
Raúl Castro ist der Bruder des verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro. Die USA machen Raúl Castro für den Abschuss von zwei US-Zivilflugzeugen im Jahr 1996 mit vier Toten verantwortlich. Castro war damals kubanischer Verteidigungsminister.
Warum ist Raúl Castro für für die USA so wichtig?
Castro hat sich aus der aktiven Politik zurückgezogen, hat aber noch einen eher symbolischen Sitz in der Nationalversammlung. In Kuba ist Raúl Castro hochangesehen und steht für das politische Erbe seiner Familie, die das Schicksal der Insel seit mehr als einem halben Jahrhundert geprägt hat. Er war bei der Landung der Jacht "Granma" zu Beginn der Revolution in Kuba mit der ersten Handvoll Rebellen sowie als Guerillakämpfer gegen die Diktatur von Fulgencio Batista dabei.
Er wurde Militärchef und Präsident und regierte Kuba ab 2006 zunächst provisorisch, später offiziell zwischen 2008 und 2018. Während seiner Amtszeit als Präsident kam es zu einigen wirtschaftlichen Reformen sowie zu einem vorsichtigen Tauwetter in den Beziehungen zu den USA unter dem damaligen US-Präsidenten Obama.
Militärkonzern Gaesa kontrolliert große Teile der Wirtschaft
In Castros Zeit als Verteidigungsminister entstand der Militärkonzern Gaesa, der heute große Teile der Wirtschaft kontrolliert, wie den Tourismus, das Bauwesen, Hafenlogistik und Finanzdienstleistungen. Der Konzern gilt vielen als "Staat im Staat". In diesem Jahr verhängten die USA neue Sanktionen gegen den Konzern. Washington betrachtet Gaesa als zentrales Macht- und Finanzinstrument des kubanischen Militärs und des politischen Systems.
Nach Einschätzung von Experten wollen die USA mit den Vorwürfen gegen Raúl Castro den Druck auf Kuba weiter erhöhen, um wirtschaftliche und politische Reformen im Sinne der US-Interessen zu forcieren. Im März sagte der kubanische Präsident Díaz-Canel, dass Castro an der Gestaltung des Verhandlungsprozesses mit Washington beteiligt sei. Ein Enkel Castros, der als sein engster Vertrauter gilt, soll Medienberichten zufolge Washingtons Hauptansprechpartner sein – oder gewesen sein. Ohne Castros Zustimmung dürfte sich derzeit auf dem Verhandlungstisch wenig bewegen.
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Diese Nachricht wurde am 22.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
