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StartseiteKalenderblattDer Aufstand der "Comuneros" gegen Karl V.16.04.2020

Vor 500 JahrenDer Aufstand der "Comuneros" gegen Karl V.

Vor 500 Jahren begann in Toledo ein Aufstand gegen den Habsburger König Karl I., den späteren Kaiser Karl V. Die Städte Kastiliens fürchteten um ihren Einfluss. Die Rebellion endete mit der Hinrichtung der Aufständischen – und spielt im kollektiven Bewusstsein noch heute eine große Rolle.

Von Julia Macher

Die Altstadt von Toledo, Blick von der Kirche San Ildefonso (picture alliance/imageBROKER/Karol Kozlowski)
In Toledo begann eine Revolte, die schon bald weite Teile Kastiliens erfasste (picture alliance/imageBROKER/Karol Kozlowski)
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"In Toledo haben sich die Bürger erhoben": Diese Nachricht verbreitete sich am 16. April 1520 wie ein Lauffeuer. Mit Schimpf und Schande hatten die Bewohner der spanischen Reichsstadt die Gesandten des Königs verjagt. König Karl der Erste hatte eigentlich eine Ständeversammlung einberufen, doch die Vertreter Toledos verweigerten dem Monarchen den Gehorsam. Es war der Auftakt zu einer Revolte, die schon bald weite Teile Kastiliens erfasste.

Nach dem Tod der Katholischen Könige war das Land in eine tiefe Krise gerutscht. Verheerende Ernten beutelten die Bauern, Schafzüchter und Händler stöhnten über die niedrigen Exportpreise für den Rohstoff Wolle. Und das Misstrauen gegen den Habsburger saß tief. Der Monarch, der kaum Spanisch sprach, hatte den ortsfremden Adrian von Utrecht als Statthalter eingesetzt und kümmerte sich lieber um seine Kandidatur für den Kaiserthron als um die Geschicke Kastiliens. Das Land ächzte unter der Steuerlast. In kurzer Zeit schlossen sich so fast alle Reichsstädte den aufständischen "Comuneros" an.

Die "Comuneros" planten nichts weniger als eine Revolution

Am 25. September bildeten die "Comuneros" in Tordesillas feierlich eine provisorische Regierung, die "den Frieden, die Ruhe und die gute Verwaltung" Kastiliens garantieren sollte. Sämtliche Siegel wurden von der Junta erstellt, alle Abgaben von ihr erhoben.

Zitat: "Dies sei so, damit die Gesetze des Königreichs und all das, was diese Vertretung und die Junta beschließen, auf immer und ewig Bestand habe." Damit hatten sich die "Comuneros" quasi mit zur souveränen Instanz erklärt, sagt der französische Historiker Joseph Pérez:

"Was die Comuneros planen, ist eine Revolution: Sie ist zwar noch nicht ausgereift, aber dennoch eine Revolution: Sie wollen die Befugnisse des Monarchen zugunsten der Ständevertretung begrenzen." Doch um das Land tatsächlich regieren zu können, fehlte ein Oberhaupt. Als legitime Thronfolgerin galt den Comuneros Karls Mutter Johanna, die wegen mangelnder religiöser Gefühle als "Wahnsinnige" zunächst von ihrem Vater, dann von ihrem Sohn unter Hausarrest gestellt worden war.

Die Junta befreite sie aus ihrer Festung und versuchte sie zu überreden, die Thronfolge anzunehmen. Zunächst begegnete Doña Juana den Aufständischen mit Sympathie.

Zitat: "Ja: Steht mir zu Diensten, informiert mich über alles und bestraft die Bösen." "Wie Eure Majestät befiehlt, so wird es geschehen."

Die Schwäche seiner Mutter rettet Karl

Doch es blieb beim Lippenbekenntnis: Aus Loyalität gegenüber ihrem Sohn Karl weigerte sich Johanna, die Beschlüsse der Junta mit ihrem Namen zu unterzeichnen. Joseph Pérez: "Das ist der entscheidende Wendepunkt der Comuneros-Revolution: Wenn sie in Tordesillas erreicht hätten, die Königin wieder als Souverän einzusetzen, hätte Karl der V. keine Befugnisse mehr gehabt. Die Schwäche seiner Mutter rettet Karl den V. Indem sie sich weigert, Dokumente zu unterschreiben, entzieht Johanna die Wahnsinnige den Comuneros jegliche legale Grundlage."

Das Blatt begann sich zu wenden: Nachdem sich auf dem Land auch die Bauern erhoben und Vasallen Missstände angeprangert hatten, fürchtete Kastiliens Adel um seine Pfründe. Karl zog den Hochadel auf seine Seite, indem er dem als Ausländer verhassten Adrian von Utrecht zwei kastilische Vizekönige zur Seite stellte. Im Frühjahr gelang dem Habsburger der entscheidende Gegenangriff: Am 23. April 1521 schlugen seine Truppen die Comuneros vernichtend in der Schlacht von Villalar.

Der inzwischen zum Kaiser gekrönte Karl der V. ließ ein Exempel statuieren: Die Städte mussten für sämtliche Kriegsschäden aufkommen. Kastilien sollte in seinem Reich künftig nur noch eine Nebenrolle spielen. Joseph Pérez: "Was in Villalar stirbt, ist der Versuch einer eigenständigen Wirtschafts- und Außenpolitik für Kastilien, die nicht den Interessen der Habsburger untergeordnet ist. Kastilien und Spanien verstricken sich im 16. und 17. Jahrhundert nicht aus nationalen Interessen in Glaubenskriege gegen die Türken und Protestanten, sondern weil die dynastischen Interessen, weil das Habsburger Haus es erfordert." Von liberalen Historikern wurde der Aufstand der Comuneros als Geburtsstunde eines frühen bürgerlichen Bewusstseins gedeutet. Der Jahrestag der Schlacht von Villalar ist in der autonomen Region Castilla y León noch heute offizieller Feiertag.

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