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StartseiteUmwelt und VerbraucherWeckruf für die Welt02.02.2007

Weckruf für die Welt

Reaktionen auf den Klimabericht aus Berlin

Der Chef der internationalen Klima-Forschergruppe versprach den Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft bereits Ende Januar einen "heilsamen Schock" bei der Veröffentlichung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel. Erste Reaktionen liegen bereits vor, vieles wurde ja auch schon vorher bekannt. Die Umweltorganisation BUND bezeichnet den UN-Klimabericht einen "Weckruf an die Welt". In Berlin sind bereits heute morgen kurz nach der Präsentation in Paris Entscheidungsträger aus der Politik vor die Presse getreten, aus dem Bundesumweltministerium und dem Bundesforschungsministerium.

Von Dieter Nürnberger

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) (AP)
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) (AP)

Dieser IPCC-Klimareport stellt den aktuellen, wissenschaftlichen Kenntnisstand dar. Und man kann schon sagen, dass die Ergebnisse die Politiker und auch die Vertreter der Umweltverbände hier in Berlin nicht wirklich überrascht haben. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) betont vor allem die nun gesicherte Erkenntnis, dass menschliches Handeln einen Großteil der Klimaveränderungen der vergangenen Jahrzehnte bewirkt habe. Da gäbe es nun überhaupt keinen Raum für Zweifel mehr, so der Umweltminister, der nun an kommende internationale Verhandlungen und an weitere Vereinbarungen denkt.

" Klar ist auch, dass der Klimawandel sich beschleunigt und somit gefährlicher wird. Es kommt jetzt darauf an, dass wir in Europa, beim Frühjahrsgipfel der Staats- und Regierungschefs, entscheiden, wie unsere Klimaschutzpolitik weiter laufen soll. Wir müssen deutlich mehr reduzieren. Und wir brauchen dringend, zum Ende dieses Jahres, ein internationales Verhandlungsmandat, um bis 2020 die Reduktion von 30 Prozent CO2 weltweit durchsetzen zu können. "

Bei der Realisierung des deutschen Kyoto-Zieles stehe man derzeit mit knapp 19 Prozent Treibhausgas-Reduktion gegenüber 1990 ganz gut da. 21 Prozent sind bis 2012 das Ziel. Aber es wird bei diesem Prozess auch deutlich, dass diese noch verbleibenden%e recht schwierig zu erreichen sein werden, denn in den vergangenen zwei Jahren gab es hierzulande fast eine Stagnation bei der weiteren Reduktion von CO2. Wichtig für den Bundesumweltminister ist vor allem der globale Blick, der Blick auf den wachsenden Energiehunger vor allem in Asien.

" Es darf keinen Zweifel daran geben, dass wir heute Investitionen in der Energiewirtschaft brauchen, die dann nach 2012 dazu beitragen, noch weiter CO2-Emmissionen zu reduzieren. Wir müssen in den internationalen Verhandlungen dafür Sorge tragen, dass die Staaten Europas, die USA; Japan und auch Australien den Entwicklungsländern wie China und Indien Energietechnologien zur Verfügung stellen, mit denen diese Nationen das Leben der Bevölkerung verbessern können, ohne gleichzeitig das Klima völlig aus dem Gleichgewicht zu bringen. "

Am Vormittag trat auch Annette Schavan, CDU, die Bundesbildungs- und -forschungsministerin vor die Presse. Sie versprach ein Aktionsprogramm Klimaforschung für die kommenden zwei Jahre. Zum einem sollen dadurch weitere Erkenntnisse zum Klimawandel gewonnen werden, der andere Schwerpunkt der Forschung soll aber die Entwicklung von intelligenter Technologie sein - im Bereich der Energieeffizienz und auch bei Erneuerbaren Energien, so die Ministerin. Das sei auch eine ökonomische Chance.

" Wenn ich von intelligenten technologischen Lösungen spreche, dann ist zugleich und natürlich auch gemeint: Neue Märkte für die Wirtschaft zu entwickeln. Dass wir wegkommen von dieser landläufigen Vorstellung, wer etwa für Energieeffizienz tut, wer neue technologische Lösungen für einen besseren Umgang mit Energie anbietet, der treibe die Kosten in die Höhe. Das ist nicht so. Wir wollen unsere Hausaufgaben nach der Veröffentlichung des Klimareports machen. "

Und nicht zuletzt melden sich die Umweltverbände zu Wort. Teilweise mit ganz konkreten Forderungen nach weiteren Maßnahmen zur Treibhausgas-Reduktion. Es wird ja derzeit beispielsweise über künftige Abgasnormen bei Automobilen in Europa diskutiert. Hier müssten deutlich strengere Regeln her, sagt der Naturschutzbund. Und auch der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland geht auf diesen Punkt ein, die Vorsitzende des BUND, Angelika Zahrnt.

" Die Wissenschaftler werden ja immer dramatischer in ihren Aussagen, wie sich die Entwicklung beschleunigen wird. Von daher ist es höchste Zeit zu handeln. Und nicht nur darüber zu reden! Deswegen machen wir auch Druck, dass man jetzt nicht mehr die Maßnahmen, die man längst kennt, auf die lange Bank schieben darf. Und das darf man auch dann nicht, wenn die Lobby der Automobilhersteller ständig telefoniert und Briefe schreibt. "

Eine Art Schockstarre nach der Veröffentlichung des Reports zeigte sich in den deutschen Reaktionen vielleicht nicht. Der Begriff Ernüchterung scheint angemessener.

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