gibt er vor seinen Offizieren zu, dass der gesuchte Durchlass vielleicht gar nicht existiert oder erst in arktischen Gewässern."

Der Seefahrer und Entdecker Fernand de Magellan (1480-1521) greift durch 1520, als es zu einer Meuterei während der Reise der ersten Erdumrundung kommt. (imago images / Leemage) (imago images / Leemage)Raoul Schrott: "Eine Geschichte des Windes" - Mit Magellan um die Welt
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Wo ist die Westroute nach Indonesien?

Im September 1519 war Magellan mit 236 Seeleuten von Spanien aufgebrochen, um auf seiner Entdeckungsfahrt einen Seeweg um den amerikanischen Kontinent herum zu finden. Das Ziel: die Molukken, jene begehrten Gewürzinseln im heutigen Indonesien, mit denen die Portugiesen bereits einen lukrativen Handel betrieben. Der spanische König wollte das Monopol der Portugiesen brechen. Und Magellan sollte deshalb eine westliche Seeroute durch spanisches Hoheitsgebiet finden. Am 21. Oktober 1520 umsegelte die Flotte in der Nähe des 52. südlichen Breitengrades das Kap der Jungfrauen. Antonio Pigafetta, ein italienischer Chronist an Bord, notierte in seinen berühmten Reisebericht:

"Wenn der Generalkapitän nicht gewesen wäre, hätten wir diese Meerenge nicht gefunden. Doch der Generalkapitän wusste, dass er durch eine sehr verborgene Meerenge segeln musste, wie er sie in der Schatzkammer des Königs von Portugal auf einer Karte gesehen hatte."

Themenschwerpunkt "Dekolonisiert euch!"

Der Ritt auf Messers Schneide

Die vier Schiffe tasteten sich durch die unbekannte Meerenge. Das Navigieren wurde in den engen Fjorden zu einem Ritt auf Messers Schneide, und das raue Klima Patagoniens, schreibt Stefan Zweig, habe zusätzlich an der Mannschaft genagt:

"Merkwürdige, mächtige und strenge Landschaft! Schroff abfallende Hügel, unruhig und zerklüftet, und ganz in der Ferne – seit Jahren nicht gesehener Anblick – mit weißem Schneehaupt hohe Gipfel. Aber wie tot diese Weite! Kein menschliches Wesen ringsum, kaum Baum und Strauch; nur das stete Sausen und Brausen des Winds durchfährt das starre Schweigen dieser gespenstisch leeren Bucht."

Chronist Pigafetta: "Der Generalkapitän weinte vor Freude"

Salzwasser umgab die Schiffe – und das weckte die Hoffnung, dass sie nicht – wie neun Monate zuvor im Rio de la Plata – in einer Flussmündung gelandet seien. Immer wieder teilte Magellan die Flotte, um den Durchbruch ins offene Meer zu suchen. Nach wochenlanger Fahrt entdeckte ein Erkundungsboot schließlich die Öffnung zum Pazifik. Davon, so Pigafetta, ließ sich scheinbar auch der sonst so unterkühlte Magellan überwältigen:

"Die Besatzung kehrte innerhalb von drei Tagen zurück und erklärte, dass sie die Landspitze und das offene Meer gesehen hätten. Der Generalkapitän weinte vor Freude."

Eine Mission ohne wirtschaftlichen Nutzen

Fast 30 Jahre, nachdem Kolumbus auf seinem "Seeweg nach Indien" zufällig auf Amerika gestoßen war, konnte der 15.000 Kilometer lange Kontinent endlich mit dem Schiff umrundet werden. Der wirtschaftliche Erfolg für Spanien blieb jedoch aus. Die Meeresstraße erwies sich als viel zu gefährlich und der Weg über den Pazifik als viel zu langwierig, um eine echte Alternative zu dem von den Portugiesen dominierten östlich gelegen Seeweg nach Indien zu sein. Die Entdeckung der Wasserstraße im Süden Patagoniens war dennoch von großer Bedeutung. Denn damit waren die Schiffsrouten gefunden, die alle Ozeane miteinander verbanden.

Magellan reichte das nicht aus. Er fuhr Ende November 1520 trotzdem weiter in den offenen, unbekannten Pazifik hinein und steuerte die Gewürzinseln an. Nach über 100 Tagen auf See trafen Magellan und die von Hunger, Krankheit und Tod heimgesuchte Mannschaft auf den Philippinen ein. Am 27. April 1521 kam Magellan dort ums Leben.

Die Meerenge, die der gläubige portugiesische Seefahrer noch nach den "Allerheiligen" benannt hatte, trug schon wenige Jahre später den Namen Magellanstraße.

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Vor 500 Jahren ist der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan im Auftrag Spaniens in See gestochen, um die Westroute ins heutige Indonesien zu finden. Als er im November 1519 zwei größere Nebelflecken am Himmel sah, war schon weit auf der Südhalbkugel.

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