
Deutschland gilt als wasserreiches Land. Im Winter haben wir mehr Regen als wir brauchen. Im Sommer helfen Talsperren dann, unseren Bedarf zu decken. Das Problem: Die Sommer werden heißer und trockener, sodass sommerliche Dürrephasen zunehmen.
Böden trocknen aus, Grundwasserspeicher füllen sich langsamer und Flüsse führen weniger Wasser. Umwelt und Wirtschaft geraten unter Druck. Gleichzeitig entstehen neue Großverbraucher wie KI-Zentren. Die Bundesregierung fordert nun einen anderen Umgang mit Wasser.
Knappes Wasser wird zum Wirtschaftsrisiko für die Industrie
Besonders sichtbar wird das Problem knappen Wassers derzeit am Rhein. Niedrige Pegel erschweren die Schifffahrt. Viele Frachter können nur einen Teil ihrer Ladung transportieren. Unternehmen müssen deshalb auf Lkw oder die Bahn ausweichen. Das verteuert Lieferketten und belastet die Industrie.
Zugleich sind viele Betriebe selbst auf große Wassermengen angewiesen. Wasser wird etwa zum Kühlen von Anlagen, für Produktionsprozesse oder zur Reinigung benötigt. Wird es knapp oder werden Flüsse zu warm, müssen Unternehmen ihre Entnahme teilweise reduzieren. Die Bundesregierung spricht inzwischen vom "Standortfaktor Wasser".
Wassercent und Großverbraucher: Wer künftig mehr zahlt
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) fordert, dass wir als Gesellschaft Wasser mehr wertschätzen - und uns auch mehr kosten lassen.
Ein Instrument soll die bundesweit einheitliche Bepreisung großer Wasserentnahmen sein. Abgesehen von Thüringen und Hessen erheben die Bundesländer bereits einen sogenannten "Wassercent". Unternehmen zahlen dabei für die Entnahme von Grundwasser oder Wasser aus Flüssen und Seen. Je nach Bundesland fällt der Preis bislang jedoch sehr unterschiedlich aus.
Besonders im Blick stehen große Industrieanlagen, aber auch neue Verbraucher wie Rechenzentren, deren Kühlung erhebliche Wassermengen benötigt. Sie sollen Schneider zufolge "mehr für Wasser zahlen oder in Technik zum Wassersparen investieren".
Schwammstadt und Moore: So soll Deutschland Wasser speichern
Die Bundesregierung setzt nicht nur auf Sparen, sondern auch auf eine bessere Speicherung. Ziel ist es, Wasser länger in der Landschaft zu halten, statt es nach Regenfällen schnell abfließen zu lassen. Dafür sollen Flüssen und Auen renaturiert, Moore wieder vernässt, Flächen entsiegelt und Wälder umgebaut werden. Der Bund investiert vier Millionen Euro in diese Aufgaben.
Außerdem sollen Kommunen und Länder stärker in Speicher, Kanalnetze und die Wasserinfrastruktur investieren. Nach Vorstellung des Umweltministeriums könnten dafür Mittel aus dem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro genutzt werden.
Trinkwasser aus Aufbereitung: Neue Vorgaben der EU
Die EU und Deutschland haben eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, Wasser effizienter zu nutzen. Laut Bundesumweltminister Schneider seien Investitionen in die Wasserreinigung nötig.
Auf EU-Ebene gelten bald strengere Anforderungen für große Kläranlagen. Rückstände von Medikamenten, Chemikalien und andere schwer abbaubare Stoffe sollen besser herausgefiltert werden.
Die Bundesregierung unterstützt diese Pläne. Umstritten bleibt allerdings, wer die zusätzlichen Kosten trägt. Die EU will, dass Industrie und die Verursacher für die Verunreinigung einen Großteil der Kosten übernehmen. Dagegen wehren sich unter anderem Pharma- und Chemieunternehmen.
Auch ein noch ausstehendes neues Düngerecht in der Landwirtschaft wird in Zukunft entscheidend dafür sein, ob wir Trinkwasser in hoher Qualität aus Grund- oder Oberflächenwasser haben werden.
Onlinetext: Maja Fiedler, Quellen: Deutschlandfunk, Bundesumweltministerium

























