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StartseiteForschung aktuellBrodeln unter dem Eis16.07.2018

Vulkanausbrüche in der AntarktisBrodeln unter dem Eis

Die durch den Klimawandel bedingte Gletscherschmelze befördert die Vulkanaktivität in der Antarktis. Bei Ausbrüchen könnte dies zu noch mehr Schmelze führen. Derzeit legen Forscher ein Vulkan-Verzeichnis für die West-Antarktis an - und kommen alleine dort auf 140 subglaziale Vulkankegel.

Von Volker Mrasek

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Eine Eislandschaft in der Antarktis, im Hintergrund der Mount Erebus auf Ross Island (imago stock&people)
Der aktive Vulkan Mount Erebus in der Nähe der US-Antarktisstation auf Ross Island (imago stock&people)
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Die Westantarktis ist die Achillesferse des riesigen Süd-Kontinents. Steigende Wassertemperaturen nagen an den großen Eisschilden mit Kontakt zum Meer. Die Schmelzraten der nachrückenden Gletscher haben sich zuletzt verdreifacht. Und sie könnten sich noch zusätzlich erhöhen. Durch die zunehmende Aktivität von Vulkanen, die unter dem Eis der Westantarktis schlummern.

Darauf weisen Geowissenschaftler neuerdings hin. So auch John Behrendt. Der US-Geophysiker war früher an der Universität von Colorado in Boulder. Heute ist er im Ruhestand, aber noch immer in der Polarforschung aktiv:

"Durch den Klimawandel verliert die Westantarktis Eis an den Ozean. Dadurch lastet weniger Gewicht auf dem darunterliegenden Gestein. Es entspannt sich. Und das führt zu einer stärkeren vulkanischen Aktivität unter dem Eis. Und zu noch höheren Abschmelzraten auf dem Westantarktischen Eisschild, der ja eh schon schmilzt."

Hoher Druck auf den Magmakammern

Vulkane auf dem Südkontinent - davon gibt es eine ganze Menge! Vor allem entlang des über 3.000 Kilometer langen Westantarktischen Rift- oder Grabensystems:

"In vulkanischen Regionen wie dem Westantarktischen Riftsystem lastet hoher Druck von oben auf den Magmakammern in der Erdkruste. Das Gewicht des Eises drückt das Magma praktisch zu Boden. Doch wenn dieser Druck nachlässt, weil das Eis schmilzt, ermöglicht das eine stärkere vulkanische Aktivität. Und wenn es dann zu einem Ausbruch kommt, schmilzt noch mehr Eis."

Britische Geoforscher legten gerade erst ein neues Vulkan-Verzeichnis für die West-Antarktis vor, gestützt auf genauere Radarmessungen. Sie kommen darin auf fast 140 subglaziale, also unter dem Eis liegende Vulkankegel. Italienische Forscher untersuchen derweil den Mount Melbourne und den Mount Rittmann genauer - zwei große Vulkane, die den Eispanzer der Westantarktis deutlich überragen. Wie sich zeigte, treten bei beiden am Kraterrand Gase aus:

"Mount Erebus in der Nähe der US-Antarktisstation ist ein weiteres Beispiel. Man sieht dort Dampf aufsteigen und Spuren von Asche, das heißt der Vulkan ist aktiv. Magma steigt aus der Erdkruste empor und setzt Gase frei. Es gibt eine Reihe aktiver Vulkane in der Antarktis. Auch einige unter dem Eis. Das wissen wir durch spezielle geophysikalische Untersuchungsmethoden."

Unter genauer Beobachtung

Den letzten größeren Vulkanausbruch am Südpol gab es wohl um das Jahr 1900 herum. Das war am Mount Melbourne. Wann der nächste folgt und wie häufig Vulkane in der Antarktis künftig losbrechen, kann Geophysiker Behrendt nicht sagen. Aber wenn die Ausbrüche zunehmen und noch mehr Gletschereis schmilzt, wird auch der Meeresspiegel schneller steigen:

"Das ist die große Bedrohung! Es fließt dann noch mehr Wasser in den Ozean. Ich denke, wir sollten das Ganze deshalb weiter beobachten, mit geophysikalischen Methoden und von Satelliten aus. Um zu sehen, wie die weitere Entwicklung ist. Auch wenn man natürlich keinen Vulkan dadurch stoppt, dass man ihn andauernd im Blick hat!"

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