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Waschmaschinen
Kälter gewaschen als versprochen

Wer bei einer modernen Waschmaschine ein Energiespar-Programm auswählt, wäscht meist mit geringerer Temperatur als in der Gebrauchsanweisung angegeben. Für Allergiker kann das gefährlich werden.

Von Dieter Nürnberger | 04.07.2014

Waschmaschinen in einem Waschsalon in Paris
Waschsalon (AFP/Loic Venance)
Wäsche in die Maschine, Programm und Temperatur wählen und schon geht es los. Doch ganz so einfach ist es nicht immer - denn wer beispielsweise einen 60-Grad-Celsius-Waschgang im Energiespar-Modus wählt, der dürfte überrascht sein, dass das Wasser nicht auf 60 Grad erhitzt wird. Ende vergangenen Jahres untersuchte die Stiftung Warentest Waschmaschinen der derzeit besten Energieeffizienzklasse "A +++". Und keine erreichte 60 Grad im Sparprogramm. Ein Modell kam hier gerade einmal auf gut 35 Grad. Etikettenschwindel? Warentesterin Elke Gehrke war zumindest irritiert, sie fragte bei den Herstellern nach.
"Denn ich gehe doch als Verbraucher davon aus, dass dann auch 60 Grad drin sind. Und die Antwort war - Nein, Sie dürfen alle Sachen, die bis 60 Grad waschbar sind, damit waschen. Das hinkt schon ein bisschen! Ich denke, das redet man sich auch ein wenig schön."
Sparprogramme bei Waschmaschinen verbrauchen weniger Wasser und Strom als die herkömmlichen Programme. Dafür dauert ein umweltschonender Waschgang auch mal rund drei Stunden. Lauwarm statt 60 Grad Celsius heiß - die Hersteller sehen darin kein Problem. Andreas Teine ist Produktmanager für Wäschepflege bei "Siemens". Er verweist auf die Wahlmöglichkeiten der modernen Maschinen - vom herkömmlichen 60-Grad-Progamm bis zum Öko-Waschgang.
"Die Bedürfnisse der Kunden sind sehr unterschiedlich: Manchmal will man sein Lieblingsstück besonders schnell wiederhaben und dann wählt man die "Speed-perfect"-Funktion. Manchmal ist es egal, man hat viel Zeit oder man achtet auf das Thema Energie. Dann wählt man die "eco-perfect"-Funktion. Doch egal, welche Bedürfnisse man hat, erreicht man immer die gleiche Waschwirkung."
Um Krankheitserreger abzutöten, muss bei 60 Grad gewaschen werden
Soll heißen: Die Wäsche wird immer sauber, egal, ob das Programm seinem Namen gerecht wird und tatsächlich 60 Grad erreicht. Dem widerspricht auch die Stiftung Warentest nicht, denn die meisten Maschinen in der letzten Untersuchung erhielten hier gute Noten. Doch was ist mit jenen Kunden, die sich auf die Temperaturen verlassen müssen, etwa Hausstaubmilbenallergiker, die auf echte 60 Grad angewiesen sind, um die Milben abzutöten? Die Antwort der Hersteller ist einfach: Dann müsse eben ein herkömmliches Intensiv-60-Grad-Programm gewählt werden. Warentesterin Elke Gehrke stimmt dem zu, kritisiert aber die oft ungenügenden Hinweise in den Gebrauchsanleitungen.
"Der eine oder andere zeigt, dass es verschiedene 60-Grad-Programme gibt. Etwa das Ökospar-Programm - allerdings ohne zu sagen, dass da nur vielleicht 45 Grad drin sind. Und es gibt ja auch noch ein anderes - das Intensiv-60-Grad-Programm, was man dann auch wirklich mit 60 Grad nutzen kann. Will ich meine Wäsche sauber haben, dann kann ich das durchaus auch mit dem Öko-Programm machen. Denn die Waschleistung ist genau die gleiche, im Vergleich zum herkömmlichen 60 Grad Programm. Heißt es aber, dass ich die 60 Grad benötige, um Keime abzutöten, weil ich Krankheitsfälle in der Familie habe, dann sollte ich überlegen, auf das Intensiv-Programm zu gehen."
Wenn die Maschine ein solches überhaupt bietet. Alternativ könnte das sogenannte Koch-Wäsche-Programm gewählt werden, wobei allerdings auch hier möglicherweise gar nicht so hohe Temperaturen erreicht werden.
Klar ist: Bei Pilzerkrankungen, Darm-Infekten oder Wurmerkrankungen sollte die Temperatur mindestens 60 Grad haben, bei niedrigeren Temperaturen sterben die Erreger nicht ab. Siemens-Experte Andreas Teine, weist zudem auch auf das richtige Waschmittel hin.
"Für Weißes und strapazierfähige Textilien wie Handtücher, Bettwäsche - also für Baumwolle-Textilien - empfehlen wir Pulver. Weil nur in Universalpulver Bleiche enthalten ist. Und man sollte auch darauf achten, dass man regelmäßig mit 60 Grad wäscht und, dass man nach dem Waschen das Bullauge und die Einspül-Schublade leicht offen lässt, damit die Restfeuchte in der Maschine trocknen kann. Somit wird man auch nie Probleme mit der Hygiene in der Waschmaschine haben."
Die Stiftung Warentest hat die Hersteller aufgefordert, ihre inkorrekten Temperaturangaben bei den Sparprogrammen zu ändern und auch die Kunden verlässlicher in den Gebrauchsanleitungen zu informieren. Nach ersten Kontakten mit einzelnen Herstellern könnte es darauf hinauslaufen, dass bei den Sparprogrammen künftig auf eine Temperaturangabe verzichtet wird.