Montag, 28. November 2022

Chorizo statt Proxima Centauri
James Webb und die Sternen-Wurst

Das kreisrunde, rötliche Objekt zeigt zahlreiche weiße und orangefarbene Flecken. So scharf habe das James Webb-Teleskop den sonnennächsten Stern fotografiert, behauptete ein französischer Physiker.

Von Dirk Lorenzen | 06.10.2022

Proxima Centauri, gesehen von James Webb? Nein! Eine Scheibe Chorizo. (Etienne Klein)
Doch das Bild zeigt nicht Proxima Centauri, sondern eine Wurstscheibe! Etienne Klein, leitender Forscher bei der Energiebehörde in Frankreich, präsentierte das Chorizo-Bild auf seinem Twitter-Account. Von seinen 90.000 Followern haben viele das Foto weiter verbreitet – und oft über die Details geschwärmt, die auf dem Stern zu erkennen seien.
Einige Tage später klärte Klein den Schwindel auf. Er habe die Menschen mit der Wurst vor schwarzem Hintergrund lehren wollen, nie unkritisch auf Bilder zu blicken, auch wenn sie von vermeintlich amtlicher Stelle kommen. Mit diesem Gag wolle er für Fake-News sensibilisieren.
Alle, die sich mit dem All ein wenig auskennen, haben das Bild sofort als Witz erkannt. Proxima Centauri ist ein Zwergstern, deutlich kleiner als die Sonne – nur wenig größer als der Planet Jupiter.
Der Stern ist zudem mehr als vier Lichtjahre entfernt. Da kann ein Teleskop wie James Webb niemals Details erkennen. Welche Einzelheiten ein Teleskop abbilden kann, hängt von seinem Durchmesser und der beobachteten Wellenlänge ab. James Webb ist zwar größer als Hubble, beobachtet aber langwellige Infrarotstrahlung – daher sehen beide praktisch gleich scharf hinaus ins All.
Und noch etwas haben sie gemeinsam: Versuchen die Fachleute mit Webb oder Hubble die Rätsel des Kosmos zu ergründen, geht es immer um die Wurst.