
Wo liegen die Anlagen?
Das iranische Atomprogramm erstreckt sich über viele Standorte. Obwohl die Gefahr israelischer Luftangriffe seit Jahrzehnten besteht, sind nur einige der Anlagen unterirdisch angelegt.Kurz vor Beginn des Angriffs durch Israel und die USA im Juni 2025 hatte der Gouverneursrat der IAEA erklärt, der Iran verstoße gegen seine Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag. Bis dahin hatte der Iran Uran auf bis zu 60 Prozent angereichert. Rund 90 Prozent sind für den Bau von Waffen nötig. Das Land verfügte über genügend Material, das gemäß Kriterien der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bei weiterer Anreicherung für zehn Atomwaffen ausgereicht hätte. Danach konnte die IAEA nicht überprüfen, wie viel von diesem Uranvorrat noch vorhanden ist.
Der Iran hat weder erklärt, was mit dem Material geschehen ist, noch hat er der Behörde erlaubt, seine bombardierten Atomanlagen zu inspizieren. Die Anreicherungsanlagen des Irans wurden bei den Angriffen zerstört oder schwer beschädigt. Ihr genauer Zustand ist jedoch, ebenso wie der des Uranvorrats, unklar.
Hat Teheran ein Atomwaffenprogramm?
Die USA und die Atomaufsichtsbehörde der Vereinten Nationen IAEA gehen davon aus, dass der Iran über ein koordiniertes, geheimes Atomwaffenprogramm verfügt hat, das er 2003 stoppte. Die Führung in Teheran bestreitet, jemals ein solches Programm gehabt zu haben oder dies zu planen, sondern die Nuklear-Technik alleine für zivile Zwecke zu nutzen. Im Gegenzug für die Aufhebung internationaler Sanktionen im Rahmen des Atomabkommens mit sechs Staaten aus dem Jahr 2015 stimmte der Iran Beschränkungen seiner Atomaktivitäten zu.
Diese Vereinbarung zwischen dem Iran, den USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland scheiterte jedoch 2018. Damals stiegen die USA unter Donald Trumps erster Präsidentschaft aus dem Abkommen aus und verhängten wieder Sanktionen gegen den Iran. Dieser begann ein Jahr später wie angekündigt damit, gegen die Beschränkungen zu verstoßen - insbesondere bei der Urananreicherung.
Verstärkt der Iran seine Uran-Anreicherung?
Der Iran hat sein Urananreicherungsprogramm nach dem Scheitern des Atomabkommens von 2015 ausgeweitet. Die sogenannte Breakout-Time, die benötigt wird, um genügend waffentaugliches Uran für eine Atombombe zu produzieren, hat sich auf wenige Tage oder etwas mehr als eine Woche verkürzt. Unter dem Abkommen von 2015 betrug die Zeit mindestens ein Jahr.
Tatsächlich würde der Bau einer Bombe aus diesem Material aber länger dauern. Wie lange, ist weniger klar und Gegenstand von Debatten. Der Iran reicherte vor dem Angriff im Juni 2025 an zwei Standorten Uran auf eine Reinheit von bis zu 60 Prozent an.
Natans
Natans steht im Zentrum des iranischen Anreicherungsprogramms. Der Komplex befindet sich auf einer Ebene zwischen Bergen, außerhalb der den Schiiten heiligen Stadt Ghom und südlich von Teheran. Natans beherbergt mehrere Anlagen, darunter zwei Anreicherungsanlagen: die riesige unterirdische Brennstoffanreicherungsanlage (Fuel Enrichment Plant, FEP) und die oberirdische Pilotbrennstoffanreicherungsanlage (Pilot Fuel Enrichment Plant, PFEP).
