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StartseiteWirtschaft am MittagBoomtown Berlin19.06.2019

WachstumsregionenBoomtown Berlin

"Arm aber sexy" - diesen Slogan hatte Berlins ehemaliger Oberbürgermeister Klaus Wowereit geprägt. Das war vor über 15 Jahren. Nun holt die Hauptstadt wirtschaftlich auf und übertrumpft laut einem Report den Rest Deutschlands. Sogar die tot geglaubte Berliner Industrie steht vor einer "Trendwende".

Von Sebastian Engelbrecht

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Sonnenaufgang im Morgengrauen über dem Volkspark Friedrichshain am 16.05.2018 in Berlin. (dpa / picture alliance / Robert Schlesinger)
70 Prozent der befragten Unternehmen bezeichneten die Geschäftslage in Berlin als „sehr gut“ oder „gut“. (dpa / picture alliance / Robert Schlesinger)
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Berlin war im vergangenen Jahr die wachstumsstärkste Region in Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt stieg in Berlin um 3,1 Prozent, während es bundesweit nur bei 1,4 Prozent lag. Das ist das Ergebnis des sogenannten KMU-Reports zur Lage der Berliner Wirtschaft, den die staatliche Investitionsbank Berlin und die Wirtschaftsauskunftei Creditreform Berlin Brandenburg jährlich veröffentlichen.

Für den Vorstandsvorsitzenden der Investitionsbank Berlin, Jürgen Allerkamp, ist klar: Berlin, wirtschaftlich seit Jahrzehnten eines der schwächsten Bundesländer, holt im Bundesvergleich auf.

"Wir sprechen ja immer von dieser großen Schere, die wir haben, bei all den Kennziffern, die wir haben: Von der Arbeitslosigkeit bis hin zum Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, und da haben wir ja viele Jahre lang die rote Laterne gehabt, und es gibt seit fünf, sechs sieben Jahren einen deutlichen Aufholprozess, und der ist ja auch nötig, damit Berlin irgendwann im Mittelfeld der Republik ankommt."

In Berlin fehlen Arbeitskräfte

Für den Konjunkturreport wurden 1000 Unternehmen in Berlin befragt. 70 Prozent bezeichneten die Geschäftslage als "sehr gut" oder "gut". Im vergangenen Jahr waren es mit 73 Prozent etwas mehr gewesen.

Besonders gut ist die Stimmung nach wie vor im Berliner Baugewerbe und im Dienstleistungssekto. Allerdings sind die Aussichten auch in Berlin etwas trüber als im Vorjahr. Nur noch 42 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in diesem Jahr mit einem höheren Umsatz. 2018 erwartete noch fast jedes zweite Unternehmen  ein Umsatzplus.

Trotz der insgesamt etwas schwächeren Konjunktur fehlen in Berlin nach wie vor Arbeitskräfte, wie Jochen Wolfram, Geschäftsführer der Creditreform Berlin Brandenburg berichtet.

"Etwa 30 Prozent der befragten Unternehmen des Mittelstandes haben im letzten Jahr das Personal aufgestockt. Das ist zwar ein leichter Rückgang von minus ein Prozent. Dennoch bleibt Berlin klar über dem Bundesdurchschnitt. Das ist wirklich etwas, was erwähnt werden sollte. Deutschlandweit erhöhten im vergangenen Jahr lediglich 24,2 Prozent der Unternehmen ihre Mitarbeiterzahl. Bei uns waren es fast 30 Prozent."

Deutschlands digitale Hauptstadt

Wegen der guten Lage der Wirtschaft in Berlin konnten die Unternehmen ihre Basis an Eigenkapital erhöhen. Entsprechend sinkt in Berlin seit Jahren die Zahl der Insolvenzen von Unternehmen. Und sogar im Bereich der seit Jahrzehnten schwachen Industrie gibt es in Berlin einen Aufwärtstrend. Seit 2009 ist die Zahl der Industriearbeitsplätze um 5000 auf 92.000 gestiegen. Jürgen Allerkamp von der Investitionsbank Berlin sieht auch in der Berliner Industrie eine "Trendwende".

"Man kann sagen: Sie hat sich runderneuert. Sie ist gewachsen, sie ist gestärkt, sie ist modern und innovativ geworden, und mit Industrie 4.0 ist sie ein Stück weit auf dem Vormarsch, und wir können auch mit einer super-Exportquote von 56 Prozent feststellen, dass die Berliner Industrie auch international wettbewerbsfähig ist." Zudem, so Allerkamp, gelte Berlin nach wie vor als "Gründerhauptstadt" und als "Digitalhauptstadt" in Deutschland.

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