Dienstag, 02.06.2020
 
Seit 01:10 Uhr Hintergrund
StartseiteKalenderblattDer "edle Heide" Sultan Saladin gestorben04.03.2018

Vor 825 Jahren Der "edle Heide" Sultan Saladin gestorben

Sultan Saladin ist einer der berühmtesten Feldherrn und Herrscher der arabisch-islamischen Geschichte. Als "Urbild des edlen Heiden" inspirierte er sogar die europäische Aufklärung. In der islamischen Welt verehrt man ihn vor allem als Sieger über die Kreuzritter und Eroberer von Jerusalem.

Von Tobias Mayer

Saladin le Turc (1138-1193), sultan d Egypte et de Syrie. Represente victorieux de ses ennemis. Illustration de Gustave Dore (1832-1883). Gravure colorisee. !AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT! PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY SMA02417 Saladin Le Turc Sultan D Et de de SES Illustration de Gustave Dore 1832 1883 gravure date estimated PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY SMA02417 (imago stock&people)
Sultan Saladin (1138-1192) auf einer Illustration von Gustave Doré (1832-1883) (imago stock&people)
Mehr zum Thema

Vor 100 Jahren Der Friedensvsertrag von Brest-Litowsk

Vor 200 Jahren Eingang der Chephren-Pyramide entdeckt

Vor 70 Jahren Bank deutscher Länder wurde gegründet

Vor 150 Jahren Der Tod von König Ludwig I. von Bayern

Vor 325 Jahren erschienen Ladies' Mercury - die erste Frauenzeitschrift der Welt

"Der Scheich erzählte, als er zu der Koranstelle gekommen sei: 'Er ist der einzige Gott, er kennt das Geheime und das Offenbare', habe er Saladin antworten hören: 'Es ist wahr'. Nach der Stunde des Morgengebetes tat er den letzten Atemzug."

So überliefert Ibn Šaddad, der Biograph Saladins, die Geschehnisse der Todesstunde des berühmten Sultans am 4. März 1193. Salah ad-Din Yusuf ibn Ayyub, so der vollständige Name auf Arabisch, war für seine Zeit ein außergewöhnlicher Herrscher. Als frommer Muslim leitete Saladin die Mildtätigkeit gegenüber dem Feind aus dem Koran ab. Sein legendärer Sinn für Gerechtigkeit ist keine Erfindung mittelalterlicher Geschichtsschreiber, sondern historisch verbürgt.

Der Glanz der Kalifate

Im 12. Jahrhundert war der Islam im Nahen Osten in der Defensive. Der Glanz des alten arabischen Kalifats in Bagdad war verblichen. In Ägypten hatten Schiiten ein Gegenkalifat errichtet, in Syrien kämpften türkische und kurdische Dynastien um die Macht. Der östliche Mittelmeerraum war seit dem Ende des Ersten Kreuzzugs 1099 von Christen beherrscht. Der größte Kreuzfahrerstaat hatte seinen Sitz in Jerusalem, der für Christen und Muslime gleichermaßen heiligen Stadt.

Im Jahr 1171 stellte Saladin als neuer Sultan die Herrschaft der sunnitischen Orthodoxie in Ägypten wieder her. Im Laufe der nächsten Jahre einte er Syrien unter seiner Gewalt. Nun hatte er die Macht, das christliche Königreich Jerusalem anzugreifen. Im Juli 1187 kam es bei Hattin nicht weit vom See Genezareth zur Entscheidungsschlacht gegen die Franken – so hießen die Kreuzritter bei den Arabern. Der Chronist Ibn al-Athir schreibt:

"Es war Hochsommer und sehr heiß, so dass die Franken Durst litten. Sie hatten alles Wasser aus den örtlichen Zisternen verbraucht. Einer hatte das Gelände dort, das ganz mit trockenem Gras bewachsen war, in Brand gesetzt. Der Wind trug Rauch und Flammen zu den Franken hinüber. So hatten sie außer Durst und Sommerglut noch Rauch und Feuer und Schlachtgetümmel zu ertragen."

Das Kreuzritterheer wurde vernichtend geschlagen. In der Schlacht bei Hattin erbeuteten die Muslime auch das Heilige Kreuz, ein für die lateinische Christenheit bedeutendes Ereignis. Seitdem gilt es als verschollen, Reliquien-Splitter wurden in alle Welt verstreut. Im Oktober 1187 schließlich nahm Saladin nach kurzer Belagerung Jerusalem ein. Doch anders als im Jahr 1099, als die Kreuzritter in der Heiligen Stadt ein Massaker an der muslimischen Bevölkerung verübten, ließ Saladin die lateinischen Christen abziehen. Saladins Einnahme von Jerusalem war der Auslöser des Dritten Kreuzzugs, der 1192 in einen Friedensvertrag mündete. Ein halbes Jahr später, am 4. März 1193, starb Saladin in Damaskus.

Erfinder des Toleranzgedankens

Schon der englische König Richard Löwenherz sah in seinem Vertragspartner einen ehrenwerten Gegner. In der europäischen Rezeption entstand das Bild von Sultan Saladin als "edler Heide". In der Aufklärung sah man ihn gar als Erfinder des Toleranzgedankens. Der französische Philosoph Voltaire schrieb 1756 über Saladin.

"Man sagt, dass er in seinem Testament bestimmte, Almosen gleicher Art sollten unter die armen Juden, Muslime und Christen verteilt werden. Er wollte durch diese Bestimmung zu verstehen geben, dass alle Menschen Brüder sind und man nicht danach fragen dürfe, was sie glauben, sondern was sie leiden."

Auch in Lessings Drama "Nathan der Weise", das im Jahr 1192 in Jerusalem spielt, wird Sultan Saladin in der berühmten Ringparabel zum überzeugten Vertreter religiöser Gleichberechtigung.

In der arabischen Welt ist Saladin einer der großen Helden der Geschichte. Diktatoren von Nasser in Ägypten über Hafiz al-Asad in Syrien bis hin zu Saddam Hussein im Irak, der wie Saladin in Tikrit geboren wurde, sahen sich gleichsam als neuzeitliche Inkarnationen des Feldherrn und Sultans aus dem 12. Jahrhundert.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk