Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsinstitute
Wachstumsprognose für deutsche Wirtschaft mehr als halbiert

Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für 2026 angesichts des Iran-Krieges mehr als halbiert. Sie erwarten durch die stark gestiegenen Energiepreise für das laufende Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent und für 2027 um 0,9 Prozent.

    Eine Ausgabe der Gemeinschaftsdiagnose steht während der Vorstellung der Gemeinschaftsdiagnose für die Wirtschaft im Frühjahr 2026 der führenden Forschungsinstitute in der Bundespressekonferenz.
    Gemeinschaftsdiagnose zum Wirtschaftswachstum (picture alliance / dpa / Sebastian Gollnow)
    Im Herbst hatten die Ökonomen noch mit einem Wachstum von 1,3 beziehungsweise 1,4 Prozent gerechnet. "Der Energiepreisschock im Zuge des Iran-Krieges trifft die Erholung hart, gleichzeitig stützt aber die expansive Fiskalpolitik die Binnenwirtschaft und verhindert ein stärkeres Abrutschen", erklärte der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Wollmershäuser.
    Die Institute rechnen zudem mit einer höheren Inflationsrate. Sie erwarten für das laufende Jahr einen Anstieg der Verbraucherpreise um durchschnittlich 2,8 Prozent, 2027 klettert die Inflationsrate demnach auf 2,9 Prozent. Das wiederum dämpfe den privaten Konsum.
    Mit Blick auf die Energiekosten sprechen sich die Forschenden gegen staatliche Eingriffe für kurzfristig niedrigere Energiepreise aus. Damit würden "wichtige Marktsignale außer Kraft gesetzt", erklärten sie. Stattdessen sollte es "zielgerichtete soziale Ausgleichsmaßnahmen" geben.

    Wirtschaftsministerin sieht erhöhten Reformdruck

    "Die Botschaft der Frühjahrsdiagnose der Forschungsinstitute ist eindeutig: Der Konflikt im Nahen Osten erhöht den Druck auf die deutsche Politik, Strukturreformen konsequent anzugehen", erklärte Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU). "Die Wachstumsaussichten sind deutlich schwächer als noch zuvor erwartet." Es brauche nun "mutige Reformen".
    An der Frühjahrs-Gemeinschaftsdiagnose sind das Ifo-Institut München in Kooperation mit dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung Wien, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin, das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle, das Kiel Institut für Weltwirtschaft und das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen beteiligt. Ihr Gutachten dient der Bundesregierung als Grundlage für ihre eigene Prognose, die laut Wirtschaftsministerium am 22. April vorgestellt wird.

    Aus dem Deutschlandfunk-Programm

    Wirtschaftsforschungsinstitute halbieren Prognose (Audio)
    Was tun gegen die drohende Wirtschaftskrise? Interview mit dem Ökonomen Peter Bofinger (Audio)
    Diese Nachricht wurde am 01.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.