Der Fall Peng ShuaiWeiter Unklarheit über Wohlergehen der chinesischen Tennisspielerin

Die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai erhob Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen einen chinesischen Offiziellen. Danach verschwand sie. Nach internationalem Protest gab es inszenierte Auftritte und ein offizielles Dementi der Vorwürfe. Seither ist es gewollt still geworden um Peng Shuai.

14.01.2022

Archivfoto vom 07.10.2017: Peng Shuai während einer Pressekonferenz in Peking.
Wie geht es der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai? (picture alliance / MAXPPP)
Der Fall der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai hat international für Aufsehen gesorgt, unter dem Hashtag #WhereIsPengShuai sorgten sich Ende 2021 in den sozialen Netzwerken Freunde, Tenniskolleginnen und andere um die ehemalige Weltranglistenerste im Doppel. Nun ist es wieder still geworden - doch das Schicksal Peng Shuais ist nach wie vor ungewiss.

Wie ist der aktuelle Stand?

Bei all der Aufregung um Novak Djokovics Visum-Probleme vor den Australian Open und anderer Coronathemen im Sport hat die Öffentlichkeit den Fall Peng Shuai anscheinend aus den Augen verloren. Auch in China hat man schon länger nichts mehr von ihr gehört.
Es gab zuletzt keine "öffentlichen" Auftritte mehr. Dass nun Ruhe eingekehrt ist, könnte das Ziel von Anfang an gewesen sein. Nach dem Löschen ihres Posts mit den Vorwürfen hatte man sich diese Ruhe in China bereits erhofft.

Worum ging es in dem gelöschten Social-Media-Beitrag von Peng Shuai?

Peng Shuai hat Anfang November im chinesischen sozialen Netzwerk Weibo einen längeren, offenen Brief gepostet. Darin beschuldigte sie den hohen ehemaligen chinesischen Politiker Zhang Gaoli, sie sexuell missbraucht zu haben - sie vergewaltigt zu haben.
Dieser Post ist daraufhin schnell gelöscht worden: In China werden alle Medien zensiert, auch das Internet. Die chinesische Zensur verbietet weiterhin jegliche Diskussion darüber im chinesischen Internet.

Wie reagierte die Sportwelt?

Nachdem Peng Shuai wochenlang nicht in der Öffentlichkeit zu sehen war, kam es zu großen internationalen Protesten und der Frage, wo sich die 36-Jährige aufhält. Sportler, Politiker und Menschenrechtler schalteten sich ein. Die Spielerinnen-Vereinigung WTA setzte Anfang Dezember alle Turniere in China und Hongkong aus, weil ihr die Signale aus China über das Wohlergehen Peng Shuais nicht ausreichten.

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Das IOC demonstrierte gute Zusammenarbeit mit Chinas Führung und ließ sich in eine chinesische Video-Kampagne einbeziehen: Präsident Thomas Bach habe per Videoschalte mit Peng Shuai gesprochen und sich von ihrem Wohlergehen überzeugt, hieß es.

Wie zeigte sich Peng Shuai der Öffentlichkeit?

Bei inszenierten Auftritten, die von den chinesischen Staatsmedien im Internet gepostet wurden - auch auf Englisch, also für das Ausland bestimmt. Wann und unter welchen Umständen diese Filme und Bilder entstanden sind, ist nicht geklärt.
Ende des Jahres dementierte Peng Shuai die Vorwürfe des sexuellen Übergriffs gegen den chinesischen Spitzenpolitiker in einem Video-Interview der Zeitung "Lanhe Zaibao", sprach von "privater Angelegenheit" und "Missverständnissen". Sie lebe frei in Peking und nicht unter Aufsicht.
Sie erklärte in diesem Interview auch, dass sie wegen der Pandemie nicht beabsichtige, China zu verlassen und dass sie nicht mehr aktiv Tennis spiele. Danach gab es keine weiteren (pseudo)-öffentlichen Auftritte mehr von ihr.

Welche Schlussfolgerungen kann man daraus ziehen?

Es steht zu vermuten, dass die Ruhe, die nun eingekehrt ist, das eigentlich das Ziel von Anfang an war. Man hatte den ursprünglichen Post bereits wenige Minuten, nachdem Peng Shuai ihn online gestellt hatte, gelöscht - und sich damit schon Ruhe erhofft.
Doch im Ausland funktioniert das so nicht. Die Staatsmedien und die Propaganda-Abteilung in China mussten erkennen, dass es keine gute Idee ist, gestellte und gefakte Dinge zu posten.
Dass mittlerweile nicht mehr so viel Kritik aus dem Ausland kommt, war das gewünschte Ziel. Was das genau für Peng Shuai bedeutet, ist schwer zu sagen. Vermutlich wird sie in nächster Zeit nicht ins Ausland reisen (dürfen). Es könnte auch das Ende ihrer professionelle Karriere bedeuten.
Quellen: Benjamin Eyssel, Matthias Friebe, og