Nach angekündigtem US-Truppenabzug
Wehrbeauftragter Otte warnt vor "Lücke in der deutschen Verteidigungsarchitektur"

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Otte, hat angesichts des angekündigten Abzugs eines Teils der US-Truppen vor einer Lücke in der deutschen Verteidigungsarchitektur gewarnt. Der CDU-Politiker sagte, der Abzug von US-Kampfeinheiten sei ein schlechtes Signal und müsse kompensiert werden.

    Henning Otte (CDU), aufgenommen nach seiner Wahl als neuer Wehrbeauftragter des Bundestags. Er lächelt verhalten. Im Hintergrund ist unscharf der Bundesadler auf einer Glasscheibe zu erkennen.
    Henning Otte, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
    Otte betonte gegenüber dem Magazin "Spiegel", dies bedeute mehr denn je, die eigene Verteidigungsfähigkeit schnell auszubauen. Mit Blick auf die USA sagte er, das Land verzichte mit dem Schritt auf eine vorteilhafte Infrastruktur und gesellschaftliche Rückendeckung.

    Merz: US-Ankündigung im Kern nicht neu

    Bundeskanzler Merz sieht das deutsch-amerikanische Verhältnis trotz des schärfer werdenden Tons aus dem Weißen Haus nicht in der Krise. Der angekündigte Truppenabzug sei im Kern nicht neu, sagte Merz im ARD-Fernsehen. "Es wird vielleicht ein bisschen zugespitzt, aber neu ist es nicht", fügte der CDU-Vorsitzende hinzu. Er bestätigte außerdem, dass die vom damaligen US-Präsidenten Biden zugesagte Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörper zunächst nicht erfolgen werde. Der Zug sei jedoch noch nicht abgefahren, betonte Merz.

    Bürgermeister von Ramstein: Abzug würde Standort wirtschaftlich hart treffen

    Vertreter von Kommunen und Ländern in Rheinland-Pfalz machten auf weitere mögliche Folgen aufmerksam. Der Bürgermeister der rheinland-pfälzischen Stadt Ramstein, Hechler, sagte der Deutschen Presse-Agentur, ein Truppenabzug würde die Region mit großer Härte treffen. Bei einem Abzug von insgesamt 5.000 Soldaten seien es mit Familiennachzug 10.000 bis 12.000 Menschen, die aus den deutschen Standorten wegzögen. Dies würde schmerzhafte wirtschaftliche Einschnitte bedeuten. Allerdings sehe er keine Anzeichen für einen Abzug im Raum Ramstein. Der wahrscheinlich künftige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Schieder (CDU), hatte zuvor ebenfalls gesagt, es gehe nicht nur um das Miteinander bei sicherheitspolitischen Fragen, sondern auch um wirtschaftliche Folgen.

    Trump will mehr als 5.000 Soldaten abziehen

    Am Freitag hatten die USA einen Abzug von 5.000 Soldatinnen und Soldaten angeordnet. Inzwischen sagte Präsident Trump vor Journalisten, man werde die Truppenstärke um weit mehr reduzieren. Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit angekündigt, er wolle 12.000 der seinerzeit rund 35.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Er beschrieb das Vorhaben damals als Strafaktion für die aus seiner Sicht mangelnden deutschen Militärausgaben. Doch sein Nachfolger Biden stoppte die Pläne. 

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    Diese Nachricht wurde am 04.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.