Razzien in Nordrhein-Westfalen
Warum die Polizei verstärkt gegen die "Hells Angels" vorgeht

In Nordrhein-Westfalen hat am frühen Morgen einer der größten Einsätze gegen Rockerkriminalität in der Geschichte des Bundeslandes begonnen. Im Fokus stehen die "Hells Angels". Was sind die Hintergründe des verstärkten Vorgehens von Polizei und Staatsanwaltschaft?

    Der Schriftzug und das Emblem der "Hells Angels" auf einer Lederjacke.
    Die Polizei geht regelmäßig gegen die organisierte Kriminalität von Motorradrockern vor. Im Fokus steht dabei oft die Vereinigung „Hells Angels”. (dpa)
    Laut der Landesregierung waren 1.200 Polizisten und Ermittler in 28 Städten im Einsatz. Seit dem frühen Morgen wurden demnach dutzende Wohnungen und Geschäftsräume von Vereinsmitgliedern und Unterstützern durchsucht, unter anderem in Dortmund, Duisburg, Bochum, Bielefeld, Köln und Leverkusen. Nach Angaben des nordhrein-westfälischen Innenministers Reul wurden bei den Razzien Vermögenswerte von bis zu 2,5 Millionen Euro sichergestellt. Es gebe mehr als 40 Beschuldigte, sagte der CDU-Politiker in Düsseldorf.

    "Nichts mit Motorradromantik zu tun"

    Reul begründete das Vorgehen mit den kriminellen Strukturen der Vereinigung: "Rockerclubs haben nichts mit Motorradromantik zu tun. Es geht um organisierte Kriminalität, Drogen, Waffen und Schutzgelderpressung", sagte Reul. Erste Hinweise deuteten zudem auf profitorientierten Drogenanbau hin.
    In Nordrhein-Westfalen sind die "Hells Angels" die größte Rockergruppierung. Im bevölkerungsreichsten Bundesland existierten zuletzt 29 Untergruppierungen, die sogenannten Chapter. Laut Behörden gibt es landesweit 469 Mitglieder. Dazu zählen auch zahlreiche Überläufer aus verfeindeten Rockerclubs wie den "Bandidos".

    Internationale Vernetzung

    Das Bundeskriminalamt stuft die Rockerkriminalität bundesweit als Teil der organisierten Kriminalität ein. Oft verschieben sich die Machtverhältnisse durch Verbote von Teilgruppierungen. Die Clubs sind laut dem BKA hierarchisch organisiert und stark international vernetzt. Sie betreiben häufig legale Geschäfte wie Sicherheitsdienste, Tattoo-Studios oder Clubs. Allerdings nutzen sie diese Strukturen auch für kriminelle Aktivitäten. Dazu zählen nach BKA-Angaben Drogenhandel, Schutzgelderpressung und Gewaltkriminalität. Die Behörde bewertet die Lage als angespannt. Insbesondere Rohheitsdelikte, gefährliche Körperverletzungen und Erpressungen gehören demnach zum Alltag.

    Hohes Dunkelfeld vermutet

    Allerdings werden viele Straftaten nur teilweise bekannt. Rockergruppen verbieten die Zusammenarbeit mit Behörden. Zudem schweigen ihre Mitglieder über Straftaten und schüchtern Zeugen ein. Daher gehen die Ermittler von einem hohen Dunkelfeld bei den Straftaten im Rockermilieu aus. In Nordrhein-Westfalen wie auch in anderen Bundesländern setzt die Polizei regelmäßig auf Durchsuchungen, Verbote und Strafverfahren. Die heutigen Razzien seien daher ein Schritt, um die kriminelle Infrastruktur der "Hells Angels" weiter zu schwächen, heißt es.
    Diese Nachricht wurde am 28.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.