Mittwoch, 07. Dezember 2022

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Vor 75 Jahren
Der Angriff auf Pearl Harbor

Am 7. Dezember 1941 startete Japan einen überraschenden Luftangriff auf den amerikanischen Militärstützpunkt Pearl Harbor. Große Teile der US-Pazifikflotte wurden dabei zerstört. Ein traumatisches Ereignis für die Amerikaner - das auch weitreichende weltpolitische Folgen hatte.

Von Otto Langels | 07.12.2016

    Japanische Kampfflugzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs
    Japanische Kapfflugzeuge auf dem Weg nach Pearl Harbor. Am 7. Dezember 1941 begann mit dem Luftangriff der mit Deutschland verbündeten Japaner auf den US-Marinestützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii auch in Ostasien der Zweite Weltkrieg. (picture alliance / dpa / Publifoto)
    "We interrupt this programme to bring you a special news bulletin: The Japanese have attacked Pearl Harbor, Hawaii, by air, President Roosevelt has just announced.”
    Der amerikanische Rundfunk unterbrach am 7. Dezember 1941 sein Programm für eine Sondermeldung: Japan hatte den amerikanischen Militärstützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii aus der Luft angegriffen. Das japanische Kaiserreich war in den Jahren zuvor zur stärksten Seemacht Ostasiens aufgestiegen, hatte die Mandschurei annektiert, China mit Krieg überzogen und Französisch-Indochina besetzt.
    Überraschender Luftangriif
    Die USA verhängten zwar ein Öl-Embargo gegen Japan, wollten aber nicht militärisch eingreifen, da sie eine Politik der Kriegsvermeidung und des "Isolationismus" betrieben. Um seine Großmachtpläne voranzutreiben, entschloss sich Tokio ohne Kriegserklärung zu einem überraschenden Luftangriff auf die im Hafen von Pearl Harbor liegende Pazifikflotte der USA.
    "Um Viertel vor Acht sahen wir die ersten Flugzeuge, aber keiner dachte an Japaner. Wir waren ja nicht im Krieg, wir dachten an eine Übung, niemand wurde unruhig",
    berichtete später ein US-Marine, der den Angriff auf einem der Kriegsschiffe erlebte.
    "Doch dann war es das Lauteste, was ich je gehört hatte, eine schwarze Wasserwand spülte uns über das Deck. Und dann erkannten wir die roten Hoheitszeichen an den Tragflächen und sagten: Guter Gott, wir sind im Krieg."
    USA waren unvorbereitet
    Der Luftangriff traf die USA unvorbereitet. Die Streitkräfte in Pearl Harbor befanden sich nicht einmal in erhöhter Alarmbereitschaft. Der britische Historiker Dan van der Vat, Autor eines Buches über Pearl Harbor:
    "Die Amerikaner wussten intellektuell, dass es möglich war, aber sie konnten es eigentlich nicht glauben, dass es so weit gehen würde. Sie dachten also, vielleicht würden die Japaner die Philippinen angreifen oder so was, aber Pearl Harbor? Unmöglich!"
    Innerhalb von zwei Stunden versenkten die Japaner mehrere Schlachtschiffe, darunter die USS Arizona mit 1.100 Mann an Bord, und vernichteten über 160 Flugzeuge. 2.400 Soldaten kamen ums Leben. Allerdings war die Operation nicht so erfolgreich, wie die Japaner gehofft hatten. Die Flugzeugträger und Werften wurden z.B. nicht getroffen.
    Zeitgleich mit dem Angriff auf Pearl Harbor startete Japan eine Offensive im Pazifik gegen Thailand, die Philippinen, Malaysia und Hongkong. Einen Tag später trat Präsident Franklin D. Roosevelt vor den amerikanischen Kongress.
    "Gestern, an einem Tag voller Schande, wurden die Vereinigten Staaten von Amerika unangekündigt und vorsätzlich von See- und Luftstreitkräften des Japanischen Kaiserreiches angegriffen. "
    Traumatisches Ereignis für amerikanische Nation
    Der Angriff auf Pearl Harbor war ein traumatisches, einschneidendes Ereignis für die amerikanische Nation, zumal er auf eigenem Territorium erfolgte - wie sechs Jahrzehnte später die terroristischen Anschläge vom 11. September 2001. Als erste Reaktion erklärte Präsident Roosevelt am 8. Dezember Japan den Krieg.
    "Ich ersuche den Kongress, als Reaktion auf den grundlosen und heimtückischen Angriff den Kriegszustand zwischen den Vereinigten Staaten und dem Japanischen Kaiserreich auszurufen."
    Drei Tage später erklärten das Deutsche Reich und Italien als Verbündete Japans ihrerseits den USA den Krieg. Die militärische Konfrontation auf europäischem Boden, die 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen begonnen, hatte, weitete sich damit zu einem Weltkrieg aus.
    Stoff für Verschwörungstheoretiker
    Bis heute behaupten einige Verschwörungstheoretiker, die US-Regierung sei über den bevorstehenden japanischen Angriff auf Pearl Harbor informiert gewesen und habe die schwere Niederlage in Kauf genommen, um die mehrheitlich pazifistisch eingestellte amerikanische Bevölkerung für einen Kriegseintritt zu gewinnen. Doch dafür fehlen eindeutige Beweise.
    Gleichwohl revidierten die USA ihre isolationistische Haltung. Sie führten, als Reaktion auf die "Schande von Pearl Harbor", im Pazifik einen unbarmherzigen Krieg gegen Japan, bis hin zum Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Und sie zogen im Atlantik an der Seite Großbritanniens in den Kampf gegen das NS-Regime.