
Was ist FCAS?
FCAS steht für Future Combat Air System. Es galt als das wichtigste Prestigeprojekt der europäischen Rüstaungskooperation. Das Vorhaben wurde 2017 von der damaligen Bundeskanzlerin Merkel und dem französischen Präsidenten Macron angestoßen. Geplant war ein Luftkampfsystem der nächsten Generation, das ab den 2040er Jahren den Eurofighter bei der Bundeswehr und die Rafale bei den französischen Streitkräften ersetzen sollte. Auch Spanien wollte an dem Projekt mitwirken.
Nun hieß es aus deutschen Regierungskreisen, Bundeskanzler Merz und der französische Präsident Macron seien sich einig, dass die Unternehmen Airbus und Dassault beim Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeugs nicht mehr zusammenfinden werden. Der Élysée-Palast erklärte, man bedaure, dass es den Industrieunternehmen nicht gelungen sei, sich auf eine Fortsetzung des Projekts zu einigen.
Warum ist das Projekt gescheitert?
Als Gründe werden unterschiedliche Interessen der beteiligten Staaten und Unternehmen genannt. So sollte das Kampfflugzeug nach den Vorstellungen Frankreichs auf Flugzeugträgern landen können und atomwaffenfähig sein. Deutschland wiederum legte besonderen Wert auf eine hohe Geschwindigkeit der Maschine. Hinzu kamen Verstimmungen zwischen Dassault und Airbus. Der französische Konzern sah sich in der Führungsrolle bei dem Projekt. Airbus sah darin eine Verletzung von Absprachen. Die Unternehmen konnten sich Berichten zufolge nicht auf die Arbeitsanteile und die Patentrechte für Neuentwicklungen einigen.
Der Sicherheitsexperte Christian Mölling sagte im Deutschlandfunk, das Ende des Projekts komme nicht überraschend. Die Schwierigkeiten hätten sich über Jahre aufgebaut. Die unterschiedlichen militärischen Anforderungen allein könnten das Scheitern jedoch nicht erklären. Die Differenzen seien bereits bei Projektbeginn bekannt gewesen.
Was sind die Folgen für die Bundeswehr?
Deutschland muss sich nun neue Partner für die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeuges suchen. Denkbar wäre eine Kooperation mit Schweden und dem Rüstungsunternehmen Saab. Das neue NATO-Land gilt im Militärflugzeugbau als erfahren.
Sicherheitsexperte Mölling bezeichnete Saab als "möglichen Teil einer Lösung". Immerhin habe der Konzern schon einmal ein Kampfflugzeug allein gebaut. Ein möglicher Partner für Deutschland wäre auch Großbritannien gewesen. Grundlage hätte die bestehende Allianz beim Bau des "Eurofighters" sein können, den die Briten "Typhoon" nennen. Allerdings ist Großbritannien inzwischen zusammen mit Japan und Italien im Projekt "Global Combat Air Programme" (GCAP) verbunden.
Als Überbrückung könnte die Luftwaffe auch zusätzliche Maschinen vom US-Typ F-35 beschaffen. Das berichtet das Magazin "Der Spiegel". Diese Kampfjets können mit Atomsprengköpfen ausgerüstet werden
Was sind die Folgen für deutsch-französischen Beziehungen?
Das Aus für den gemeinsamen Kampfjet hat auch eine politische Dimension. Deutschland und Frankreich hatten das FCAS-Projekt immer wieder als Symbol ihrer engen Zusammenarbeit und als Beitrag zu einer stärkeren europäischen Verteidigungsfähigkeit dargestellt. Der Militärexperte Mölling sagte dazu: "Wir haben jetzt vor allem Zeit verloren." Die deutsch-französischen Beziehungen seien, wenn überhaupt noch möglich, noch weiter beschädigt worden.
Auch der Deutschlandfunk-Korrespondent in Paris, Stephan Detjen, sprach von einem schweren Rückschlag für die deutsch-französischen Beziehungen. In Frankreich werde die Darstellung von Bundeskanzler Merz, die französischen Anforderungen an das geplante Kampfflugzeug seien lediglich eine nationale Sonderlösung, zurückgewiesen. Dies habe in Paris zusätzlich für Verstimmung gesorgt.
Wie geht es jetzt weiter?
Das Projekt FCAS soll nicht vollständig aufgegeben werden. Geplant ist, Teile des Vorhabens, wie die Vernetzung von Flugzeugen, Drohnen und Sensoren in einer sogenannten "Combat Cloud", weiterzuführen.
Beim deutsch-französischen Ministerrat in diesem Monat wollen dazu beide Verteidigungsministerien einen Arbeitsplan zur "verteidigungsindustriellen Zusammenarbeit" vorlegen.
Diese Nachricht wurde am 09.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.