Die FEP wurde für die Anreicherung im kommerziellen Maßstab gebaut und bietet Platz für 50.000 Zentrifugen. Rund 16.000 Zentrifugen wurden dort installiert. Diplomaten mit Kenntnissen über Natans zufolge liegt die FEP etwa drei Stockwerke unter der Erde. An den Zentrifugen der FEP kam es auch auf andere Weise zu Schäden, unter anderem durch eine Explosion und einen Stromausfall im April 2021, die laut Iran auf einen Angriff Israels zurückzuführen waren. Die oberirdische PFEP beherbergte nur mehrere Hundert Zentrifugen, doch der Iran reicherte dort Uran auf eine Reinheit von bis zu 60 Prozent an.
Fordo
Auf der gegenüberliegenden Seite von Ghom befindet sich Fordo, eine in einen Berg gegrabene Anreicherungsanlage, die daher wahrscheinlich besser vor möglichen Bombardierungen geschützt ist als die FEP. Das Atomabkommen von 2015 erlaubte dem Iran die Anreicherung in Fordo überhaupt nicht. Dort waren vor dem Angriff 2025 rund 2000 Zentrifugen in Betrieb, die meisten von ihnen moderne IR-6-Maschinen. Bis zu 350 davon reicherten bis zu 60 Prozent an.
Die USA, Großbritannien und Frankreich erklärten 2009, der Iran baue Fordo seit Jahren heimlich und habe die IAEA nicht informiert. US-Präsident Barack Obama sagte damals: "Größe und Konfiguration dieser Anlage sind mit einem friedlichen Programm unvereinbar." Bei den Angriffen 2025 ist die wichtigste iranische Atomanlage Fordo Außenminister Abbas Araghtschi zufolge "ernsthaft und schwer beschädigt" worden. Trump erklärte seinerzeit, die US-Angriffe hätten das iranische Atomprogramm "vollständig und total ausgelöscht".
Isfahan
Der Iran verfügt am Stadtrand von Isfahan, seiner zweitgrößten Stadt, über ein großes Zentrum für Atomtechnologie. Es umfasst eine Anlage zur Herstellung von Brennelementen und eine Uranumwandlungsanlage, in der Uran zu Uranhexafluorid verarbeitet werden kann, das in Zentrifugen eingespeist wird.
Diplomaten zufolge lagert der Iran in Isfahan auch angereichertes Uran. In Isfahan gibt es Anlagen zur Herstellung von Uranmetall, ein Verfahren, das besonders relevant für die Verbreitung von Atomwaffen ist, da es zur Herstellung des Kerns einer Atombombe verwendet werden könnte. Die IAEA erklärte, in Isfahan gebe es Maschinen zur Herstellung von Zentrifugen-Teilen und bezeichnete es im Jahr 2022 als "neuen Standort".
Chondab
Der Iran verfügt über einen teilweise fertiggestellten Schwerwasser-Forschungsreaktor, der ursprünglich Arak hieß und heute Chondab genannt wird. Schwerwasserreaktoren bergen ein Risiko für die Verbreitung von Atomwaffen, da sie leicht Plutonium produzieren können, das wie angereichertes Uran zum Bau des Kerns einer Atombombe verwendet werden kann.
Im Rahmen des Abkommens von 2015 wurde der Bau gestoppt, der Reaktorkern entfernt und mit Beton verfüllt, um ihn unbrauchbar zu machen. Der Reaktor sollte umgestaltet werden, "um die Plutoniumproduktion zu minimieren und im Normalbetrieb kein waffentaugliches Plutonium herzustellen". Der Iran hat der IAEA mitgeteilt, dass er plant, den Reaktor 2026 in Betrieb zu nehmen.
Buschehr
Buschehr ist das einzige noch in Betrieb befindliche Atomkraftwerk des Landes und liegt an der Küste des Persischen Golfes. Dort wird russischer Brennstoff verwendet, den Russland nach Verbrauch zurücknimmt. Dadurch wird das Risiko der Verbreitung von Atomwaffen verringert.
Forschungs-Zentrum Teheran
Zu den iranischen Atomforschungsanlagen in der Hauptstadt Teheran gehört ein Forschungsreaktor.
(Aus Material der Nachrichten-Agentur Reuters)
Diese Nachricht wurde am 28.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.




