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StartseiteWirtschaft am MittagManager verdienen (etwas) weniger11.06.2019

VorstandsvergütungenManager verdienen (etwas) weniger

Die Vorstände großer Unternehmen verdienen in Deutschland viel Geld, Spitzenverdiener sind sie damit im internationalen Vergleich aber nicht. Tatsächlich gingen die Managergehälter im vergangenen Jahr meist zurück, während die Beschäftigten mehr verdienten. Bei einem Unternehmen stiegen die Vergütungen aber massiv.

Von Mischa Ehrhardt

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Eine Reihe von Männern in Anzügen, der Blick geht auf Hosen und Schuhe. (picture alliance / dpa / Grigoriy Sisoev)
Verdienen Vorstände in deutschen Unternehmen zu viel? (picture alliance / dpa / Grigoriy Sisoev)
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Bei den Vergütungen der Vorstände von Börsenunternehmen zeigte sich im vergangenen Jahr zunächst einmal eine vernünftige Tendenz, will heißen: eine Tendenz, die einhergeht mit der wirtschaftlichen Entwicklung:

"Es ist auffällig, dass die Vorstandsgehälter in 2018 gesunken sind. Das haben wir ganz selten in den letzten zehn bis 20 Jahren gesehen. Und gleichzeitig sind die Gehälter der normalen Mitarbeiter in den Konzernen gestiegen", sagt der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tüngler.

Vorstände verdienen 52 Mal mehr als Beschäftigte

Die Analyse der Vorstandsgehälter in den 30 größten deutschen Börsenunternehmen des Dax hat ergeben, dass die Managergehälter um dreieinhalb Prozent zurückgegangen sind. Im Gegensatz dazu sind die Gehälter der Beschäftigten der Konzerne gestiegen - die Schere zwischen den Topverdienern und den Beschäftigten hat sich also ein wenig geschlossen. Dennoch ist die Differenz nach wie vor beachtlich: Die Vorstände haben auch 2018 noch das 52-fache ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verdient. Die Vorstandschefs selbst verdienten durchschnittlich 5,4 Millionen Euro, wobei SAP-Chef Bill McDermott, wie im vergangenen Jahr, mit exakt der doppelten Summe von 10,8 Millionen Euro der bestverdienende Dax-Chef war. Eine positive Entwicklung sieht Studienautor Gunter Friedl von der Technischen Universität München bei den unterschiedlichen Gehaltsanteilen.

"Die aktienkursorientierte Vergütung macht inzwischen etwa ein Drittel der gesamten Vergütung aus, und sie hat stark zugenommen. Das ist aus unserer Sicht ein richtiger Trend, weil der Aktienkurs die langfristige Wertentwicklung eines Unternehmens am besten widerspiegelt."

Aktienkurs als Richtschnur für Vorstandsgehälter?

Allerdings kann auch die am Aktienkurs orientierte Vergütung Blüten treiben. So haben im MDAX die drei Zalando-Vorstände auf diese Weise im vergangenen Jahr jeweils knapp 20 Millionen Euro verdient. Mit kritischem Blick schauen die Aktionärsschützer auch auf den direkten Vergleich der Vergütungen mit der Aktienkursentwicklung. Denn gemessen am Rückgang des Dax um 18 Prozent ist der Rückgang der Managergehälter mit 3,5 Prozent noch moderat. Vergleicht man die Zahlungen an die Vorstandsmitglieder der einzelnen Unternehmen, liegt Volkswagen an der Spitze, dahinter der Pharma- und Chemiekonzern Merck.

"Und - etwas überraschend vielleicht - der dritte Platz für die Deutsche Bank; immer noch fast 5,1 Millionen pro Vorstandsmitglied. Entsprechend beobachten wir bei der Deutschen Bank im Übrigen den stärksten Anstieg der Vergütung. Die Vergütung stieg um 55,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und das ist interessanterweise beinahe exakt der prozentuale Wertverlust, den die Aktionäre der Deutschen Bank 2018 erleiden mussten. Das war nämlich ein Rückgang von etwa 55 Prozent", sagt Gunter Friedl.

Die Aktionärsschützer der DSW fordern, dass sich die Bezahlung der Vorstände stärker noch am Erfolg oder Misserfolg des Managements ausrichten sollte.

Deutsche Vorstände im Europavergleich

Im internationalen Vergleich schließlich rangieren die deutschen Vorstände europaweit nicht an der Spitze. Deutsche Vorstände verdienten, wie im vergangenen Jahr, zwar mehr als ihre Kolleginnen und Kollegen in Frankreich, dafür aber weniger als in der Schweiz. Auch die Vorstände im Eurostoxx 50, also dem Index der 50 größten Börsenkonzerne Europas, verdienten mit durchschnittlich 6,2 Millionen Euro deutlich mehr als die Konzernlenkerinnen und -lenker hierzulande. Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung allerdings hatte das Gehalt des Europäischen Topverdieners, Carlos Brito. Der Chef des belgischen Getränkegiganten AB InBev kassierte mit knapp 32 Millionen Euro rund das dreifache Gehalt des Dax-Spitzenverdieners McDermott.

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