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StartseiteCampus & KarriereWeiterbildung für Imame23.09.2011

Weiterbildung für Imame

An der Uni Osnabrück werden muslimische Prediger und Gemeindevorsteher geschult

Die meisten in Deutschland tätigen Imame werden in der Türkei ausgebildet. Häufig sprechen sie nur wenig deutsch. An der Uni Osnabrück geht nun erstmals ein Weiterbildungskurs für examinierte Imame zu Ende: Schwerpunkte sind deutsche Sprache, Landeskunde und Pädagogik.

Von Kerstin Staben

Blick in den Neubau der Merkez-Moschee in Duisburg (AP)
Blick in den Neubau der Merkez-Moschee in Duisburg (AP)

Abdul-Jalil Zeitun ist 63 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Syrien. Er predigt als Imam in der Ibrahim Al-Khalil Moschee in Osnabrück und lebt schon seit 40 Jahren in Deutschland. Trotzdem hat ihm der Kurs etwas gebracht:

"Für mich, das ist eine Bereicherung und man hat schon vieles dazu gelernt, was man vorher noch nicht gelernt hat. Auch mit dem Grundgesetz, dem Schulsystem, Landeskunde."

Die deutsche Sprache, Landeskunde, Pädagogik – das sind die Schwerpunkte der Weiterbildung. Der Hintergrund: Die meisten in Deutschland tätigen Imame haben in der Türkei ihr Theologiestudium abgeschlossen. Sie kommen also als fertige Theologen nach Deutschland, sprechen aber oft nur wenig deutsch. Oder sie kommen nur aushilfsweise – für ein paar Jahre. Zur Integration der Muslime in Deutschland können sie so nicht viel beitragen. Deshalb setzt sich unter anderem der islamische Religionspädagoge Bülent Ucar für die Ausbildung von Imamen an der Uni Osnabrück ein:

"Ich glaube, dass Theologie immer kontextuell ist, immer Rücksicht nehmen muss auf die Lebenswirklichkeit der Menschen, und die Lebenswirklichkeit der Muslime in Deutschland ist anders als in der Türkei, in Bosnien oder im Iran."

Auch Abdul-Jalil Zeituns Tochter hat als eine von vier Frauen an dem Weiterbildungskurs teilgenommen. Sie ist als Seelsorgerin tätig und hofft, dass in Zukunft auch noch mehr muslimische Frauen an die Uni gehen:

"Wenn man in die Moscheegemeinden geht, sieht man ganz viele Frauen, die sehr aktiv sind, die die Gemeinden aufrecht erhalten. Ich denke da muss man einfach besser hingucken. Ich wünsche mir, dass in Zukunft mehr Theologinnen und Theologen aus diesem Land kommen und dementsprechend Probleme in den Gemeinden besser lösen können."

Die Weiterbildung soll die Absolventen in die Lage versetzen, theologische Inhalte nicht nur in ihrer Muttersprache, sondern auch in Deutsch wiedergeben zu können. Doch auch Gemeinde- und sozialpädagogische Jugendarbeit sind wichtige Inhalte der Weiterbildung, um auf mögliche Probleme eingehen zu können, so Bülent Ucar:

"Es gibt beispielsweise religiöse Strömungen im Bereich des Islams, nehmen Sie da nur die Salafisten, die im höchsten Maße problematisch sind. Da ist es wichtig, den Imamen ein Handwerkszeug zu geben, wie sie in ihren Gemeinden mit solchen Problemen umzugehen haben. Und zugleich haben wir auch versucht, von den Erfahrungen der katholischen und evangelischen Theologen in Bezug auf die Gemeindepädagogik zu lernen."

Die Uni Osnabrück bezeichnet den ins Leben gerufenen Weiterbildungskurs selbst als Experiment – als gelungenes, so die Vizepräsidentin Martina Blasberg-Kuhnke. Das zeige auch das anhaltende Interesse. Nachdem 30 Teilnehmer heute ihr Abschlusszertifikat erhalten, starten gleich 28 andere Imame in die zweite Kursrunde. Die große Akzeptanz sehen die Professoren auch als gute Grundlage für den geplanten vollwertigen Bachelor-Studiengang Islamische Theologie an der Uni Osnabrück. Bund und das Land Niedersachsen haben dafür 6,6 Millionen Euro zugesichert. Derzeit werden Lehrpläne erarbeitet. Bis es dann Ende 2012 losgehen soll.

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