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StartseiteWirtschaft am MittagZweite Chance für Bayer-Chef Baumann?29.04.2019

Vorstand nicht entlastetZweite Chance für Bayer-Chef Baumann?

Nachdem die Anleger Bayer-Konzernchef Werner Baumann am vergangenen Freitag nicht entlastet haben, plädieren manche Experten nun dennoch dafür, ihn im Amt zu belassen. Frei nach dem Motto: Noch mehr Chaos braucht Bayer nun wirklich nicht.

Von Mischa Ehrhardt

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Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG, steht bei der Bayer - Hauptversammlung auf der Bühne und spricht zu den Aktionären.  (dpa/picture alliance/ Guido Kirchner)
Die Hauptversammlung des Bayer-Konzerns am vergangenen Freitag wurde für Konzernchef Werner Baumann zum Debakel. (dpa/picture alliance/ Guido Kirchner)
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Am Freitag war die Bayer-Welt oberflächlich zumindest noch halbwegs in Ordnung. Vor der Abstimmung zu seiner Entlastung sagte Bayer-Chef Werner Baumann:

"So übertrieben die Kursreaktionen sind und so wenig sich unserer Ansicht nach der wahre Wert unseres Unternehmens im aktuellen Kurs widerspiegelt, so verständlich ist auf der anderen Seite die Verunsicherung."

Schwere Klatsche für den Vorstandsvorsitzenden

Mit den Kursreaktionen meinte Baumann die Tatsache, dass Bayer-Aktien nach der Monsanto-Übernahme im vergangenen Jahr rund 40 Prozent in den Keller gerauscht sind. Die Verunsicherung seiner Aktionäre sollte er zu spüren bekommen, als die ihm am Abend dann das Misstrauen aussprachen.

"Wenn ein Vorstand, wie bei Bayer, nicht entlastet wird, ist das wie eine Abmahnung; und zwar eine Klatsche, die verdammt weh tut. Wir wissen ja: Bayer und Monsanto und Glyphosat – das ist keine Liebesbeziehung", sagt der Aktienstratege der Baader Bank, Robert Halver.

Am Wochenende hat der Aufsichtsrat nach einer Krisensitzung Baumann den Rücken gestärkt. Trotz der schallenden Ohrfeige der Aktionäre stehe man geschlossen hinter dem Vorstand. Ob das auch in Zukunft so sein wird, daran hegt Christoph Schalast von der Frankfurt School of Finance and Management seine Zweifel. Er sagte am Freitag vor der Abstimmung mit Blick auf einen möglichen Vertrauensentzug:

"Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Aufsichtsrat einen Vorstand nicht entlässt, der von der Hauptversammlung nicht entlastet wurde. Also ich glaube, das folgt dann automatisch: Entweder tritt man zurück, wenn man kein Vertrauen mehr hat von der Mehrheit, oder aber man muss in Kauf nehmen, dass der Aufsichtsrat einen ablöst. Ich glaube, das ist auf jeden Fall ein schwerer Karriereknick."

Rückhalt vom Aufsichtsrat bleibt bisher erhalten

Von dem aber ist heute noch nichts zu sehen. Großaktionär Union Investment etwa wirbt dafür, dem Bayer-Management noch eine zweite Chance zu geben. Auch die Fondstochter der Sparkassen, Deka, hält einen Wechsel in der Führungsriege zum jetzigen Zeitpunkt für falsch: Niemand könne wollen, dass neben all dem Chaos auch noch das Tagesgeschäft bei Bayer brach liege. Beide hatten aber angekündigt, den Bayer Vorstand nicht entlasten zu wollen.

Mit Chaos sind Schadenersatzklagen wegen des Unkrautvernichters Glyphosat gemeint, die Bayer sich mit Monsanto eingekauft hat. Zwei Urteile hat es bereits gegeben – Bayer wurde jeweils zur Zahlung von rund 80 Millionen Dollar verdonnert. Der Konzern hat gegen ein Urteil bereits Berufung eingelegt und will auch das zweite anfechten. Inzwischen ist die Zahl der Schadenersatzklagen in den USA auf 13.400 angestiegen. In ihnen geht es um die Frage, ob Glyphosat für die Krebsleiden der Klägerinnen und Kläger verantwortlich ist.

Spekulationen um mögliches Übernahmerisiko

Sollten weitere Urteile gegen Bayer kommen, drohen Zahlungen in Milliardenhöhe. Diese Aussicht vor allem hat den Börsenwert von Bayer in den vergangenen Monaten eingedampft – und den Konzern möglicherweise nun selbst auf die Größe eines Übernahmekandidaten schrumpfen lassen. Robert Halver:

"Man kann eine Übernahme nicht ausschließen. Aber ich hoffe, wenn es soweit kommen sollte, dass wir dann eine nationale Lösung anstreben, dass die BASF dann Bayer übernimmt. Denn Deutschland sollte seine Industrie-Perlen nicht einfach verschleudern, die sollten in deutscher Hand bleiben, damit wir auch morgen noch kraftvoll zubeißen können."

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